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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wasserstoffsäuren; Wasserstoffsulfid; Wasserstoffsuperoxyd; Wassersucht

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Wasserstoffsäuren - Wassersucht.

0,0896 g) und besitzt auch das kleinste Atomgewicht, welches daher = 1 angenommen wird. Er ist in Wasser weniger löslich als Sauerstoff, sehr leicht entzündlich, verbrennt mit schwach leuchtender, äußerst heißer Flamme, in welcher Platindraht weißglühend wird und intensives Licht ausstrahlt, zu Wasser. W. entzündet sich auch, wenn er auf Platinschwamm strömt, und ein Gemisch mit Sauerstoff oder Luft explodiert sehr heftig (s. Knallgas). Man darf deshalb aus Entwickelungsapparaten ausströmenden W. nicht entzünden, bevor die Luft vollständig ausgetrieben ist. Führt man eine kleine Wasserstoffflamme in eine an beiden Seiten offene, senkrecht stehende Glasröhre, so entstehen Töne, deren Höhe von der Länge und Weite des Rohrs über der Flamme abhängig ist (chemische Harmonika), und die man also durch Heben und Senken des Rohrs beliebig variieren kann. Bei gewöhnlicher Temperatur ist W. ziemlich indifferent, er verbindet sich auch mit Chlor im Dunkeln nicht, im zerstreuten Tageslicht nur langsam, im direkten Sonnenlicht dagegen unter heftiger Explosion. Mehrere Metalle absorbieren große Mengen W., ohne den metallischen Habitus zu verlieren, so daß die Verbindung wie eine Legierung des Metalls mit metallischem Hydrogenium zu betrachten ist. Sie geben diesen W. nur beim Erhitzen im luftleeren Raum wieder ab. Bei Rotglut sind Platin, Palladium, Eisen für W. durchdringlich. Viele Metalloxyde werden beim Erhitzen, manche schon bei gewöhnlicher Temperatur, durch W. unter Wasserbildung vollständig reduziert; viele Schwefelmetalle und Chlormetalle werden unter Bildung von Schwefelwasserstoff und Chlorwasserstoff durch W. reduziert. Besonders kräftig reduzierend wirkt W. im Entstehungsmoment. So wird vielen Körpern Sauerstoff entzogen, wenn man sie mit verdünnter Schwefelsäure übergießt und Zink hinzufügt, oder wenn man sie in Wasser bringt und Natriumamalgam in dasselbe einträgt. Der W. ist einwertig und bildet mit Sauerstoff das Wasser H2O ^[H_{2}O] und Wasserstoffsuperoxyd H2O2 ^[H_{2}O_{2}]. Er dient zum Füllen der Luftballons, als Feuerzeug (Döbereinersche Zündmaschine), zur Bereitung von Knallgas und zu Beleuchtungszwecken, indem man billig bereiteten W. mit Kohlenwasserstoffdämpfen mengt oder Platindraht in der Flamme erhitzt. Ein mit Kohlenoxyd gemischtes Wasserstoffgas, durch Einwirkung von Wasserdampf auf glühende Kohlen erhalten, dient als Heizmaterial (Wassergas). Die Entwickelung brennbaren Gases bei Einwirkung verdünnter Säuren auf gewisse Metalle wurde schon im 16. Jahrh. von Paracelsus beobachtet, aber erst 1766 erkannte Cavendish den W. (brennbare Luft) als eigentümliche Luftart.

Wasserstoffsäuren, s. Säuren.

Wasserstoffsulfid, s. Schwefelwasserstoff.

