Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zeising; Zeist; Zeit; Zeitalter; Zeitball

845

Zeising - Zeitball.

Der Z. findet sich in fast ganz Europa und in Nordasien, streicht außer der Brutzeit weit umher und verläßt nur die nördlichsten Länder im Winter. In manchen Jahren erscheint er im Winter zu Tausenden in und bei den Dörfern, wo man in andern Jahren kaum einzelne sieht. Er bevorzugt die Nadelwälder bergiger Gegenden, ist hauptsächlich Baumvogel, sehr munter und gewandt, fliegt schnell und leicht, nährt sich von Baumgesäme, jungen Knospen und Blättern und während der Brutzeit von Kerbtieren. Er nistet sehr versteckt auf Nadelhölzern und legt 5-6 bläuliche oder blaugrünliche, gefleckte und geäderte Eier, welche das Weibchen in 13 Tagen ausbrütet. Als Stubenvogel ist der Z. sehr beliebt.

Zeising, Adolf, Ästhetiker, geb. 24. Sept. 1810 zu Ballenstedt, war Professor am Gymnasium in Bernburg und privatisierte seit 1853 meist in München, wo er 27. April 1876 starb. Das von ihm entdeckte Gesetz, daß der menschliche Körper neben vielen andern Erscheinungen nach dem Verhältnis des sogen. Goldenen Schnittes gegliedert sei, wurde zuerst in der »Neuen Lehre von den Proportionen des menschlichen Körpers« (Leipz. 1854) veröffentlicht und seinen »Ästhetischen Forschungen« (Frankf. 1855) zu Grunde gelegt. Aus seinen hinterlassenen Handschriften erschien später: »Der Goldene Schnitt« (Halle 1884). Außerdem schrieb er: »Die Metamorphosen in den Verhältnissen der menschlichen Gestalt« (Bonn 1860); »Religion und Wissenschaft, Staat und Kirche« (Wien 1873); ferner die Romane: »Die Reise nach dem Lorbeerkranze« (Berl. 1861, 2 Bde.); »Hausse und Baisse« (das. 1864, 3 Bde.); »Joppe und Krinoline« (Wien 1865, 3 Bde.); »Kunst und Gunst« (Berl. 1865, 3 Bde.). Auch eine Tragödie: »Kaiserin Eudocia«, kam von ihm in München auf die Bühne.

Zeist, s. Zeyst.

Zeit (Tempus), eine der Reihenformen unsers Vorstellens, in welche sich der Stoff der sinnlichen Erfahrung bei der Auffassung notwendigerweise gruppiert. Während das Nebeneinanderliegende sich in räumliche Formen ordnet, ist die Z. die Form für die Auffassung dessen, was nacheinander geschieht. Aristoteles nannte sie das Maß der Bewegungen im Weltall; nach Kant sind Raum und Z. ursprüngliche, notwendige Formen der Erfahrung, welche nicht durch Abstraktion entstanden sind, auch nicht als allgemeine Begriffe zu denken, sondern als reine Anschauung a priori aufzufassen sind. Die Z. wird durch den stetigen Übergang von drei relativen Bestandteilen, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, gebildet; ihr Gesamtbegriff heißt Ewigkeit (s. d.). Zur Messung der Z. dient die Rotation der Erde um ihre Achse (vgl. Sonnenzeit und Tag) sowie der Umlauf der Erde um die Sonne (vgl. Jahr). - Die katholische Kirche nennt die Zeiten, in welchen sie keine Hochzeiten und lärmenden Vergnügungen gestattet, die geschlossene Zeit (s. d.) und teilt das Kirchenjahr in drei heilige Zeiten: die Weihnachtszeit, Osterzeit und Pfingstzeit. Die erste beginnt mit dem ersten Adventsonntag und endigt mit dem letzten Sonntag nach Epiphania; die zweite währt vom Sonntag Septuagesimä bis zum Himmelfahrtstag Christi, und die dritte fängt am Tag nach Christi Himmelfahrt an und endigt mit dem letzten Sonntag nach Pfingsten. - Über Physiologische Zeit s. d. Vgl. Baumann, Die Lehre von Raum und Z. in der neuern Philosophie (Berl. 1868 bis 1869, 2 Bde.); Eyfferth, Über die Z. (das. 1871).

