Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

439

Wasserweihe - Watelet.

Wasserweihe (Jordansfest), Feierlichkeit, welche in der griechischen Kirche jährlich am 6. Jan. zum Andenken an Jesu Taufe im Jordan begangen wird und darin besteht, daß die Geistlichkeit in Prozession an die in der Nähe befindlichen Flüsse oder Seen zieht, sie durch Eintauchen von Kruzifixen weiht und die Umstehenden mit dem Wasser besprengt, welchem das Volk nun Wunderkraft zuschreibt. S. Epiphania und Weihwasser.

Wasserwerke, die maschinellen Anlagen (Pumpen, Motoren) solcher Wasserleitungen, welche nicht durch natürliches Gefälle gespeist werden.

Wasserwiesel, s. Nörz.

Wasserwippe, s. Schwingbaum.

Wasserzeichen (franz. Marque d'eau, Filigrane oder Filagramme, engl. Watermark), Schrift, Wappen und sonstige Zeichen, welche durch »Markierung« im Papier sichtbar werden und manchem Papier den Namen erteilen (z. B. Adler, Elefant). Die Darstellung der W. erfolgte seit Anfang der Papiermacherei dadurch, daß auf die Siebformen zum Schöpfen der Bogen durch Drahtauflage das sogen. W. »aufgenäht« wurde, was seit der Maschinenpapierfabrikation auf einer Siebwalze (Musterwalze, Dandywalze) aus Messinggewebe oder auf dem Messingsieb selbst, auf welchem das Papier bereitet wird, stattfindet. Dadurch, daß die Schrift oder das Wappen etc. auf dem Drahtgewebe hervorstehen, verursachen sie eine geringere Ablagerungsschicht von Fasern an diesen Stellen und ergeben durch das Transparent die beabsichtigten »Zeichen«. Eine andre Weise, solche Zeichen in das Papier zu bringen, ist die durch Pressung mittels Walzen, indem die Namen oder Bilder auf harten Pappen oder Zinkplatten befestigt und in die daraufgelegten Papiere durch Satinierung eingepreßt werden (s. Papier, S. 676). Das älteste W. ist der Stierkopf, das Symbol des Lukas, des Patrons der Künstler, wozu die Papiermacher der Familie Holbein sich zählten. Da es Gesetz war, daß jeder Papiermacher sein Zeichen im Papier haben mußte, um im Fall von Übertretungen belangt werden zu können, so entstanden die zahlreichen Variationen des Stierkopfs, dann die Wappen der Bischofsitze und der Städte überhaupt. Von Deutschland ging der Gebrauch nach Frankreich, Italien, Spanien und Holland über. Die Wissenschaft der W. macht einen wesentlichen Teil der Diplomatik aus. Vgl. Midoux und Matton, Étude sur les filigranes des papiers (Dumoulin 1868).

Wasserziehen der Sonne, die Erscheinung am Himmel, wenn die Sonne zwischen Wolkenöffnungen durchscheint und die in der Luft schwebenden Dünste bloß strichweise erleuchtet werden. Man schließt aus dieser Erscheinung nicht ohne Grund auf bald zu erwartenden Regen.

Wassil, Stadt, s. Wassilssursk.

Wassiljew, Wassilij Pawlowitsch, russ. Orientalist, geb. 1818, studierte auf der Universität Kasan, ging 1840 in Angelegenheiten der Regierung nach Peking, wo er während eines zehnjährigen Aufenthalts die ostasiatischen Sprachen, namentlich das Chinesische, gründlich studierte, und erhielt nach seiner Rückkunft eine Professur in Kasan, die er 1855 mit einer gleichen in Petersburg vertauschte. Er veröffentlichte in russischer Sprache: »Der Buddhismus, seine Dogmen etc.« (Petersb. 1857; deutsch, das. 1860); »Mandschurische Chrestomathie« (1862); »Chinesisch-russisches Wörterbuch« (1867); »Chinesische Chrestomathie« (1868); eine Übersetzung von Târanâthas »Geschichte des Buddhismus in Indien« (1869) u. a.

