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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wengrow; Wenham Lake; Wenlock; Wennerberg; Wennigsen; Wenningstedt; Wentschou; Wentworth; Wenzel

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Wengrow - Wenzel.

tern Umgebung Münchens, vorzugsweise aus den Isargegenden. Die wechselnde Tagesbeleuchtung, besonders im Frühjahr und im Herbst, weiß er mit feinem Gefühl für die leisesten Regungen der Atmosphäre wiederzugeben und den grauen Luftton der bayrischen Hochebene mit großer Virtuosität in allen Nüancen zu variieren. Seine Hauptwerke sind: Landschaft im Charakter der Isarufer, Simmsee in Oberbayern, aus einem oberbayrischen Hochmoor, Anfang des Frühlings, vom Innfluß in Bayern, das Isarbett zwischen Tölz und Lenggries, nach dem Hochwasser, die Kalksteinsammlerinnen im Isarbett bei Tölz (Neue Pinakothek in München), Herbstlandschaft mit Jägern und Ausblick über das Isarthal bei Tölz. Er ist königlicher Professor.

Wengrow, Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Sjedlez, am Liwice (zum Bug), mit Tuch- und Lederfabrikation und (1885) 7915 Einw.

Wenham Lake (spr. ŭénnhäm lehk), kleiner See bei Salem, im nordamerikan. Staat Massachusetts, seines reinen Eisens wegen berühmt.

Wenlock, Wahl- und Munizipalbezirk in Shropshire (England), mit (1881) 19,474 Einw., umfaßt außer dem Städtchen Much-W. (2321 Einw.) noch Broseley (s. d.) und Madeley (s. d.).

Wennerberg, Gunnar, schwed. Dichter, geb. 2. Okt. 1817 zu Lidköping, studierte seit 1837 in Upsala Philosophie und Ästhetik, wurde 1846 Dozent der Kunstgeschichte daselbst, 1849 Lehrer der Philosophie am Gymnasium in Skara, 1865 Sekretär im Kultusministerium, 1870 Chef desselben und Staatsrat; seit 1875 fungiert er als Landeshauptmann von Wexiö in Småland. W. gehört zu den hervorragendsten Humoristen Schwedens und ist nebenbei ein beliebter Komponist. Sein Hauptwerk ist die Duettensammlung »Gluntarne« (»Die Jungen«, 1849), in welcher das Studentenleben Upsalas seine Verherrlichung und der bacchantische Lebensübermut seinen Ausdruck fand, während zugleich die Schönheit der Natur gefeiert wird und auch eine heitere Komik zur Geltung kommt. Das Werk, für das er die Melodien selbst komponierte, ist im ganzen Norden bekannt. Außerdem genießt W. für verschiedene hervorragende vaterländische Dichtungen, Hymnen und Chöre in seinem Vaterland eine große Popularität. W. ist auch Mitglied der Ersten Kammer und seit 1850 Mitglied der Akademie. Seine Schriften erschienen gesammelt in 4 Bänden (Stockh. 1881-85).

Wennigsen, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Hannover, Landkreis Linden, am Fuß des Deister und an der Linie Weetzen-Haste der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Damenstift, ein Amtsgericht, eine Steinkohlengrube u. (1885) 1809 Ew.

Wenningstedt, Dorf in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Tondern, auf der Insel Sylt, an der Nordsee, hat ein Seebad und (1885) 51 Einw.

Wentschou, Hafenstadt der chines. Provinz Tschekiang, zwischen Ningpo und Futschou, an der Mündung des Takhi in das Chinesische Meer, mit 83,000 Einw., hat eine kath. Mission und ist dem fremden Handel fett März 1877 geöffnet; doch haben sich die an die günstige Lage dieses Hafens geknüpften Hoffnungen nicht erfüllt.

Wentworth, Thomas, s. Strafford.

Wenzel, der Heilige, von seiner Großmutter Ludmilla (s. d.) erzogen, wollte, als er den böhmischen Thron bestiegen, die christliche Religion zur herrschenden erheben und ward deshalb auf Anstiften seines Bruders Boleslaw 28. Sept. 935 erschlagen. Sein Todestag wird von den Böhmen, die ihn als Schutzpatron verehren, festlich begangen, und seine Krone (Wenzelskrone) diente früher zur Krönung der böhmischen Könige.

