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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Weinbeeröl; Weinberge; Weinbergschnecke

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Weinbeeröl - Weinbergschnecke.

von den Phokäern, nach Plinius war der hispanische W. in Rom sehr beliebt. Peter Simon brachte im 16. Jahrh. die Rebe vom Rhein nach Malaga, welche jetzt den edelsten spanischen W. liefert. Madeira wurde 1421 von Heinrich dem Seefahrer mit Reben aus Kreta und Cypern bepflanzt, die Kanariensekte stammen von Reben, die Karl V. vom Rhein sandte. Deutschland erhielt seinen Weinbau aus Gallien, indem gallische und hispanische Legionen am Rhein die Rebe anpflanzten. An der Mosel aber blühte damals schon der Weinbau und lieferte ein Produkt, welches Ausonius mit dem italienischen verglich. Unter Karolingern und Hohenstaufen verbreitete sich der deutsche Weinbau namentlich auch nach Norden, der Dreißigjährige Krieg, das Klima und die Verbesserung der Verkehrsmittel aber zogen die Grenzen wieder enger. Der Winter von 1437 vernichtete alle Weinberge an der Weichsel, und es wird ausdrücklich berichtet, daß sie nicht wieder angepflanzt worden seien. Den fränkischen Weinbau begründeten Herzog Priamus und die heil. Adelheid 745. Österreichs Weinbau ist ebenso alt wie der rheinische, der böhmische reicht in das 9. Jahrh. Ludmilla, die Gemahlin des Herzogs Borivoy, pflanzte 870 mährische Trauben bei Melnik an, Tiroler W. von Glanich und Leitach war nach Vergil Lieblingsgetränk des Kaisers Augustus. Der Kaiser Probus brachte griechische Reben nach Pannonien an den Fuß der Karpathen und nach Syrmien. Unter König Stephan im 11. Jahrh. kamen auch italienische Reben nach Ungarn, der Tokayer W. erhielt seine volle Berühmtheit seit Ende des 15. Jahrh. und besonders seit 1560, als man anfing, Ausbruch zu machen. Am Kap begründeten Hugenotten 1685 den Weinbau. In Nordamerika schlug 1620 ein Versuch, aus der wilden Rebe Virginias W. zu bereiten, fehl. Schweizer Kolonisten gewannen zu Anfang des 19. Jahrh. aus der Schuylkilltraube (Vitis labrusca) guten Rotwein, festen Fuß faßte der Weinbau aber erst seit 1821, als Adlum die Catawbarebe vom Potomac nach Washington brachte. Am günstigsten entwickelte sich der Weinbau in Ohio, bis in den letzten Jahren Kalifornien den größten Vorsprung gewann. China kannte den W. bereits 2000 Jahre vor unsrer Zeitrechnung, doch scheint er zunächst nur zu religiösen Opfern gedient zu haben. Später wurde seine Gewinnung und Benutzung verboten, und die Weingärten mußten ausgerodet werden. Einige Provinzen liefern gegenwärtig noch Rosinen, und so wird dort auch wohl W. gewonnen. In Japan wurde bisher zwar Weinbau betrieben, aber kein W. hergestellt; erst 1880 begründete die Regierung eine Versuchsweinpflanzung mit französischen, deutschen und österreichischen Reben. Die Fabrikation der Schaumweine begann im 17. Jahrh., wenigstens findet sich das Champagnerglas mit schäumendem Inhalt auf Gemälden niederländischer Maler aus dieser Zeit. Die Erfindung des Schaumweins soll sich an die Anwendung des Korks zum Verschließen von Flaschen knüpfen und wird dem Pater Kellermeister der Abtei von Haut-Villers, Dom Perignon, zugeschrieben, dessen Wirksamkeit in die Jahre 1670-1715 fällt.

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Weinbeeröl, s. Drusenöl.

Weinberge, Königliche (tschech. Královské Vinohrady), Stadt in Böhmen, östlicher Vorort von Prag, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein neues stattliches Rathaus- und Schulgebäude, den Bahnhof der Staatsbahnlinie Prag-Gmünd-Wien, mehrere Sommertheater, Fabrikation von Maschinen u. Mühleneinrichtungen, Zündhölzchen, Stiefelwichse, Schokolade und Kannten, Seilerwaren, Kartonagen und (1880) 14,831 Einw.

Weinbergschnecke (Helix pomatia L.), Art der sehr artenreichen Gattung Schnirkelschnecke (Helix L.) aus der Gruppe der Lungenschnecken (s. d.), mit großem, bauchigem, gelblichem oder bräunlichem Gehäuse, findet sich in Mitteleuropa überall in trocknern, besonders hügeligen Gegenden mit Buschwerk und Graswuchs, gräbt sich im Herbst, am liebsten unter Moos, 15-30 cm tief in die lockere Erde ein und verschließt ihr Gehäuse mit einem soliden Kalkdeckel. Im April oder Mai kommt sie hervor, frißt junge Gräser und Kräuter und richtet dann oft, z. B. in den Weinbergen, erheblichen Schaden an. Im Mai oder Juni begattet sie sich. Die Eier haben 6,5 mm