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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Weinstock

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Weinstock (Sorten, Feinde, Lesezeit).

eignen Land oft ein Dutzend Bezeichnungen hat. Ein ohne Berücksichtigung der Synonymen aufgestelltes Verzeichnis der Sorten umfaßt über 2000 Nummern; eine Sichtung führt auf etwa 350 Sorten, von denen jedoch nur 228 in den verschiedenen Rebschulen und Gärtnereien zu erhalten sind. Für den Weinbau sind die folgenden Sorten von Wichtigkeit.

(K. = Keltertraube, T. = Tafeltraube.)

Blaufränkische, blaue (Limberger), K. für Rotwein, wie Portugieser und mit dieser gemischt gebaut, besonders in Niederösterreich.

Blusard, blauer oder früher blauer (Poulsard), T., Frankreich.

Burgunder, blauer (Kläfner, blauer oder schwarzer), beste Rotweintraube für flache Hügellagen bei langem Schnitt und kräftigem Boden.

Burgunder, früher blauer (früher Kläfner, Augusttraube, Jakobitraube, Laurenzitraube), frühste blaue K. und T. für rauhere Gegenden; Deutschland und Österreich.

Burgunder, weißer (weißer Kläfner, echter oder früher weißer Burgunder), sehr edle Weißweintraube, selbst in geringen Bodenverhältnissen und höhern Lagen noch gedeihend, besonders zur Champagnerfabrikation; Deutschland, Österreich.

Damaszener, früher weißer (Malagatraube), T.

Damaszener, weißer Muskat (Muskat-Alexandriner), K. und T., verlangt langen Schnitt, sehr gute Lage und hohe Erziehungart.

Elbling, weißer (Weißalbe, weißer Sylvaner), äußerst tragbare K. für leichte Tischweine, in Deutschland sehr verbreitet, besonders für Massenproduktion.

Feigentraube, weiße (Sylvaner, weißer Muskat), T.

Gutedel, früher weißer (Diamant-, Perltraube), T.

Gutedel, geschlitztblätteriger grüner (Petersilientraube, spanische Traube), T.

Gutedel, halb geschlitztblätteriger grüner (große Petersilientraube, große spanische Traube), T.

Gutedel, königsroter (königlicher Gutedel), T.

Gutedel, roter, K. und T.

Gutedel, Muskat, weißer, T.

Gutedel, weißer Krach- (gelber oder weißer Gutedel), K. und T.

Imperialrebe, feigenblätterige weiße, T.

Kadarka, blaue Keltertraube in sehr warmen Lagen, Ungarn.

Kölner, blauer, K. und T., Steiermark.

Malvasier, früher weißer, T.

Mosler (Shipon, Zapfner, Furmint), K., Steiermark.

Müllerrebe, blaue (Meunier). K., Deutschland, Frankreich.

Muskateller, gelber oder grüner, K. und T. für warme, steile Lagen und kräftigen Boden.

Muskateller, roter und schwarzblauer, blauer, T.

Orléans, grüner oder gelber, T. und K., Deutschland.

Orangentraube, gelbe, T.

Ortlieber, gelber (Kniperle), Elsaß, sehr tragbare, gute K. für höhere Lagen und langen Schnitt.

Ortlieber, blauer, K., Steiermark.

Portugieser, blauer (Porto), Deutschland und Österreich, eine fast in allen Verhältnissen ertragreiche T. u. K. für Rotwein.

Portugieser, roter (Kralovina), Steiermark, K., sehr reich tragend für höhere Lagen.

Riesling, roter, K., Deutschland.

Riesling, weißer (Rheinriesling, Kleinriesling, Pfefferl), edelste und boukettreichste K. für trockne, warme Lagen, verlangt Spätlese.

Rotgipfler, weißer (Reifler), reich tragende, edle K., auch für höhere Lagen.

Ruländer, graurot (grauer und roter Kläfner), für guten Boden, flache Hügellagen und langen Schnitt empfehlenswerte früh reifende K., auch zur Champagnerfabrikation.

St.-Laurent, blauer, frühzeitige, reich tragende K. für mittlere Lagen zur Rotweinbereitung.

Seidentraube, gelbe oder grüne (Frühleipziger, früher Kienzheimer), T.

Steinschiller, roter (Rusitza), K., Ungarn, gibt in guten Lagen vielen, aber leichten Wein.

