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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Viosa; Viotti; Vipern

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Viosa - Vipern.

rechte preußische Flügel hatte vom Oberkommandierenden der zweiten Armee, Prinzen Friedrich Karl, der um 4 Uhr von Pont à Mousson auf dem Schlachtfeld eintraf, den Befehl erhalten, nur seine Stellung zu behaupten. Bazaine begnügte sich seinerseits, seine Verbindung mit Metz zu sichern, und unterließ es, seine Übermacht zu einem entscheidenden Angriff zu verwenden. Die vereinzelten Angriffsversuche der Franzosen hatten daher ebensowenig Erfolg wie anderseits die Vorstöße der zur Verstärkung der 5. Division herankommenden deutschen Truppenteile vom 10. und 8. Korps. Zu einem besonders heftigen, blutigen Kampfe führte der Angriff, welchen die durch das 11. Regiment (vom 9. Korps) verstärkte 32. Infanteriebrigade (72. und 40. Regiment) nach 5 Uhr von Gorze über die Côte Mousa durch das Bois St.-Arnould auf die stark besetzte Höhe südlich Rezonville unternahm. Dreimal wurde die Höhe unter großen Verlusten gestürmt, dreimal wurden die preußischen Regimenter wieder zum Rückzug gezwungen. Als es bereits dämmerte, befahl der Prinz noch das Vorgehen der Artillerie und der Brigade Grüter von der 6. Kavalleriedivision gegen Rezonville. Dasselbe zeigte den Franzosen, daß die Kräfte der Preußen noch nicht erlahmt waren. Erst gegen 10 Uhr verstummte die Schlacht. Die taktischen Ergebnisse des Kampfes waren gering, da die Deutschen die mehr als doppelt überlegene französische Heeresmacht (120,000 Mann gegen 66,000 Deutsche) aus ihren Hauptstellungen nicht hatten vertreiben können. Dagegen zeigte sich die strategische Bedeutung desselben, als sich am 17. morgens ergab, daß die Franzosen wegen ihrer großen Verluste und des Mangels an Munition und Lebensmitteln ihre Stellungen geräumt und auf die Fortsetzung des Abmarsches nach Westen vorläufig verzichtet hatten. Die französischen Verluste beliefen sich an Toten, Verwundeten und Gefangenen auf 879 Offiziere und 16,128 Mann (nebst 1 Geschütz), die deutschen auf 711 Offiziere und 15,079 Mann, wovon das 3. Korps 310 Offiziere und 6641, das 10 Korps 202 Offiziere und 4945 Mann verlor. S. die Karte bei »Metz«, S. 553. Vgl. »Der deutsch-französische Krieg 1870/71« (Generalstabsbericht, Teil 1, Heft 5, Berl. 1874); Bazaine, L'armée du Rhin (Par. 1872); Frossard, Rapport sur les opérations du II. corps de l'armée du Rhin (das. 1871). Von E. v. Wildenbruch ist die Schlacht bei V. episch behandelt worden.

Viosa (Vovussa, der antike Aoos), Fluß im türk. Wilajet Janina (Albanien), entspringt am Zygosberg, östlich von Metsovo und dicht bei dem Salamvrias, fließt fast stets nach NW., nimmt von links den Voidomati und Dvyno auf und mündet nördlich von Avlona in das Adriatische Meer.