Wassilkow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kiew, an der Stugna und der Eisenbahn Kiew-Schmerinka, hat 3 Kirchen, eine Synagoge, 2 hebräische Betschulen, Industrie in Tabak, Seife und Talglichten, Handel mit Getreide, Rindvieh und Pferden und (1885) 18,020 Einw. (darunter viele Juden). W. wurde im 10. Jahrh. gegründet, kam später unter die Herrschaft der Polen, 1686 an Rußland und war bis 1785 Eigentum des Kiewschen Höhlenklosters.

Wassilssursk (Wassil), Kreisstadt im russ. Gouvernement Nishnij Nowgorod, an der Wolga und der Sura, die sich hier in jene ergießt, mit 2 Kirchen und (1885) 3092 Einw., die sich mit Gemüsebau, Gartenbau und Fischfang beschäftigen.

Waßmannsdorff, Karl Wilhelm Friedrich, verdienter Turnschriftsteller, geb. 24. April 1821 zu Berlin, war daselbst im Turnen Schüler Lübecks und Eiselens, nach Absolvierung philologischer Studien seit 1845 neben Spieß Lehrer in Basel, ist seit 1847 Turnlehrer in Heidelberg. W. hat besonderes Verdienst um die Reinigung der Turnkunstsprache und die Erforschung der ältern Geschichte der Leibesübungen. Er schrieb, abgesehen von zahlreichen turngeschichtlichen Aufsätzen in der »Deutschen Turnzeitung«, Kloss' »Neuen Jahrbüchern« etc.: »Zur Würdigung der Spießschen Turnlehre« (Basel 1845); »Vorschläge zur Einheit in der Kunstsprache des deutschen Turnens« (Berl. 1861); »Die Ordnungsübungen des deutschen Schulturnens« (Frankf. 1868); »Die Turnübungen in den Philanthropien« (Heidelb. 1870); »Joh. Christ. Guts Muths« (das. 1884). Aus dem Nachlaß von Ad. Spieß gab er heraus: »Reigen und Liederreigen für das Schulturnen« (Frankf. 1869) und veröffentlichte mehrere ältere Werke über die Fechtkunst und Ringerkunst (s. Ringen).

Wassulu, s. Wassala.

Wasungen, Stadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen, Kreis Meiningen, an der Werra und an der Linie Eisenach-Lichtenfels der Werraeisenbahn, 276 m ü. M., hat 2 Kirchen, ein Schloß, ein Damenstift, ein Amtsgericht, eine großherzoglich weimarische Oberförsterei, bedeutende Schuhmacherei, Lederpapier-, Holzstoff- und Dachpappenfabrikation, Tabaksbau (seit 1659) und (1885) 2526 Einw. - W. befand sich schon zu Anfang des 12. Jahrh. im Besitz der Grafen von Henneberg und fiel bei der Teilung von 1274 an die Schleusinger Linie. Nach dem Aussterben derselben 1583 kam es an den Ernestinischen Zweig des sächsischen Hauses; 1681 wurde es dem neuen Herzogtum Sachsen-Meiningen überwiesen. Eine lächerliche Berühmtheit erlangte der Ort durch den in Gedichten, Monographien etc. mehrfach behandelten sogen. Wasunger Krieg, welcher 1747-48 zwischen Gotha und Meiningen geführt wurde. Infolge des Rangstreits zweier Damen des Meininger Hofs rückte nämlich auf Befehl des Reichskammergerichts das gothaische Militär ins Land und nahm die Stadt W. ein (vgl. v. Witzleben, Der Wasunger Krieg, Gotha 1855), 1841-51 litt W. stark durch Feuersbrünste.

Wate, Riese, s. Wade.

Watelet (spr. watt'lä), Louis Etienne, franz. Maler, geb. 1780 zu Paris, bildete sich durch das Studium der Natur auf eigne Hand zum Landschaftsmaler aus und malte anfangs Landschaften mit idyllischer und historischer Staffage. Eine 1822 nach Italien unternommene Reise gab seinen Werken eine mehr naturalistische Richtung, welche er immer mehr ausbildete, freilich mit Bevorzugung einer poetisch-romantischen Stimmung. Er wurde dadurch von Einfluß auf die Entwickelung der französischen Land-^[folgende Seite]