Sylvaner, grüner (Muska, Schönfeilner), selbst für ärmere Bodenarten und geringere höhere Lage noch eine gute, reich tragende K., verlangt langen Schnitt und gilt in rauhern Lagen auch als frühe T.

Traminer, roter, in gutem Boden mittlerer Lage und bei langem Schnitt eine sehr edle K.

Trollinger, blauer oder schwarzer (Fleischtraube, Frankenthaler, Schwarzwetscher), T. und K. mit bis 2 kg schweren Trauben, Deutschland.

Vanilletraube (geschlitztblätterige Basilikumtraube), T.

Veltliner, früher roter (rote Babotraube, früher roter Malvasier), K. und T., Niederösterreich.

Welscher, früher blauer, T. und K., Steiermark.

Welschriesling, weißer, für gute geschützte Gebirgslagen sehr tragbare und zur Erzeugung guter Tischweine geeignete K.

Zierfahndler, roter (roter Reifler, Gumpoldskirchner Spätrot), sehr ertragreiche, edle K. für warme Lagen und kurzen Schnitt.

Die Klassifikation und Beschreibung der Sorten bildet eine eigne Wissenschaft, die Ampelographie, welche durch die Namen Simon Rexas, Clemente, Prandu, Acerbi, Chevreul, Odart, Burger, Christ, v. Vest, Frege, Gock, Trummer, Bronner, Leonhardt, Fintelmann, Glubek, Metzger, v. Babo, Bernhardt und Mareck, Goethe, Oberlin, Lucas vertreten ist. Von den verschiedenen Systemen bringt z. B. das Babosche die Traubensorten in drei Abteilungen nach der Form der Beeren (rein ovale oder in Eiform länglich gezogene Beeren; kugelige, ins Längliche spielende; kugelförmige Beeren); die Unterabteilungen bestimmen sich nach der Behaarung der Blätter (filzig, wollig, zottig, fast kahl), die Sektionen nach der Form des Endzahns der Blätter. Oberlin nimmt drei Abteilungen an nach der Form der Beeren, ferner drei Klassen nach der Behaarung der Blätter und sechs Sektionen nach der Beschaffenheit der Stielbucht. Bronner hat drei Klassen nach der Beschaffenheit der Beeren und vier Ordnungen nach der Behaarung der Blätter. Zur Förderung der Ampelographie wurde 1873 auf dem internationalen Önologenkongreß in Wien eine internationale ampelographische Kommission gegründet, welche seitdem Jahresversammlungen gehalten und Berichte veröffentlicht hat.

Der W. ist vielerlei Gefahren ausgesetzt: im Frühjahr den Frösten, später auch andern nachteiligen Witterungsverhältnissen, dann zahlreichen Insekten, mehreren Rüsselkäfern, dem Mai- und Julikäfer, dem Eumolpus vitis, Rebenschneider (Lethrus cephalotes), dem Springwurmwickler (Tortrix Pilleriana), dem Traubenwickler (Heuwurm, Sauerwurm, T. ambiguella), dem Spinnwurm (Weinmotte, Sauerwurm, Grapholita botrana), mehreren Eulen, dem Ohrwurm, einer Milbe (Phytoptus vitis), einer Schildlaus (Dactylopius vitis), welche den weißen Traubenrost (Fumagina) erzeugt, und besonders der Reblaus (s. d.), dann auch Bienen, Wespen, Hornissen, Ameisen, Schnecken, Staren, Kramtsvögeln, Weindrosseln, Elstern, Rebhühnern, Sperlingen, Füchsen, Dachsen, Mardern, Wieseln und dem Hochwild, dann mehreren Pilzen, unter denen das Oïdium Tuckeri weitaus am gefährlichsten ist, endlich auch gewissen Krankheiten. So kommt es, daß oft Ein guter Ertrag den Ausfall vieler ungünstiger Jahre decken muß. In den letzten 100 Jahren hatten wir in Deutschland 38 gute Weinlesen, aber nur 11 eigentliche Hauptjahre, in welchen Qualität und Quantität gleich befriedigten. Die Zeit der Weinlese wird hier und da durch die Behörde festgesetzt, welche die Weinberge bei eintretender Reife der Trauben auch für die Eigentümer bis zum Beginn der Lese schließt. Letzterer fiel in den Jahren 1700-1865: 2mal auf 16. Sept., 84mal in die erste und 78mal in die zweite Hälfte des Oktobers und einmal auf 5. Nov. Die Ansichten über Frühlese und Spätlese sind geteilt. Jedenfalls sollte