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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wimpheling; Winawer

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Wimpheling - Winawer.

Kommando der Küstenarmee bei Cherbourg. Nach dem Sturz der Gironde (31. Mai 1793) erklärte er sich gegen den Konvent, führte ein Parteigängerkorps in der Normandie und flüchtete nach dessen Auflösung nach England. 1799 kehrte er zurück und erhielt vom Ersten Konsul eine Anstellung als Divisionsgeneral. Später wurde er Generalinspektor der Stutereien. Er starb 1814.

3) Max, Freiherr von, geb. 19. Febr. 1770 zu Münster, trat 1786 in ein österreichisches Infanterieregiment, nahm seit 1787 als Fähnrich am Kriege gegen die Türken, dann als Oberleutnant am Kriege gegen Frankreich teil und rückte 1801 zum Oberstleutnant auf. 1805 fungierte er als Oberst im Hofkriegsrat, leitete dann den Bau von Befestigungsanlagen bei Olmütz und wurde hierauf dem Generalstab des russischen Hauptquartiers unter Kutusow beigegeben. Er focht, 1806 als Generaladjutant zum Erzherzog Karl nach Wien berufen, 1809 vor Regensburg und erhielt mit der Ernennung zum Generalmajor die Geschäfte als Chef des Generalstabs der großen Armee, in welcher Eigenschaft er sich namentlich bei Aspern, Wagram und Znaim auszeichnete. Als Feldmarschallleutnant und Führer einer Division nahm er rühmlichen Anteil an der Schlacht bei Leipzig und an mehreren Gefechten in Frankreich, war 1816-19 Militärkommandant zu Troppau und erhielt 1820 das Generalkommando in Venedig. 1824 ward er zum Chef des Generalquartiermeisterstabs in Wien und 1830 zum Feldzeugmeister mit dem Generalkommando in Österreich ernannt. 1844 trat er als Feldmarschall in Ruhestand und starb 29. Aug. 1854 in Wien.

4) Franz Karl Eduard von, württemberg. Generalmajor, Sohn von W. 1), geb. 2. Jan. 1776, gest. 1842, ward vom Kaiser Franz II. 8. April 1797 in den Grafenstand erhoben.

5) Franz, Graf von, geb. 2. April 1797, Sohn des vorigen, trat im Oktober 1813 als Unterleutnant in das kaiserliche Heer und wohnte den Feldzügen von 1813 und 1814 in der Hauptarmee der Verbündeten bei, dem von 1815 bei der Frimontschen Armee in Italien. Seit 1838 Generalmajor und Brigadier in Triest, erhielt er 1846 als Feldmarschallleutnant eine Division des 2. Armeekorps in Italien und zeichnete sich im Feldzug von 1848 besonders bei Vicenza und Custozza aus. An der Spitze der zur Intervention im Kirchenstaat bestimmten Truppen zwang er Bologna und Ancona durch ein Bombardement zur Kapitulation und übernahm darauf die Leitung des Gouvernements der Legationen. Im Oktober 1849 ward er zum Zivil- und Militärgouverneur von Triest und Statthalter des Küstenlandes, auch zum Feldzeugmeister ernannt, war dann provisorischer Oberkommandant der Marine, befehligte seit September 1854 eine Zeitlang das 1. Armeekorps, trat 1861 als Generalfeldzeugmeister in Ruhestand und starb 26. Nov. 1870 in Görz. - Sein Sohn Heinrich Emil, geb. 1. Mai 1827, ist Haupt der gräflichen Linie; sein Bruder, Graf Felix, geb. 16. März 1827, österreichischer Gesandter in Rom, 1876-80 Botschafter in Paris, 1880-82 wieder in Rom, starb 30. Dez. 1882 als Botschafter in Paris durch Selbstmord.

