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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Zinnfolie - Zinnlegierungen.

pischen Teilen eingesprengt, teils konzentriert es sich in Gängen oder Stöcken, die sich dann durch Reichtum an sonstigen Mineralien, namentlich fluor-, lithium- und wolframhaltigen, auszeichnen. In großen Mengen findet es sich auf sekundärer Lagerstätte, den sogen. Zinnseifen. Fundorte sind: Altenberg, Geier, Ehrenfriedersdorf, Zinnwald, Graupen und andre Orte des sächsisch-böhmischen Erzgebirges, Cornwall, Devonshire, Spanien, Bretagne, die Halbinsel Malakka, die Inseln Bangka, Billiton und Karimon, Kalifornien, Mexiko, Bolivia (hier in farblosen Kristallen), Peru, Queensland, Neusüdwales. Z. ist das einzige technisch wichtige Material zum Ausbringen des Zinns, und zwar werden zwei Drittel der Gesamtproduktion dieses Metalls aus dem ostindischen Seifenzinn dargestellt.

Zinnfolie, s. Stanniol.

Zinngeschrei, s. Zinn, S. 922.

Zinngießer, ehemals zünftige Handwerker, welche aus Zinn allerhand Waren, wie Schüsseln, Lampen etc. verfertigen, Trinkgeschirre beschlagen etc.

Zinngießerei, s. Gießerei, S. 336, u. Zinnguß.

Zinnguß zur Herstellung von Kelchen, Pokalen, Töpfen, Tellern, Schüsseln etc. wurde seit dem 13. Jahrh. geübt, wo die Entdeckung von Zinnlagern im Erzgebirge das Material leichter zugänglich machte. Später wurden auch Kirchengeräte aus Zinn gegossen, und im 15. Jahrh. war der Z. Ersatz für die Arbeiten der Silberschmiede. Zinngeschirr aus dem Mittelalter hat sich nicht erhalten. Die wenigen Pokale und Krüge in gotischen Formen, die auf uns gekommen sind, gehören dem 16. Jahrh. an, in welchem der Z. besonders im westlichen Deutschland, in Schlesien und in der Schweiz betrieben worden ist. Am zahlreichsten haben sich Zunftpokale und Schleifkannen, welche mit eingravierten Darstellungen (meist Heiligenfiguren) und mit aufgesetzten plastischen Figuren, Ornamenten und Wappen verziert sind, Schüsseln und Teller, deren Ränder mit Medaillons (Apostel- und Kurfürstenbilder) und deren Mitte mit figürlichen Darstellungen oder Arabesken versehen sind, erhalten. Der Guß der Trinkgefäße scheint in Sand- oder Gipsformen, der von Tellern und Schüsseln in Formen von Metall oder Kelheimer Stein erfolgt zu sein. Der hervorragendste Zinngießer der Renaissancezeit war Caspar Endterlein aus Basel (gest. 1633 in Nürnberg), welcher zuerst Hängeleuchter aus Zinn verfertigt haben soll. Zinnerne Zunftkannen, Teller und Gebrauchsgeschirr wurden noch im 18. Jahrh. gefertigt, dann aber durch Glas-, Thon- und Porzellanwaren verdrängt. Am längsten hat sich das Zinngeschirr in England erhalten, wo noch heute Bier aus zinnernen Bechern getrunken wird. Auch in Belgien sind Zinnpokale zum Ausschank des englischen Biers (stout) gebräuchlich. In der orientalischen und asiatischen Kunstindustrie findet das Zinn noch heute eine umfangreiche Anwendung, einerseits zur Herstellung von Schüsseln, Becken, Kannen, Lampen, Leuchtern etc., anderseits zu einem dekorativen Zweck, indem kupferne Gefäße mit Zinn überzogen werden und der grauweiße Überzug mit ornamentalen Gravierungen versehen wird, so daß der rote Untergrund sichtbar wird und die Linien des Ornaments bildet. Vgl. Bapst, Êtudes sur l'étain (Par. 1884); Bucher, Geschichte der technischen Künste, Bd. 3 (Stuttg. 1886).

Zinnhydroxyd, s. Zinnsäure.

