Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Waldenburger Gebirge; Waldenser

348

Waldenburger Gebirge - Waldenser.

bezirk Breslau, an der Polsnitz und im Mittelpunkt des Waldenburger Gebirges (s. d.), Knotenpunkt der Linien Kohlfurt-Sorgau und Altwasser-Wrangelschacht der Preußischen Staatsbahn, 434 m ü. M., hat eine evangelische, eine altlutherische, eine apostolische und eine kath. Kirche, eine kath. Kapelle und eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Amtsgericht, 2 Bergreviere, eine große Porzellanfabrik und Porzellanmalerei, Tafelglas-, Maschinen-, Zündhölzer-, Schamottestein- und Öfenfabrikation, Herstellung von Benediktiner-Likör, Flachsspinnerei, Steinkohlenbergbau und (1885) 13,000 meist evang. Einwohner. In seiner nächsten Nähe das Dorf Ober-W. mit Kohlengrube, großer Maschinenspinnerei, Schloß und (1885) 3615 Einw. - 2) Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Glauchau, an der Zwickauer Mulde und der Linie Glauchau-Wurzen der Sächsischen Staatsbahn, 257 m ü. M., ist Hauptstadt der fürstlichen Rezeßherrschaft W. des Hauses Schönburg (s. d.), hat eine evang. Kirche, ein großes, seit dem Brand von 1848 prachtvoll wieder aufgebautes fürstlich Waldenburgsches Residenzschloß mit Park, ein Schullehrerseminar, ein Amtsgericht, bedeutende Strumpfwaren- und Handschuhfabrikation, Korsett-, Posamenten-, Wagenborten- und Kartonagenfabriken, Weberei für wollene und baumwollene Stoffe und (1885) 2960 meist evang. Einwohner. Dabei die Dörfer Alt-W. und Altstadt-W. mit 980, bez. 1746 Einw. (in letzterm berühmte Töpferei [Waldenburger Gefäße], Posamenten- und Strumpfwarenfabrikation) und der fürstliche Park Grünfeld mit Mausoleum. Vgl. Hanschmann, Chronik der Stadt W. (Glauchau 1880). - 3) Stadt im württemberg. Jagstkreis, Oberamt Öhringen, zur Standesherrschaft des Fürsten von Hohenlohe-W.-Schillingsfürst gehörig, an der Eisenbahn Heilbronn-Krailsheim, 507 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Schloß und (1885) 1305 Einw.

Waldenburger Gebirge (Niederschlesisches Steinkohlengebirge), Teil der Sudeten, umfaßt das Bergland zwischen den Urgebirgsmassen des Riesen-, Katzbach- und Eulengebirges und dem Sandsteingebirge der Heuscheuer und wird vom Riesengebirge durch das Landeshuter Thal am obern Bober getrennt. Der Hauptmasse nach besteht es aus devonischer Grauwacke vom Alter des Kohlenkalksteins (Kulm), aus dem produktiven Steinkohlengebirge, aus Rotliegendem, Porphyr und Melaphyr. Das produktive Steinkohlengebirge bildet innerhalb diese Gesteine eine 24 km lange und 8 km breite Mulde, in deren Mitte etwa Waldenburg liegt, und in welcher sich die Porphyrgruppe des Hochwaldes (834 m) erhebt. Nördlich von dieser Mulde erhebt sich das Gebiet der devonischen Grauwacke mit den romantischen Partien des Fürstensteins und der Porphyrkuppe des Sattelwaldes (764 m). Südlich von der Kohlenmulde, die Zweige nach SO. in die Grafschaft Glatz und über Landeshut südlich nach Böhmen hinein entsendend, entwickelt sich das Rotliegende in ansehnlichem Umfang, aber ohne bedeutende Erhebungen. Dasselbe wird aber von einem Zug aus Porphyr und Melaphyr durchbrochen, in dem der Heidelberg (954 m) der höchste Punkt des ganzen Gebirges ist. Das Kohlengebirge erreicht seine größte Mächtigkeit bei Waldenburg, in dessen Nähe bei Weißstein 19 bauwürdige Flöze mit 26 m und bei Hermsdorf 27 Flöze mit 33 m Steinkohle erschlossen sind. Außer der Steinkohle gibt es Eisenerze, Bausteine und Mineralquellen (Salzbrunn, Charlottenbrunn). Lebhaft ist die Industrie, namentlich Bergbau und Fabrikation von Leinen-, Baumwoll-, Woll- und Halbwollwaren, Porzellan, Glas, Thonwaren etc. Durch das Gebirge führt eine Linie der Breslau-Schweidnitz-Freiburger Bahn (Breslau-Halbstadt), die bei Halbstadt mit dem böhmischen Eisenbahnnetz und in der Waldenburger Kohlenmulde mit der Schlesischen Gebirgsbahn (Kohlfurt-Glatz) in Verbindung tritt.

