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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wesselburen; Wesselényi; Wesseling; Wesselinseln; Wessely; Wessenberg

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Wesselburen - Wessenberg.

zu Zwolle, lehrte nachmals die Philosophie in Köln, Löwen, Heidelberg und Paris und starb nach einem bewegten Leben 1489 in seiner Vaterstadt. Seine Freunde verehrten ihn als Lux mundi, während ihn seine Feinde wegen seines Widerspruchs gegen den Scholastizismus Magister contradictionum nannten. Eine humanistisch gebildete Persönlichkeit, gründete er seine Theologie ausschließlich auf die Bibel. Ein Teil seiner Schriften erschien unter dem Titel: »Farrago rerum theologicarum« mit einer Vorrede von Luther (1522). Die vollständigste Ausgabe seiner Werke besorgte Johann Lydius (1617). Sein Leben beschrieben Ullmann (in »Reformatoren vor der Reformation«, Bd. 2, 2. Aufl., Gotha 1866) und J. ^[Johann] Friedrich (Regensb. 1862).

Wesselburen, Flecken und Landgemeinde in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Norderdithmarschen, in der Marsch und an der Linie Heide-Büsum der Westholsteinischen Eisenbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine Zuckerfabrik, Pferde- und Rindviehmärkte, Getreidehandel und (1885) 6571 Einw. W. ist Geburtsort des Dichters Fr. Hebbel, dem hier 1887 ein Denkmal errichtet wurde.

Wesselényi, Nikolaus, Baron, Führer der ungarischen und der siebenbürgischen Opposition von 1825 bis 1840, geb. 1794 zu Zsibó in Ungarn, befehligte schon in seinem 15. Jahr eine kleine Abteilung der Insurrektion (des Aufgebots) von 1809 und machte darauf in der österreichischen Armee die letzten Feldzüge gegen Napoleon I. mit. Auf dem politischen Schauplatz erschien er zuerst 1818, um in der Urbarialfrage für die Verfassung zu wirken. Mit Széchényi besuchte er England und Frankreich. Von 1830 bis 1833 erschien W. im ungarischen Oberhaus, wo er an Feuer der Rede alle andern Redner übertraf, und 1834 nahm er an dem Landtag in Klausenburg teil. Er war der eifrigste Förderer der von Kossuth herausgegebenen lithographierten Zeitung. Im Sommer 1837 mit Kossuth verhaftet, ward er zu vierjähriger Haft verurteilt, die er in Ofen verbüßte. Im Kerker erblindet, zog er sich, 1840 begnadigt, auf sein Schloß Zsibó zurück. Infolge der Vorgänge von 1848 begab er sich wieder in den Reichstag, um sich den Überstürzungen entgegenzustemmen. Er starb 21. April 1852 in Pest. Vgl. Pauler, Geschichte der Verschwörung Wesselényis (Pest 1877).

Wesseling, Peter, niederländ. Philolog, geb. 7. Jan. 1692 zu Steinfurt in Westfalen, daselbst gebildet, studierte seit 1712 zu Leiden und Franeker, ward 1719 Konrektor in Middelburg, 1721 Rektor in Deventer, 1723 Professor der Beredsamkeit in Franeker, 1735 Professor der Beredsamkeit, Geschichte und griechischen Sprache in Utrecht und starb dort 9. Nov. 1764. Er lieferte »Observationum variarum libri II« (Amsterd. 1727 u. Utr. 1740; von Frotscher, Leipz. 1832), »Probabilium liber singularis« (Franeker 1731), hervorragende Bearbeitungen der »Vetera Romanorum itineraria« (Amsterd. 1735), des Diodorus (das. 1746, 2 Bde.) und des Herodot (mit Valckenaer, das. 1763) u. a. Vgl. Boot, De vita et scriptis Wesselingii (Utr. 1874).

Wesselinseln, eine von der Nordküste Australiens (Arnhemland) nach NO. gestreckte Inselreihe, welche im Kap Wessel endet.