Wenzel, 1) deutscher König, als König von Böhmen Wenceslaus IV., ältester Sohn Kaiser Karls IV. von seiner dritten Gemahlin, Anna von Schweidnitz, geb. 26. Febr. 1361, wurde schon als dreijähriges Kind zum König von Böhmen gekrönt und im zehnten Jahr mit Johanna, Tochter Herzog Albrechts I. von Bayern, vermählt. 1373 wurde er mit der Mark Brandenburg belehnt, deren Verwaltung jedoch der Vater fortführte; 10. Juni 1376 ward er zum römischen König erwählt und 6. Juli in Aachen gekrönt, und 1378 folgte er Karl IV. auf dem böhmischen und deutschen Königsthron. Obgleich unterrichtet, talentvoll und von seinem Vater schon im zwölften Jahr zur Teilnahme an den Staatsgeschäften zugezogen, war W. doch den Anforderungen seiner bewegten Zeit nicht gewachsen. Es fehlte ihm an Selbständigkeit und Festigkeit des Willens, und der Staatsgeschäfte wurde er überdrüssig, sowie er die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen erkannte. In Deutschland war er anfangs redlich bestrebt, den Fehden zwischen Fürsten, Rittern und Städten durch Verkündigung des Landfriedens auf dem Nürnberger Reichstag 1383 ein Ende zu machen; allein weder dieser Plan noch ein 1384 zu Heidelberg gemachter und 1387 zu Mergentheim wiederholter Versuch einer Gesamteinigung aller Fürsten und Städte waren von Erfolg. W. zog daher fortan vor, seine Zeit in Böhmen bei Jagden und Trinkgelagen zu verbringen. Erst 1389 ließ er sich bewegen, einen Fürstentag nach Eger zu berufen und einen Landfrieden festzustellen, in welchem er die Sache der Städte, die er früher selbst zum Widerstand aufgemuntert hatte, preisgab. Überdies hatte er bald in Böhmen selbst mit der Unbotmäßigkeit des Adels und der Geistlichkeit zu kämpfen. Als er mit dem Erzbischof von Prag in Streit geriet, ließ er dessen Generalvikar Johann von Pomuk (Nepomuk), den er im Verdacht hatte, daß er den Erzbischof gegen ihn aufgereizt habe, 1393 in die Moldau stürzen, und diejenigen von Adel, welche die Kammergüter nicht freiwillig zurückgaben, wurden ohne weiteres hingerichtet. Die unfähige, zugleich grausame, gewaltthätige und schlaffe Regierung Wenzels brachte die böhmischen Großen dahin, sich mit Wenzels Bruder, dem König Siegmund von Ungarn, und seinem Vetter, dem Markgrafen Jobst von Mähren, zu verbinden, auf deren Veranstaltung W. 1394 überfallen und auf dem Prager Schloß mehrere Monate in geheimer Haft gehalten wurde, bis auf seines Bruders, des Herzogs Johann von Görlitz, Betrieb die deutschen Fürsten endlich durch Androhung von Gewaltmitteln seine Freilassung bewirkten. Doch mußte er einen Vertrag eingehen, durch welchen seine königliche Macht auf eine Schattenherrschaft herabgesetzt wurde. Als W. den Visconti das Herzogtum Mailand, ein Reichslehen, übertrug und Frankreich zuliebe in die Absetzung der beiden Gegenpäpste Bonifacius IX. und Benedikt XIII. willigte, traten die vier Kurfürsten von Mainz, Köln, Trier und Pfalz 1400 zu Rhens zusammen und sprachen 20. Aug. an der Marienkapelle bei Oberlahnstein seine Absetzung aus. Unterdessen war W. mit seinen böhmischen Unterthanen in neue Zwistigkeiten geraten, die Siegmund benutzte, seinen Bruder gefangen zu nehmen und 19 Monate zu Wien in Haft zu halten. Da Papst Bonifacius IX. 1403 Wenzels Absetzung förmlich aussprach, begünstigte derselbe aus Haß gegen die katholische Geistlichkeit die Anhänger