Waldenser (Waldesier), eine als Vorläuferin der Reformation berühmte religiöse Genossenschaft, die ihren Namen einem reichen Bürger von Lyon, Petrus Valdez oder Waldus, verdankt. Derselbe ließ sich Übersetzungen mehrerer Stücke der Bibel besorgen und wurde durch ihr Studium zu dem Entschluß geführt, durch Übernahme freiwilliger Armut die apostolische Reinheit der Kirche wiederherzustellen. Zu diesem Zweck zog er bald nach 1170 zur Verkündigung des Evangeliums mit Anhängern umher, welche, weil sie allem Eigentum entsagt hatten, Pauperes de Lugduno (die Armen von Lyon, daher auch Leonisten) hießen. Die lombardischen W. (Pauperes italici) vereinigten sich in Mailand mit den dort schon bestehenden Humiliaten, so genannt wegen ihrer Demut. Mit der Kirche, deren Anerkennung sie vergeblich auf dem dritten Laterankonzil 1179 erstrebt hatten, gerieten sie zunächst bloß wegen des freien Bibellesens und wegen der Laienpredigt in Konflikt, späterhin auch bezüglich der Sakramentenlehre. Sie wurden deshalb von Lucius III. auf der Synode zu Verona 1184 und von Innocenz III. aus dem Laterankonzil 1215 gebannt, verbreiteten sich aber nichtsdestoweniger in Italien, Frankreich und Böhmen. Bald nach dem Tode des Stifters verhandelten die französischen und die italienischen W. 1218 zu Bergamo verschiedene trennende Fragen. Von Frankreich wanderten sie nach den Südabhängen der Kottischen Alpen, und seither blieben die Hauptsitze der Sekte die Thäler von Piemont und Savoyen. Hier wie überall hatten sie trotz ihrer rein evangelischen Grundsätze und ihres von den Vorschriften der Bergpredigt geleiteten Lebens bis ins 18. Jahrh. hinein zahllose Verfolgungen zu erdulden. So ließ Papst Sixtus IV. 1477 sogar einen Kreuzzug gegen sie predigen. Spätestens aus dieser Zeit stammt auch ihr bedeutendstes litterarisches Produkt, das religiöse Lehrgedicht »Nobla Leyczon«. Die Reformation drang auch bis in die Waldensersitze vor; 1532 fand unter Farels (s. d.) Teilnahme eine Waldensersynode statt, welche die Ohrenbeichte und die Siebenzahl der Sakramente abschaffte, den Cölibatszwang aufhob und sich der reformierten Lehre anschloß. In der Dauphiné wurden 1545 gegen 4000 W. ermordet, 1655 sind von einem piemontesischen Heer, vereint mit Banditen und fanatischen Irländern, zahllose W. unter den entsetzlichsten Qualen hingeschlachtet worden, ja 1685 wurden durch ein französisches und italienisches Heer etwa 3000 W. getötet, 10,000 in Gefängnisse geworfen und 3000 ihrer Kinder in katholische Orte verteilt. Neuerdings verwandten sich protestantische Mächte, namentlich Preußen, mit Erfolg zu ihren gunsten, und durch Patent des Königs von Sardinien vom 17. Febr. 1848 erhielten sie religiöse und kirchliche Freiheit sowie gleiche bürgerliche Rechte mit der katholischen Bevölkerung. Die W. bewohnen jetzt hauptsächlich die drei Alpenthäler Val Martino, Val Angrona und Val Lucerna, wo sie sich durch Sittenreinheit, Gewerbfleiß und treffliche Bearbeitung der Felder und Weinberge vorteilhaft auszeichnen. Ihre Zahl ist daselbst von 80,000 (um 1500) auf höchstens 25,000 zurückgegangen. Im J. 1883 gab es in ganz Italien nur 14,866 W. In 15 Thalgemeinden wa-^[folgende Seite]