Wasserstoffsuperoxyd H2O2 ^[H_{2}O_{2}] entsteht sehr allgemein bei Oxydationsprozessen, erhält sich aber wegen seiner leichten Zersetzbarkeit stets nur in geringen Mengen und findet sich in solchen auch in der Atmosphäre. Zur Darstellung löst man Baryumsuperoxyd in verdünnter Salzsäure, kühlt, filtriert, setzt Barytwasser zu, wäscht das ausgeschiedene Baryumsuperoxydhydrat mit schwachem Barytwasser und trägt es in kalte verdünnte Schwefelsäure ein. Die filtrierte verdünnte Lösung von W. kann man durch Ausfrierenlassen oder durch Verdampfen im trocknen Luftstrom unter 30° konzentrieren. Eine 3proz. Lösung hält sich, schwach angesäuert, unter 25° im Dunkeln monatelang. W. bildet einen farblosen Sirup, riecht eigentümlich, schmeckt schrumpfend bitter, löst sich in Wasser und Alkohol, wenig in Äther, spez. Gew. 1,452, erstarrt nicht bei -30°, zersetzt sich sehr leicht in Wasser und Sauerstoff und wirkt daher sehr kräftig oxydierend; doch kann es in andern Fällen auch reduzierend wirken. Eine verdünnte wässerige Lösung verträgt Siedetemperatur, wobei sich das W. zum Teil unzersetzt verflüchtigt. Auf der Zunge erzeugt W. einen weißen Fleck; es bleicht viele Farbstoffe und färbt die Haare aschblond. Man benutzt es daher als kosmetisches Mittel (golden hair wash), zum Bleichen von Elfenbein, Federn, Seide, auch zur Restauration alter Ölgemälde, um vergilbtes und gedunkeltes Bleiweiß wiederherzustellen, und zum Waschen von Photographien, zum Entfernen der letzten Spuren von unterschwefligsaurem Natron, zur Reinigung kostbarer Zeichnungen, als Desinfektionsmittel, als Mund- und Waschwasser etc. In allen diesen Fällen muß man zunächst die dem W. zugesetzte Säure durch ein paar Tropfen Ammoniak fortnehmen, auch sind die zu behandelnden Stoffe durch Seife, Ammoniak, Äther, Benzin etc. von Fett sorgsam zu reinigen; es wäre das vorzüglichste Bleichmittel, wenn es billig genug hergestellt werden könnte, da es nicht wie das Chlor einen die Fasern zerstörenden Stoff in denselben zurückläßt. Es wurde 1818 von Thénard entdeckt.

Wassersucht (Hydrops), im allgemeinen jede krankhafte Ansammlung von wasserähnlicher Flüssigkeit an irgend welcher Stelle des Körpers. Befindet sich das Wasser in den Gewebsmaschen, so nennt man den Zustand H. anasarca oder Ödem; ist es frei in die natürlichen Höhlen des Körpers ergossen, so bezeichnet man die W. je nach dem Orte der Ansammlung als Bauchwassersucht (H. ascites), Brustwassersucht (Hydrothorax), Gehirnwassersucht (Hydrocephalus), Kniegelenkwassersucht (Hydrops genu), Hodenwassersucht (Hydrocele) etc. Die Sackwassersucht (H. saccatus, cysticus) ist eine abnorme Wasseransammlung in pathologisch neugebildeten Säcken und Höhlen und kommt am häufigsten im Bauchfell und in den Ovarien vor. Eine Ansammlung von wasserähnlicher Flüssigkeit in sonst offenen Höhlen des Körpers, deren Ausführungsgänge verschlossen sind, wird falsche W. genannt; es gehören dahin: die W. der Gallenblase, der Gebärmutter, der Muttertrompete, des Wurmfortsatzes, des Thränensackes, der Nieren, des Harnleiters, der Schleimbeutel und einzelner Follikel, wodurch Wasserblasen, Balggeschwülste etc. entstehen. Die Quelle aller hydropischen Flüssigkeiten ist einzig und allein das Blut. Ihre Zusammensetzung ist der des Blutserums entsprechend, mit mehr oder weniger großen Abweichungen rücksichtlich des Verhältnisses der einzelnen Bestandteile zu einander. Sie sind entweder klar und farblos, wie Wasser, oder gelblich, grünlich gefärbt, trübe und flockig; entweder dünnflüssig, wie Wasser, oder dicker, klebrig und schleimig. Sie reagieren gewöhnlich alkalisch, selten neutral, noch seltener sauer. Wahre W. entsteht nur durch abnorme Ausschwitzung von Blutwasser aus den Venen, welchem Vorgang ein veränderter Zustand der Gefäßwandungen, entweder mit Zunahme des Blutdrucks oder mit veränderter Beschaffenheit des Bluts (Hydrämie, Urämie, Leukämie) verbunden, zu Grunde liegt. Je nachdem diese Ursachen die Gesamtmasse des Bluts oder nur einzelne Körperteile betreffen, unterscheidet man allgemeine W. von der W. einzelner Höhlen oder einzelner Gewebe (Anasarka).

1) Die Krankheiten, welche allgemeine W. bedingen, sind zunächst mancherlei schwere chronische Ernährungsstörungen, bei welchen ein dauernder Ei-^[folgende Seite]