Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wredow; Wren; Wreschen; Wrexham; Wricken; Wriezen; Wright

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Wredow - Wright.

Wredow, August, Bildhauer, geb. 1804 zu Brandenburg, trat 1823 in die Werkstatt Rauchs, bei welchem er bis 1827 arbeitete, und ging dann nach Rom, wo er seinen Ruf mit dem Modell eines Ganymedes, der den Adler Jupiters erblickt, begründete (in Marmor ausgeführt zu Charlottenhof bei Potsdam). Einige Jahre später schuf er einen Paris mit dem Bogen, der sich durch feines Verständnis der Formen und zartes Gefühl auszeichnete (Marmorausführung in der Orangerie bei Potsdam), ebenso einen jugendlichen Merkur von großer Weichheit der Formen. Nach Berlin zurückgekehrt, führte er eine der acht Marmorgruppen auf der Schloßbrücke daselbst aus, in welcher Nike den gefallenen Helden zum Olymp emporträgt. Unter seinen übrigen, nicht zahlreichen Werken sind einige Apostelstatuen im Chor der Katharinenkirche zu Brandenburg und eine Statue von Andreas Schlüter zu nennen. Er ist königlicher Professor.

Wren (spr. renn), Sir Christopher, engl. Architekt, geb. 20. Okt. 1632 zu East-Knoyle in Wiltshire, studierte Mathematik in Oxford und ward 1657 Lehrer der Astronomie am Gresham College in London und 1659 an der Universität Oxford. Daneben beschäftigte ihn besonders die Baukunst, und er erbaute unter anderm das prächtige Sheldontheater in Oxford und das Pembroke College in Cambridge. 1665 ging er nach Frankreich, um die unter Ludwig XIV. errichteten Bauwerke zu studieren, wodurch er zu einem strengen Klassizismus geführt wurde. Nach dem großen Brand von London (1666) ward er zum Baumeister der Stadt und 1668 zum königlichen Generalarchitekten von England ernannt. Als solcher hat er über 60 Kirchen und öffentliche Gebäude, darunter den neuern Teil des Palastes von Hamptoncourt, den Palast zu Winchester, die Bibliothek des Trinity College zu Cambridge, aufgeführt. Sein Hauptwerk ist die von 1675 bis 1710 erbaute Paulskirche, die drittgrößte der Welt. Er starb 25. Febr. 1723 in Hamptoncourt. W. ist die hervorragendste Erscheinung in der neuern englischen Architektur. Sein hauptsächlich nach der Antike gebildeter Stil ist nüchtern, trocken und ohne Leben; aber in der technischen Ausführung schreckte er vor den kühnsten Aufgaben nicht zurück. Seine nachgelassenen Werke wurden von seinem Sohn herausgegeben. Vgl. Elmes, Sir C. W. and his times (Lond. 1852); Taylor, The towers and steeples designed by C. W. (das. 1881); Phillimore, Chr. W., his family and his times (das. 1881, neue Aufl. 1884).

Wreschen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, an der Wrzesnia und der Linie Öls-Gnesen der Preußischen Staatsbahn, 95 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht, ein Warendepot der Reichsbank, eine Zuckerfabrik, bedeutenden Getreidehandel und (1885) 5035 meist kath. Einwohner.

Wrexham (spr. réxäm), Stadt in Denbighshire (Wales), 20 km südlich von Chester, hat eine got. Kirche (1472 erbaut), eine Lateinschule, Kohlen- und Eisengruben, Flanellfabrikation und (1881) 10,978 Einw.

Wricken, einen Riemen oder Ruder am Heck eines Boots etwas geneigt und zur Hälfte ins Wasser getaucht abwechselnd von rechts nach links und von links nach rechts gleichzeitig drehend so bewegen, daß sein unterer Teil ähnlich einer Schiffsschraube wirkt. Der Riemen erteilt dadurch dem Boot eine Vorwärtsbewegung.

