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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wasserheilanstalten; Wasserhoheit; Wasserholder; Wasserhose; Wasserhuhn

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Wasserheilanstalten - Wasserhuhn.

zugeschrieben. Den Römern waren zu Vitruvs Zeiten außer den erstgenannten W. schon die Trommelräder, Wasserschrauben und einfach wirkende Kolbenpumpen mit Windkesseln bekannt. Erfinder der letztern soll nach Vitruv der Grieche Ktesibios (150 v. Chr.) gewesen sein, dessen Schüler Heron den bekannten Heronsball erfand und die Benutzung der Pumpen als Feuerspritzen kannte. Im 4. Jahrh. n. Chr. waren die Feuerspritzen unter dem Namen Siphos ziemlich verbreitet. Die Verwendung der Pumpen zur Bewältigung von Grubengewässern statt der bis dahin gebräuchlichen Eimerkünste fand zuerst in der Mitte des 16. Jahrh. im sächsischen und böhmischen Erzgebirge statt, bald darauf auch im Harz. Lange Zeit verging, ehe man anfing, die Wasserpumpen zu verbessern. Erst im 17. Jahrh. zeigten sich derartige Bestrebungen in der Erfindung der rotierenden Pumpen und Kapselräder, welch letztere von Pappenheim herrühren sollen und deshalb machinae Pappenheimianae genannt wurden. 1674 wandte Morland zuerst statt der niedrigen Pumpenkolben lange, glatt abgedrehte Kolben an (sogen. Taucher- oder Plungerkolben). Eine doppelt wirkende Pumpe zu erfinden, gelang erst 1716 dem französischen Akademiker De la Hire. Ein wesentlich neues Prinzip der Wasserhebung verfolgte Demour, als er 1732 die erste Zentrifugalpumpe erfand, die allerdings von unsern modernen noch wesentlich abweicht. Fig. 2 zeigt dieselbe: g senkrechte Welle, durch das Triebstockrad f bewegt. Durch die Arme e und d wird auf der Welle ein Rohr a l in schräger Richtung festgehalten, welches bei der Rotation der Welle mit herumgeht und dabei unten sich in einem Wasserbassin w bewegt. Die in dem Rohr hervorgerufene Zentrifugalkraft treibt zunächst die Luft aus a l heraus, danach das infolge des äußern Luftdrucks nachfolgende Wasser, welches nun kontinuierlich emporgeworfen und in einer kreisförmigen Rinne c c aufgefangen wird. In demselben Jahr aber findet sich schon eine Zentrifugalpumpe, die mit den jetzigen große Ähnlichkeit hat. Kurz hintereinander folgen dann die Erfindungen der Spiralpumpe durch den Zinngießer Wirz in Zürich (1746), von Hölls Luftmaschine (1753) und des hydraulischen Widders von Montgolfier oder, wie die Engländer behaupten, von Whaitehurs. Von andern W. waren die Wurfräder im 18. Jahrh. schon bekannt, ebenso die Wurf- und Schwungschaufeln. Das Prinzip der Strahlapparate war von dem Wassertrommelgebläse her (s. Gebläse) längst bekannt, doch rührte die Idee des Injektors erst aus dem Jahr 1818 von Marquis Mannonry d'Ectot her und wurde zuerst von Giffard 1858 in praktisch verwendbarer Weise durchgeführt. Die seit Anfang des 19. Jahrh. allgemeinere Verwendung des Gußeisens im Maschinenbau war auch von wesentlichem Einfluß auf die Konstruktion der W. und bewirkte, daß sie, wenn auch im Prinzip nicht neu, doch in der Ausführung bis zu einer großen Vollkommenheit gebracht worden sind.

^[Abb.: Fig. 1. Altägyptischer Schwingbaum. Fig. 2. Demours Zentrifugalpumpe.]

Wasserheilanstalten, Anstalten zur Anwendung der Kaltwasserkur (s. d.).

Wasserhoheit, s. Wasserrecht.

Wasserholder, s. Viburnum.

Wasserhose, s. Trombe.

Wasserhuhn (Fulica L.), Gattung aus der Ordnung der Stelzvögel, der Familie der Rallen (Rallidae) und der Unterfamilie der Wasserhühner (Gallinulinae), kräftig gebaute Vögel mit mittellangem Hals, ziemlich großem Kopf, kurzem, kegelförmigem, zusammengedrücktem Schnabel mit scharfer, etwas gezähnelter Schneide und großer Stirnschwiele, ziemlich hohem, starkem Fuß, langen, mit Lappen bekleideten Zehen, mittellangen Flügeln und sehr kurzem Schwanz. Das W. (Böll-, Bläßhuhn, Pfaffe, Zoppe, F. atra L.), 47 cm lang, 78 cm breit, ist schieferschwarz, mit hellroten Augen, weißem Schnabel und grauen Füßen, findet sich in ganz Europa und Mittelasien, weilt bei uns von der Schneeschmelze bis Oktober und November, wandert gesellschaftlich bis Afrika, Südasien und Australien, überwintert aber auch in Südeuropa und selbst in Deutschland. Es bewohnt Seen und größere Teiche, die am Rand mit Schilf bewachsen sind, lebt vorzüglich auf dem Wasser, schwimmt vortrefflich, auch unter Wasser, läuft ziemlich gut, fliegt aber schlecht und deshalb selten. Es ist zutraulich, aber vorsichtig, ungemein regsam, mutig, kampflustig, nach der Brut sehr gesellig. Es nährt sich von Insekten, Schaltieren, Pflanzenstoffen, nistet im Schilf oder auf dem Wasser und legt 7-15 blaß braungelbe, dunkelgrau und schwarzbraun gefleckte Eier, welche in 20-21 Tagen ausgebrütet werden. Obgleich das Fleisch des Wasserhuhns schlecht ist, wird es doch hier und da eifrig gejagt. In der Gefangenschaft gedeiht es nur auf einem größern Wasserbecken, wo es sich auch fortpflanzt. Dem W. sehr nahe verwandt ist das Teichhuhn (Moorhuhn, Rotbläßchen, Gallinula chloropus Lath.), 31 cm lang, 60 cm breit, dunkel schiefergrau, an der Stirn rot, auf Mantel und Unterrücken dunkel ölbraun, an den Weichen weiß gefleckt, am Steiß weiß, mit gelbem, schwarzgrauem und rotem Augenring, rotem, an der Spitze gelbem Schnabel und gelbgrüben Füßen, findet sich in ständigen Abarten in allen Erdteilen, weilt bei uns von März bis Oktober, kommt und geht einzeln, überwintert auch zum Teil bei uns, bewohnt kleine, am Rand mit Schilf und Ried bewachsene und teilweise mit schwimmenden Wasserpflanzen überwucherte Teiche, und zwar sucht jedes Pärchen einen Teich allein zu besitzen. Es siedelt sich in unmittelbarer Nähe des Menschen an, schwimmt sehr schnell, auch unter Nasser, läuft leicht und behende auf dem Boden und über den mit Pflanzen bewachsenen Wasserspiegel, fliegt aber matt und schwerfällig. Es zeigt sich sehr munter und keck, kampflustig gegen Artgenossen und fremde Vögel, gewinnt aber leicht eine gewisse Zutraulichkeit. Mit großer Geschicklichkeit weiß es sich zu verstecken. Es nistet im Schilf auf dem Wasser und legt 7-11 rostgelbe, grau und braun gefleckte Eier (in der zweiten Brut weniger), welche beide Eltern in 20-21 Tagen aus-^[folgende Seite]