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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wormditt; Worms

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Wormditt - Worms.

»Kunst- und Naturskizzen aus Nord- und Südeuropa« (Düsseld. 1880) mitteilte. Zu der von A. Woltmann begonnenen »Geschichte der Malerei« schrieb W. den ersten, das Altertum betreffenden Teil und führte nach Woltmanns Tode das Werk zu Ende (Leipz. 1878-1888, 3 Bde.). 1882 wurde er Direktor der Dresdener Gemäldegalerie und gab 1888 einen wissenschaftlichen Katalog derselben heraus. W. hat auch verschiedene Gedichtsammlungen veröffentlicht, darunter: »Aus der Natur und dem Geist« (Hamb. 1870), »Neapel. Elegien und Oden« (Münch. 1876), »Neue Gedichte« (Leipz. 1884).

2) Adolf, Kaufmann und Abgeordneter, Bruder des vorigen, geb. 10. Dez. 1847 zu Hamburg, besuchte das Johanneum daselbst, ging, um den überseeischen Handel kennen zu lernen, 1868 nach Singapur, 1869 nach Batavia und kehrte 1870 über Vorderindien, China, Japan und Nordamerika nach Hamburg zurück. Nachdem er 1871-72 seines Vaters Faktoreien in Liberia besucht hatte, ward er 1874 Teilhaber, 1880 Chef der Firma C. W., deren Verbindungen mit Westafrika er so entwickelte, daß die von ihm gegründete Afrikanische Dampfschiffahrts-Aktiengesellschaft (Linie W.) acht große Dampfer unterhält. 1884 erwarb er mit der Firma Jantzen u. Thormählen Camerun als Schutzgebiet für das Deutsche Reich. Seit 1884 ist W. für Hamburg nationalliberales Mitglied des Reichstags.

Wormditt (Orneta), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Braunsberg, im Ermeland, an der Drewenz und der Linie Allenstein-Kobbelbude der Preußischen Staatsbahn, 72 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein altes Rathaus am altertümlich umbauten Marktplatz, ein Amtsgericht, Rauch- und Schnupftabaksfabrikation, Bierbrauerei, Getreidehandel, 6 große Vieh- u. Pferdemärkte und (1885) 5169 meist kath. Einwohner.

Worms, zum russ. Gouvernement Esthland gehörige Insel, östlich von Dagö, 88 qkm (1,6 QM.) groß, ist im Innern ziemlich flach, im NW. mit Nadelhölzern, im übrigen mit Laubhölzern bewachsen und sehr zum Ackerbau geeignet. Fast alle Einwohner sind schwedischen Ursprungs und haben ihre Sprache und Gebräuche bewahrt; sie beschäftigen sich mit Ackerbau, Viehzucht, Bereitung von Ziegenkäse, Fischfang und sind gute Lotsen.