Zeitalter (Weltalter, Aetates), nach den Dichtern und Philosophen der Vorzeit die verschiedenen Stufen der Kultur, Sittlichkeit und Glückseligkeit, auf denen das Menschengeschlecht in verschiedenen Zeiten gestanden haben soll. Hesiod und nach ihm Proklos nehmen deren fünf an (vgl. Roth, Über den Mythus von den fünf Menschengeschlechtern bei Hesiod, Tübing. 1860). Im goldenen oder Saturnischen Z., unter der Regierung des Kronos (Saturn), lebten die Menschen einfach und patriarchalisch und wurden nach ihrem Tod himmlische Schutzgeister. Im silbernen waren die Menschen schon an Gestalt und Sinn verändert, üppig und gottlos und wurden nach dem Tode die irdischen Genien. Im ehernen wurden Künste getrieben, Kriege geführt, Gewaltthätigkeiten geübt und unermeßliches Elend über die Erde gebracht; die Menschen aber kamen, wenn sie starben, in die Unterwelt. Dem heroischen, das wieder besser und stärker war als jenes, stellt der Dichter das menschliche Z., das seiner Zeitgenossen, gegenüber, dessen Schlechtigkeit ihm den Wunsch auspreßt, entweder früher gelebt zu haben, oder später geboren worden zu sein. Ovid hält in seinen »Metamorphosen« die Vorstellung des Hesiod fest, läßt aber das heroische Z. weg und beschränkt die Z. auf die Zeit bis zur Deukalionischen Flut, worauf durch Deukalion das neue Geschlecht entstand. Aratos nimmt drei Z. an: das goldene, silberne und eherne, indem bei ihm das eherne und eiserne des Ovid zusammenfallen. Vergil unterscheidet nur zwei Z. nach dem Weltregiment des Saturnus und dem des Jupiter, unter jenem das bessere, glücklichere Leben, unter diesem das immer schlimmer werdende bis auf des Dichters Zeit. Später bildete die Orphische Schule diesen Gedanken eigentümlich um, und er ging aus der Poesie auch in die Philosophie über. Man sah diese Z. als die Teile des großen Weltjahrs an, das vollendet sein werde, wenn einst die Gestirne und Planeten am Himmel wieder denselben Stand einnehmen werden, worauf dann der vorige Wechsel der Schicksale wiederkehren werde, und ließ das erste oder goldene Z. von Kronos, das zweite von Zeus, das dritte von Poseidon und das letzte von Pluton, nach andern von Apollon, regiert werden. Die Zeit für den Ablauf des großen Weltjahrs wurde auf 3000 Sonnenjahre berechnet, nach andern auf 7777, nach Cicero auf 12,954 und nach Heraklit auf 18,000. Die Sibyllinischen Bücher teilten es in zehn säkularische Monate oder vier Jahreszeiten, wo der Frühling das goldene, der Sommer das silberne, der Herbst das eherne, in welches die Deukalionische Flut fällt, und der Winter das eiserne Z. in sich begriff. Auch in dem Tausendjährigen Reich der Apokalypse und in den heiligen Büchern der Inder finden wir die Idee der Z. wieder, und selbst die neuere Philosophie hat diesen Begriff auf ihre Weise zu verarbeiten gesucht. So nahm Fichte fünf Weltalter an, von welchen wir uns jetzt im dritten befinden, und Hegel drei, von welchen wir ebenfalls im dritten stehen sollen.

Zeitball, schwarzer Ballon aus Korbgeflecht von etwa 1-2 m Durchmesser, der, an einer weit sichtbaren Stelle aufgezogen, zu einer bestimmten, der geographischen Länge des Ortes entsprechenden Zeit infolge elektromagnetischer, durch eine Normaluhr automatisch besorgter Auslösung eines Sperrhakens an einem Mast herabgleitet. Der Apparat steht immer mit einer Sternwarte, gewöhnlich auf elektrischem Weg, in Verbindung und dient den Seeleuten zur Korrektur ihrer Chronometer. Der erste Z. wurde 1833 auf der Greenwicher Sternwarte angewandt, und seitdem hat sich diese Einrichtung in England über alle bedeutenden Seeplätze verbreitet.