6) Emanuel Felix, Freiherr von, franz. General, geb. 13. Sept. 1811 zu Laon, Enkel von W. 2), besuchte die Militärschule in St.-Cyr, trat in ein Infanterieregiment, diente längere Zeit in Algier, wo er die Turkos organisierte, befehligte ein Regiment derselben im Krimkrieg, ward 1855 Brigadegeneral, zeichnete sich 1859 in Italien aus und ward Divisionsgeneral, wurde dann wieder nach Algerien gesendet, wo er erst die Provinz Algier, dann Oran verwaltete und im März 1870 einen gefährlichen Aufstand unterdrückte. 1870 mit dem Kommando des 5. Korps an Faillys Stelle beauftragt, traf er 31. Aug. bei der Armee in Sedan ein, übernahm 1. Sept. nach Mac Mahons Verwundung den Oberbefehl und unterzeichnete 2. Sept. die Kapitulation. Er lebte darauf in Algier und starb 26. Febr. 1884 in Paris. Er schrieb: »Sedan, par le général de W.« (1871); »Réponse au général Ducrot par un officier supérieur« (1871); »La situation de la France et les réformes nécessaires« (1873); »La Nation armée« (1876). Aus seinen nachgelassenen Papieren gab Corra heraus: »La bataille de Sedan, les véritables coupables« (1887; deutsch, Augsb. 1889).

Wimpheling (auch Wympfeling), Jakob, elsäss. Humanist, geb. 27. Juli 1450 zu Schlettstadt, besuchte die berühmte Schule daselbst, studierte dann auf den Universitäten in Freiburg, Basel, Erfurt und Heidelberg erst die Rechte, sodann Theologie, war 1484-98 Priester in Speier, lebte dann wieder in Heidelberg und seit 1501 in Straßburg, wo er junge Adlige zu lehren begann, zog sich 1520 nach Schlettstadt zurück und starb dort 17. Nov. 1528. Mit Geiler von Kaisersberg besorgte er eine Ausgabe der Werke des französischen Kanzlers de Gerson (s. d.) und machte dem Rat von Straßburg 1501 zur Hebung des höhern Unterrichts den Vorschlag, ein Gymnasium zu gründen, welcher indessen erst 1536 zur Ausführung gelangte. W. ward auch in polemische Streitigkeiten verwickelt, namentlich mit Thomas Murner (s. d.) wegen seiner Schrift »Germania« (deutsch von E. Martin, Straßb. 1884), in welcher W. die Behauptung aufgestellt hatte, das Elsaß sei nie von den Galliern bewohnt gewesen. Im Auftrag des Kaisers Maximilian I. verfaßte W. zehn Gravamina oder Beschwerden der deutschen Nation zum Behuf einer Reformation der Kirche; doch erfolgte nichts darauf, und ebenso erging es seinem Entwurf eines deutschen Konkordats nach dem Vorgang Frankreichs. Beide Schriften erschienen 1520 im Druck. Der Reformationsbewegung trat W. nicht bei. Seine bekanntesten Schriften sind außer den genannten: »Praeceptor germanicus« (1497); »De adolescentia« (1500); »Epitome rerum germanicarum« (1505); »De integritate libellus« (Straßb. 1506); »Catalogus episcoporum Argentinensium«. Vgl. v. Wiskowatow, Jakob W. Sein Leben und seine Schriften (Berl. 1867); Schwarz, Jakob W. (Gotha 1875).

Winawer, Simon, berühmter Schachspieler, geboren zu Warschau. Er erschien, bis dahin fast unbekannt, auf dem Pariser Kongreß von 1867 und gewann den zweiten Preis daselbst, Steinitz überflügelnd und nur gegen Kolisch unterliegend. 1878 betrat W. die Stätte seines ersten Triumphs wieder und stand in Chance auf den Preis der Republik mit Zukertort schließlich gleich. Erst ein Stichmatch entschied zu seinen Ungunsten und verwies ihn an zweite Stelle. Im Berliner Turnier 1881 teilte W. mit Tschigorin den dritten und vierten Preis, im Wiener 1882 kam er zugleich mit Steinitz an die Spitze der Preisträger. 1883 errang er den Hauptpreis des Deutschen Schachbundes zu Nürnberg, während er in demselben Jahr auf dem Londoner Kongreß erfolglos kämpfte. An den jüngsten Schachturnieren hat sich W., der besonders in der Führung der Endspiele eine große Geschicklichkeit besitzt, nicht beteiligt. Die Theorie ist von W., welcher, ähnlich