Zinnĭa L. (Zinnie), Gattung aus der Familie der Kompositen, einjährige, schön blühende Kräuter in Mexiko, von denen mehrere als Zierpflanzen benutzt werden. Z. elegans Jacq., 60-80 cm hoch, mit gegenständigen, herzförmig spitzen Blättern, großen, endständigen Blütenköpfen auf starken, steifem Stielen, kleinen, gelben Scheibenblümchen und großen, gelben Strahlenblumen, wird in mehreren Varietäten, besonders auch gefüllt, mit 6-10 cm im Durchmesser haltenden Blütenköpfen kultiviert. Ebenso Z. Haageana Rgl. und ein Bastard zwischen beiden, Z. Darwini, von welchem wieder mehrere Varietäten gezüchtet wurden.

Zinnkies (Stannin), Mineral aus der Ordnung der einfachen Sulfuride, findet sich selten in (in Peru bis 8 cm großen) Kristallen des regulären Systems, meist derb und eingesprengt in körnigen bis dichten Aggregaten, ist stahlgrau mit einem Stich ins Gelbe; Härte 4, spez. Gew. 4,3-4,5. Die Analysen, welche wegen mikroskopisch nachweisbarer Beimengung von Kupferkies nur annähernd richtige Resultate geben können, lassen den Z. als eine isomorphe Mischung der Schwefelverbindungen von Zink, Eisen, Kupfer und Zinn erscheinen. Z. kommt auf Zinnerzgängen zu Zinnwald in Böhmen, in Cornwallis und Peru vor und wird an einzelnen Orten auf Kupfer verhüttet.

Zinnkomposition, s. Zinnchlorid.

Zinnkrätze, s. Zinn, S. 923.

Zinnkraut, s. Equisetum.

Zinnküpe, s. Indigo, S. 919.

Zinnlegierungen, Verbindungen und Mischungen von Zinn mit andern Metallen. Außer den Zinnkupferlegierungen (Bronze, Kanonengut, Glockengut), denen sich häufig Zink beimischt, bis das Zinn auf wenige Prozente herabgedrückt ist, sind namentlich die Zinnbleilegierungen von technischer Bedeutung. Zinn wird durch Blei spezifisch schwerer und, wenn das Blei weniger als das Doppelte von der Menge des Zinns beträgt, zugleich schmelzbarer. Die Zinnbleilegierungen füllen die Formen besser aus als reines Zinn, sind aber weniger weiß, laufen an der Luft an, oxydieren sich leichter als die reinen Metalle und geben bei größerm Bleigehalt an Essig Blei ab. Der Essig löst stets beide Metalle und zwar annähernd in demselben Mengenverhältnis, in welchem die Metalle in der Legierung enthalten sind. Die Menge des Gelösten überhaupt wächst mit dem Bleigehalt der Legierung. Z. mit 10 Proz. Blei sind durchaus gefahrlos, aber auch solche mit 20-35 Proz. Blei können noch nicht als unbedingt gesundheitsgefährlich betrachtet werden. Ihre Anwendung erscheint nicht bedenklicher als die der gebräuchlichen Silberkupferlegierungen, welche allgemein als unschädlich betrachtet werden. Mit Rücksicht auf das Verhalten der Z. zu Säuren sind gesetzliche Vorschriften über den Zinngehalt derjenigen Legierungen erlassen worden, welche zu Gefäßen für Speisen und Getränke verarbeitet werden sollen. In Deutschland müssen derartige Legierungen mindestens 83,33, in Frankreich 82, in Österreich 90,9 Proz. Zinn enthalten. Die Bleizinnlegierungen oxydieren sich beim Schmelzen schneller als die reinen Metalle, und eine Legierung aus 1 Teil Zinn und 4-5 Teilen Blei verbrennt in der Glühhitze wie Kohle und glimmt von selbst fort. Sämtliche Zinnbleilegierungen sind härter als Blei, die mit mehr als 60 Proz. Zinngehalt auch etwas härter als Zinn; ihr spezifisches Gewicht ist geringer als das berechnete. Man unterscheidet und unterschied sonst vierstempeliges Zinn aus 32 T. Zinn und 1 T. Blei, dreistempeliges aus 5 T. Zinn und 1 T. Blei, fünfpfündiges aus 4 T. Zinn und 1 T. Blei, vierpfündiges aus 3 T. Zinn und 1 T. Blei, dreipfündiges aus 2 T. Zinn und 1 T. Blei etc. Eine Legierung aus 10 T. Zinn und 4 T. Blei dient zu