Wessely (tschech. Veseli), 1) Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Wittingau, am Zusammenfluß der Luschnitz und Nezarka, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Wien-Gmünd-Prag, W.-Budweis und W.-Iglau, hat ein Bezirksgericht, eine Bierbrauerei, Spiritusfabrik und (1880) 1481, mit dem jenseit der Luschnitz gelegenen Markt Mezimosty 2458 Einw. -

2) Stadt in Mähren, Bezirkshauptmannschaft Ungarisch-Hradisch, auf einer Marchinsel, an der Eisenbahn Brünn-Vlarapaß, mit der Abzweigung W.-Sudomeritz, hat ein großes Schloß mit Park, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei und mit Vorstadt-W. (1880) 3246 Einw.

Wessely, Josephine, Schauspielerin, geb. 18. März 1860 zu Wien, besuchte die Schauspielschule des Wiener Konservatoriums, debütierte 1. Juli 1876 als Luise (»Kabale und Liebe«) am Leipziger Stadttheater, dem sie bis 1879 angehörte, wurde dann, nach dem Gastspiele in Berlin und Wien ihren rasch erworbenen Ruf vermehrt hatten, 1879 für das Burgtheater in Wien engagiert und 1884 zur k. k. Hofschauspielerin ernannt, starb aber schon 12. Aug. 1887 in Karlsbad. Ihr eigentliches Feld waren jugendlich-tragische Rollen; namentlich fand sie als Gretchen, Marie Beaumarchais, Luise, Marianne großen und verdienten Beifall.

Wessenberg, 1) Johann Philipp, Freiherr von W.-Ampringen, österreich. Staatsmann, geb. 28. Nov. 1773 zu Dresden, wo sein Vater Philipp Karl, Freiherr von W., österreich. Gesandter war, studierte in Freiberg und Straßburg, trat 1797 in den österreichischen Staatsdienst und ward 1803 Ministerresident in Frankfurt, 1808 Gesandter in Berlin, 1811 in München. Er schloß 1813 das Bündnis zwischen Österreich und England und nahm wesentlichen Anteil am ersten wie am zweiten Pariser Frieden und an den Verhandlungen des Wiener Kongresses sowie der Zentralhofkommission zur Organisierung der von Österreich neuerworbenen Provinzen. Dem Metternichschen System abgeneigt, trat er ins Privatleben zurück, bis er nach der Julirevolution 1830 zum Gesandten am niederländischen Hof ernannt wurde, in welcher Eigenschaft er an den Londoner Konferenzen zur Schlichtung der holländisch-belgischen Wirren teilnahm. Schon 1831 abermals aus dem diplomatischen Dienst geschieden, ward er im Mai 1848 wieder nach Wien berufen und übernahm im Juli den Vorsitz im Gesamtministerium mit dem Ministerium des Auswärtigen und dem des kaiserlichen Hauses. Nach der Oktoberrevolution folgte W. dem Kaiser nach Olmütz, legte aber schon 21. Nov. sein Amt nieder und kehrte ins Privatleben zurück. Er starb 1. Aug. 1858 zu Freiburg i. Br. Vgl. »Briefe von Joh. Phil. v. W. aus den Jahren 1848-58 an Isfordink-Kostnitz, österreichischen Legationsrat« (Leipz. 1876, 2 Bde.).

2) Ignaz Heinrich Karl, Freiherr von, berühmter kathol. Theolog, Bruder des vorigen, geb. 4. Nov. 1774 zu Dresden, studierte in Würzburg u. Wien, wurde 1798 Domherr in Konstanz und durch Dalberg 1802 Generalvikar dieses Bistums. Auf diesem Arbeitsfeld wirkte er eifrig für die Diözesaneinrichtung, für Pastoralkonferenzen, für Bildung des jungen Klerus, wozu er das Seminar in Meersburg stiftete, für Hebung des Schulunterrichts, Einführung der deutschen Sprache in die Liturgie, des deutschen Kirchengesangs, Minderung der Feiertage u. dgl. Deshalb von dem ultramontanen päpstlichen Nunzius in Luzern verdächtigt, erhielt er zu seiner 1814 durch Dalberg bewirkten Berufung zur Koadjutorstelle im Bistum Konstanz die päpstliche Bestätigung um so weniger, als er gleichzeitig den Wiener Kongreß zur Herstellung einer deutschen katholischen Nationalkirche zu bestimmen suchte. Als ihn nach Dalbergs Tode die Kapitularen zum Bistumsverweser ernannten, verwarf der Papst durch Breve vom 15. März 1817 auch diese Wahl, woran auch eine persönliche Verteidigung