Worms, 1) ehemals freie Reichsstadt und Sitz eines gleichnamigen Bistums, jetzt Kreisstadt der hess. Provinz Rheinhessen, links am Rhein, im sogen. Wonnegau, Knotenpunkt der Linien Mainz-W.-Landesgrenze, W.-Bingen, W.-Offstein, W.-Bensheim und W.-Lampertheim der Hessischen Ludwigsbahn, 85 m ü. M., ist unregelmäßig gebaut und zum Teil noch mit alten Mauern und Türmen umgeben. Die Hauptplätze sind der Markt und Domplatz. Unter den Gebäuden steht der für den katholischen Gottesdienst bestimmte, jetzt restaurierte Dom voran. Er ist eine kolossale Pfeilerbasilika romanischen Stils und wurde an der Stelle eines ältern, aus dem Anfang des 11. Jahrh. herrührenden Gebäudes zu Anfang des 12. Jahrh. neu erbaut und 1110 eingeweiht. In den letzten Jahrzehnten desselben Jahrhunderts den Einsturz drohend, wurde er hergestellt und 1181 abermals geweiht, aber erst nach mehreren Jahrzehnten vollendet. Der Bau wirkt besonders durch seine beiden Kuppelbauten und die vier Rundtürme auf den Beschauer und wird durch zwei Chorbauten am östlichen und westlichen Ende abgeschlossen. Das Innere ist 109 m lang und 27 m (im Querschiff 36 m) breit und imponiert durch seine großartige Einfachheit; bemerkenswert ist die gotische Taufkapelle durch ihre Kunstgegenstände. Die evangelische Dreifaltigkeitskirche ward 1726 erbaut. Außerhalb der Stadt steht die Liebfrauenkirche, ein Bau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrh., mit schönem Portal, bemerkenswert besonders wegen der Rebenpflanzungen, welche sie umgeben und die bekannte »Liebfrauenmilch« liefern. Die Synagoge ist eins der ältesten jüdischen Gotteshäuser in Deutschland; der Judenkirchhof ist reich an alten Inschriften. Das großartige Lutherdenkmal (von Rietschel entworfen, von Kietz u. Donndorf vollendet, s. die Hauptfigur der Tafel »Bildhauerkunst IX«, Fig. 4) steht auf dem Lutherplatz, unweit des Bahnhofs, und wurde 1868 enthüllt. Andre bemerkenswerte Gebäude sind: das 1883-85 teilweise umgebaute Stadthaus, das im Pavillonsystem aufgeführte neue Krankenhaus, das Volkstheater mit Festhaus; auf dem Unterbau des ehemaligen Bischofshofs (Sitz des Reichstags von 1521), auf der Nordseite des Doms, steht gegenwärtig das Heylsche Haus, in dessen sehenswertem Garten sich großartige Treibhäuser befinden. Die Zahl der Einwohner beträgt (1885) mit der Garnison (ein Inf.-Bat. Nr. 118) 21,903, meist Evangelische. Die Industrie besteht in Fabrikation von Leder, Kunstwolle, Wasserglas und Schmierseife, Kaffeesurrogaten, Knochenpräparaten, Schiefertafeln, Öl, Malz, Maschinen, Buchdruckerpressen, Drahtwaren, Konserven, künstlichen Steinen, Dégras, Möbeln etc., ferner Kammgarnspinnerei, Tuchweberei, Bierbrauerei u. berühmtem Weinbau. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer und eine Reichsbanknebenstelle (Umsatz 1887: 74,3 Mill. Mk.), ist sehr lebhaft, bedeutend besonders in Wein, Leder, Getreide (besonders Gerste), Mehl und Mühlenfabrikaten etc. Im Hafen kamen an 1887: 1923 Schiffe mit 81,429 Ton. Ladung; es gingen ab: 1491 Schiffe mit 17,340 T. Ladung. W. ist Sitz eines Kreisamtes, eines Amtsgerichts, eines Hauptsteueramtes und hat ein Gymnasium mit Realklassen, eine höhere Privatlehranstalt für Landwirte und Brauer, ein großes Hospital, ein neues Krankenhaus etc. W. ist ein in der deutschen Heldensage mehrfach genannter Ort; es ist der Schauplatz der Nibelungensage; ein Distrikt jenseit des Rheins heißt der »Rosengarten«.

W., das alte Borbetomagus, zu Ariovists Zeiten Hauptstadt der Vangionen, ward von Drusus befestigt, im 5. Jahrh. Residenz des burgundischen Reichs, von den Hunnen zerstört, aber von den Merowingern wieder aufgebaut. Seit dem 8. Jahrh. bestand hier eine königliche Pfalz, in welcher z. B. Karl d. Gr. bisweilen Hof hielt. Bei der Teilung unter Ludwigs des Frommen Söhne fiel W. Ludwig dem Deutschen zu. Zunächst residierten hier fränkische Grafen, bis die Grafschaft in den Besitz des Bischofs kam und W. eine bischöfliche Stadt wurde. Burchard I. (1000-1025) zerstörte die alte Stammburg des salischen Geschlechts, um aus ihren Steinen ein Münster zu bauen; er hat die Rechtsverhältnisse des Stifts und der Stadt durch ein »Dienstrecht« geordnet. Der Widerwille der Städter wider ihren geistlichen Herrn offenbarte sich vornehmlich in der Parteinahme für Heinrich IV. 1073, der dann W. 18. Jan. 1074 durch einen Freibrief belohnte. Heinrich V. kam jedoch erst durch das Würzburger Abkommen (1121) in den Besitz der Stadt; er baute im N. davon bei Kloster

^[Abb.: Wappen von Worms.]