Wriezen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Oberbarnim, an der Alten Oder, im Oderbruch, Knotenpunkt der Linien Eberswalde-Frankfurt a. O. und W.-Jädikendorf der Preußischen Staatsbahn, 19 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Realprogymnasium, eine Taubstummenanstalt, ein Amtsgericht, Stärkesirup-, Spiritus-, Rüböl- und Seifenfabrikation, Gerberei, Maschinenbau, Kalkbrennerei, Gärtnerei, Bierbrauerei, Braunkohlengruben und (1885) 7241 meist evang. Einwohner. W. ist wendischen Ursprungs, wird schon 1320 als Stadt erwähnt und erhielt 1332 deutsches Stadtrecht.

Wright (spr. reit), 1) Thomas, engl. Gelehrter und Schriftsteller, geb. 21. April 1810 bei Ludlow in Wales, studierte zu Cambridge, wo er den Magistergrad erwarb, und kam 1836 nach London, wo er sich fortan ganz der litterarischen Thätigkeit widmete und bis an seinen Tod als Kultur- und Litteraturhistoriker, als Kritiker, Archäolog und Übersetzer thätig war. Er starb 23. Dez. 1877 in London. Sein erstes größeres und selbständiges Werk war »Queen Elizabeth and her times« (1838, 2 Bde.). Außer diesem hat er an 100 andre als Verfasser oder Herausgeber veröffentlicht, von denen wir als die bedeutendern erwähnen: »Essays on the literature, superstition and history of England in the middle ages« (1846, 2 Bde.) und die »Biographia britannica litteraria« (1842-46, 2 Bde.), welche die angelsächsische und anglonormannische Periode umfassen; ferner: »England under the house of Hanover, illustrated from the caricatures of the day« (1848, 2 Bde.); »Narratives of magic and sorcery« (1851, 2 Bde.); »The Celt, the Roman and the Saxon« (4. Aufl. 1885); »History of Ireland« (1852, 3 Bde.); »Wanderings of an antiquary« (1854); »Dictionary of obsolete and provincial English« (1858); »History of France« (1858-60, 2 Bde.); »Domestic manners in England during the middle ages« (1861); »History of the grotesque and caricature in literature« (2. Aufl. 1875); »Womankind in western Europe from the earliest ages to the XVII. century« (1869) und »Anglo-saxon and old English vocabularies« (2. Aufl. von Wülker, Lond. 1884, 2 Bde.). Auch gab er »Early mysteries and other latin poems of the XII. and XIII. centuries« (1838), »The Chester plays«, biblische Dramen des 14.-16. Jahrh. enthaltend (1841), »Political songs of England from the reign of John to that of Edward II.« (1859-61, 2 Bde.) heraus und veranstaltete die erste kritische Ausgabe des Chaucer (1847-51, 3 Bde.). W. gehört zu den Gründern der Camden Society und der British archaeological Association und machte ansehnliche Entdeckungen über die alte Römerstadt Uriconium bei Shrewsbury, worüber er in »The ruins of the Roman city of Uriconium« (1859) und »Uriconium« (1872) berichtete.

2) William, Arabist, geb. 17. Jan. 1830 in Bengalen, machte seine Studien zu St. Andrews und in Halle, ward 1855 Professor des Arabischen an der Universität London und 1856 in gleicher Eigenschaft nach Dublin berufen. Nachdem er seit 1861 der Manuskriptverwaltung des Britischen Museums zugeordnet gewesen, erhielt er 1870 eine Berufung nach Cambridge als Professor des Arabischen, wo er 22. Mai 1889 starb. Er veröffentlichte unter anderm: »The travels of Ibn Jubair« (Leid. 1852); »Analectes sur l'histoire et la littérature des Arabes d'Espagne par al Makkari« (das. 1855); »Opuscula arabica« (das. 1859); »An Arabic reading-book« (das. 1870); »Apocryphal acts of the apostles« (das. 1871, 2 Bde.); »Catalogue of the Syriac manuscripts in the British Museum« (das. 1870-72, 3 Bde.) und »The empire of the Hittites« (2. Aufl.