Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wahrzeichen; Wahsatch Mountains; Waiblingen; Waiblinger; Waibstadt; Waid; Waidhofen; Waidküpe; Waifa; Waigatsch; Waigëu

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Wahrzeichen - Waigëu.

(Washingt. 1880-81); J. ^[Joseph] Meyer, Zur Währungsfrage (Berl. 1880); L. Bamberger, Münzreform und Bankwesen (das. 1880); R. Waitz v. Eschen, Goldwährung oder Doppelwährung (Kassel 1880); Bueck, Beiträge zur Währungsfrage (Düsseld. 1881); C. F. Ferraris, Le ultime fasi della questione monetaria (»Nuova antologia« 1881); Kleser, Geld und W. (Berl. 1881); Derselbe, Die deutsche W. und ihre Gegner (Köln 1883); Haupt, Währungspolitik und Münzstatistik (Berl. 1884); Derselbe, Histoire monétaire de notre temps (Par. 1886, eine Münzstatistik aller Länder der Erde); Benzi, Monetaria (Rom 1886); Gibbs und Grenfell, The Bi-metallic controversy (Lond. 1886); Laughlin, History of Bimetallism in the United States (New York 1886); Arendt, Der Währungsstreit in Deutschland (Berl. 1886); Barbour, Theory of Bimetallism and the effects of the partial demonetisation of silver in England and India (Lond. 1886); Horton, The silver pound and England's monetary policy since the restoration etc. (New York 1887); die »Reports« der Wertrelationskommissionen in England (1887 u. 1888); weitere Schriften von Bamberger, Bernhardt, Bunzl, Burckhardt-Bischoff, Farmer, Launhardt, Levi, Meyer, Oldekop etc. und bei Art. Bimetallismus.

Wahrzeichen, s. v. w. Merkmal, Kennzeichen, durch welche Gegenstände, besonders auch bewohnte Orte, charakterisiert werden, wie altertümliche Baulichkeiten, Steinbilder, Kuriosa etc. In der Geschichte der Gewerbsverbände spielten die Städtewahrzeichen ehedem eine große Rolle, indem die zuwandernden Gesellen sich dem Altgesellen gegenüber durch die Kenntnis der W. über den Aufenthalt in andern Städten ausweisen mußten. Reiches Material zur Kunde der W. enthält die Leipziger »Illustrierte Zeitung«. Vgl. Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen (1. Bd., Leipziger und Dresdener W. enthaltend, Leipz. 1858; nicht fortgesetzt).

Wahsatch Mountains (spr. -satsch mauntĭns), Randgebirge, welches das Große Becken von Utah, in Nordamerika, im O. begrenzt, von dem Provo, Weber, Ogden und Bärenfluß in tiefen Cañons durchbrochen wird und im Nebo (3655 m) und Belknap Mountain (3525 m) gipfelt.

Waiblingen, Oberamtsstadt im württembergischen Neckarkreis, an der Rems, Knotenpunkt der Linien Kannstatt-Nördlingen und W.-Hessenthal der Württembergischen Staatsbahn, 218 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen (darunter eine schöne gotische außerhalb der Stadt, von 1488), ein neues Rathaus, eine Latein- und Realschule, ein Amtsgericht, bedeutende Ziegel- und Thonwarenfabrikation, Seidenweberei, Kunstmühlen, mechanische Strickerei, Gerberei, Obst- und Weinbau und (1885) 4326 meist evang. Einwohner. - W. wird schon 885 genannt und diente den letzten Karolingern als königliche Pfalz. Es gehörte später zum Hausgut der Salier, unter denen König Konrad II. von einem Zeitgenossen nach W. benannt wird, wurde 1080 an das Bistum Speier geschenkt, kam aber nach dem Tod Heinrichs V. an das Geschlecht der Hohenstaufen. Nach deren Aussterben wurde W. von den Grafen von Württemberg erworben. Nach ihm erhielten die Hohenstaufen den Beinamen Waiblinger, der von den Italienern in Ghibellinen (s. d.) korrumpiert wurde.