Viotti, Giovanni Battista, Violinspieler und Komponist, geb. 23. Mai 1753 zu Fontanetto in Piemont als Sohn eines Hufschmieds, der, selbst musikalisch, ihm den ersten Unterricht erteilte, bis ihn später der Marchese Voghera in Turin durch Pugnani (s. d.) ausbilden ließ. 1780 trat V. seine erste Kunstreise an und besuchte Deutschland, Rußland, Polen, Frankreich und England, überall den gleichen Enthusiasmus durch sein gediegenes Spiel hervorrufend. In Paris wurde er von Marie Antoinette mit einem Gehalt von 6000 Frank unter dem Titel eines »Akkompagnateurs der Königin« angestellt, ließ sich aber durch sein reizbares Temperament zu mancherlei gesellschaftlichen Verstößen verleiten, welche seine Stellung unangenehm machen mußten. 1788 verband er sich mit Léonard, dem Friseur der Königin, welcher das Privilegium zur Errichtung einer italienischen Oper erhalten hatte; doch scheiterte dies Unternehmen schon beim Beginn der Revolution, und V. sah sich genötigt, nach London zu gehen, wo er wiederum als Violinspieler auftrat. Von den Emigranten als Spion der Revolutionspartei verdächtigt, zog er sich nach Hamburg zurück, wo er in einem Landhaus bis 1795 lebte, kehrte dann nach London zurück und lebte hier 20 Jahre in beschaulicher Ruhe. Mit seinen Ersparnissen hatte er sich an einem Weinhandel beteiligt, dessen Erträgnis ihm eine bescheidene Existenz sicherte. 1818 ging er von neuem nach Paris und übernahm 1819 die Leitung der damals gesunkenen Großen Oper; jedoch war er auch hier nicht glücklich, indem er das Institut nicht wieder zu heben vermochte. Er ging, mit einer Pension von 6000 Frank entlassen, abermals nach London und starb hier 10. März 1824. V. schrieb außer einigen Sonaten, mehreren Streichquartetten und verschiedenen andern Sachen einige fünfzig Violinduette und 29 Violinkonzerte, welch letztere bis heute ihren Wert behalten haben und von den ersten Geigern der Gegenwart öffentlich gespielt werden. Nicht minder nachhaltig hat er als Virtuose und Lehrer gewirkt. Er war es, der die Traditionen der berühmten italienischen Geigerschule des vorigen Jahrhunderts nach Frankreich übertrug, wo sie im Anfang des 19. Jahrh. in der nicht minder berühmt gewordenen, durch seinen Schüler Rode repräsentierten französischen Schule in neuem Glanz wieder auflebten.

Vipern (Ottern, Röhrenzähner, Viperina Gthr., Solenoglypha Dum. et Bibr.), Unterordnung der Schlangen (s. d.), im engern Sinn eine Familie aus dieser Unterordnung, die eigentlichen V. (Viperidae Bp.), zu welchen die Kreuzotter (Pelias berus Merr.) und die Gattung Viper (Vipera Laur.) gehören. Die Arten der letztern besitzen einen vorn schmalen, nach hinten plötzlich verbreiterten, oben mit glatten Schuppen bedeckten Kopf, große seitliche Nasenlöcher, gekielte Rückenschuppen und zweireihig gestellte Schilder unter dem Schwanz. Die Viper (V. aspis Merr.), 60-75 cm lang, der Kreuzotter sehr ähnlich, oberseits grau, rötlich bis schwarz, mit dunkeln Flecken gezeichnet, welche in derselben Weise wie bei der Kreuzotter geordnet sind, aber nicht ein zusammenhängendes Band bilden, unterseits hell bräunlichgelb bis schwarz, einfarbig oder heller oder dunkler gefleckt, findet sich namentlich im Mittelmeergebiet, in Frankreich, Lothringen, in der Pfalz und in Südbayern, in der Schweiz, in Tirol, Kärnten, Istrien und Dalmatien, zeigt auch in ihrem Wesen große Ähnlichkeit mit der Kreuzotter, wenngleich ihr Biß minder gefährlich zu sein scheint, und nährt sich, wie diese, hauptsächlich von Mäusen. Das Weibchen heckt 12-15 etwa 20 cm lange Junge. An dieser Schlange haben Redi und Fontana im 17. und 18. Jahrh. ihre berühmten Versuche über das Schlangengift angestellt. Die Sandotter (V. ammodytes Dum. et Bibr.), 1 m lang, ist der vorigen und der Kreuzotter ähnlich gefärbt, aber an dem häutigen, beschuppten, einer kegelförmigen Warze ähnlichen Nasenanhang leicht kenntlich. Sie bewohnt die Mittelmeerländer, auch Kärnten und Tirol, besonders das Gebirge und Weinberge, nährt sich von Mäusen, Vögeln und Eidechsen, ist sehr träge und verrät sich durch einen unerträglichen Knoblauchgeruch. Auch sie bringt lebendige Junge zur Welt. Ihr Biß scheint gefährlicher zu sein als der der Viper, doch greift sie niemals an. Die Hornviper (Cerastes aegyptiacus Dum. et Bibr.), 65-70 cm lang, mit hinten sehr