Waiblinger, Wilhelm Friedrich, Dichter und Schriftsteller, geb. 21. Nov. 1804 zu Heilbronn, schrieb noch als Schüler des Gymnasiums in Stuttgart den philosophischen Roman »Phaeton«, der jedoch erst später (Stuttg. 1823, 2 Bde.) im Druck erschien, studierte zu Tübingen Theologie und Philologie, ging hierauf 1826 nach Italien und starb 17. Jan. 1830 in Rom. Alle seine spätern Arbeiten und Versuche, unter ihnen »Vier Erzählungen aus Griechenland« (Ludwigsb. 1823), »Lieder der Griechen« (Stuttg. 1823), »Drei Tage in der Unterwelt« (das. 1826), »Blüten der Muse aus Rom« (Berl. 1829) und das »Taschenbuch aus Italien und Griechenland« (das. 1829-30), erwiesen eine ungewöhnlich reiche Phantasie und poetische Sinnlichkeit, der leider die höchste Entwickelung und Läuterung versagt blieb. Seine »Gesammelten Werke« gab H. v. Canitz (Hamb. 1839-40, 9 Bde.; 3. Ausg., Pforzh. 1859), seine »Gedichte« Mörike (Hamb. 1844), die »Bilder aus Neapel und Sizilien« Grisebach (Leipz. 1879) heraus.

Waibstadt, Stadt im bad. Kreis Heidelberg, am Schwarzbach und an der Linie Meckesheim-Neckarelz der Badischen Staatsbahn, hat eine neue kath. Kirche, Zigarrenfabrikation und (1885) 2014 Einw. W. war früher Reichsstadt.

Waid, s. Isatis.

Waidhofen, 1) W. an der Thaya, Stadt in Niederösterreich, an der Thaya, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein altes Schloß, ein Realgymnasium, eine Sparkasse (über 4 Mill. Gulden Einlagen), eine Knopffabrik, Bierbrauerei und (1880 als Gemeinde) 2058 Einw.

2) W. an der Ybbs, Stadt in Niederösterreich, am linken Ufer der Ybbs u. an der Staatsbahnlinie Kleinreifling-Amstetten, schon im 12. Jahrh. mit Privilegien versehen und auch jetzt eine Stadt mit eignem Gemeindestatut bildend, hat einen zum Andenken an die Niederlage der Türken (1532) erbauten Stadtturm, ein (Rothschildsches) Schloß, eine alte Pfarrkirche, ein Bezirksgericht, eine Landesunterrealschule, eine Sparkasse (4,5 Mill. Guld. Einlagen), eine Badeanstalt, bedeutende Eisenindustrie und (1880) 3525 Einw. W. wird in neuerer Zeit als Sommerfrischort viel besucht. Gegenüber am rechten Ybbsufer liegt der Markt Zell an der Ybbs mit 744 Einw. Nördlich von W. erhebt sich der 704 m hohe Sonntagsberg mit Wallfahrtskirche. Vgl. Zelinka, W. an der Ybbs (3. Aufl., Wien 1879).

Waidküpe, s. Indigo, S. 919.

Waifa, s. Gelbbeeren.

Waigatsch, Insel im Nördlichen Eismeer, zum russ. Gouvernement Archangel gehörig, wird durch die gleichnamige Straße (auch Jugorsche Straße genannt) vom Festland und durch die Karische Pforte von Nowaja Semlja getrennt, hat ihre nördliche Spitze unter 70° 29' nördl. Br. und ist 108 km lang und 42 km breit. Der Flächeninhalt beträgt 3703 qkm (67,2 QM.). W. ist gebirgig, zumal in der Mitte, wo sich eine Fortsetzung des Pae-Choi hinzieht, kahle Berge, an deren Fuß Moos wächst. Die Vegetation ist überhaupt sehr arm, und nur an einigen Südabhängen der Berge trifft man Sauerampfer, wilde Zwiebeln, Löffelkraut und Vergißmeinnicht; dafür aber ist die Insel reich an Pelztieren (rote und blaue Füchse, Renntiere, Eisbären, Wölfe), Seevögeln und Seetieren. Der Jagd und des Fischfanges wegen kommen zu den wenigen hier wohnenden Samojeden im Sommer vom Festland Russen, Syrjänen und Samojeden herüber.

Waigëu (Wasserinsel), Insel im NW. von Neuguinea, von diesem und von Salwatti durch die Dampier- oder Geminstraße getrennt, 2632 qkm (47,8 QM.) groß, stark gebirgig (im Durchschnitt 600 m, im Nok oder Gunong Waigëu aber 1250 m hoch) und