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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zistenröschen; Zistensaft; Zistérnen; Zitek; Zitelmann; Zither

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Zistenröschen - Zither.

bei Tannenberg (15. Juli 1410) mit. Dann wohnte er den Feldzügen der Ungarn gegen die Türken bei, focht hierauf auf seiten der Engländer gegen die Franzosen, mit Auszeichnung besonders in der Schlacht bei Azincourt (1415), und schloß sich, nach Böhmen zurückgekehrt, 1419 der extremen Partei der hussitischen Bewegung an. Er schuf die Haufen der Hussiten zu einem wohlgeschulten, durch die Wagenburgen geschützten Fußvolk um, legte 1421 die Feste Kalich, d. h. Kelch, bei Třebušin im Leitmeritzer Kreis an, von welcher er sich auch Joh. Z. v. T. und Kalich schrieb, schlug 14. Juli das deutsche Kreuzheer vor Prag auf dem Berg zurück, der seitdem Ziskaberg heißt, und siegte entscheidend über Siegmund im Januar 1422 in der Schlacht bei Deutsch-Brod. An der Spitze der Taboriten kämpfte er sodann gegen die gemäßigten Kalixtiner, deren Besitzungen er aufs grausamste verheerte. Wiewohl er bei der Belagerung des Schlosses Raby 1421 durch einen Pfeilschuß auch sein zweites Auge verloren hatte, ordnete er doch nach der Beschreibung, welche man ihm von der Gegend machte, die Heeresstellung an und entschied mit seiner »unüberwindlichen Brüderlegion« gewöhnlich den Ausgang der Schlacht. Er starb während der Belagerung von Przibislaw an der Pest 11. Okt. 1424. Sein Leichnam wurde in der St. Peter- und Paulskirche zu Tschaslau beigesetzt und seine Lieblingswaffe, ein eiserner Streitkolben, über seinem Grabmal aufgehängt. Das Grabmal selbst wurde 1623 auf kaiserlichen Befehl abgebrochen und Ziskas Gebeine fortgeschafft. 1874 wurde sein Denkmal in Przibislaw enthüllt. Z. war ein ausgezeichneter Feldherr von Scharfblick, Geistesgegenwart und eiserner Festigkeit, aber wild und grausam in der Bekämpfung der Feinde seiner Nation und seines Glaubens. Poetisch wurde seine Geschichte von Alfred Meißner behandelt. Vgl. Millauer, Diplomatisch-historische Aufsätze über Joh. Z. v. T. (Prag 1824); Wl. Tomek, Johann Zizka (deutsch, das. 1882).

Zistenröschen (Zistrose), s. Cistus.

Zistensaft, s. Cytinus.

Zistérnen (lat.), künstliche, ausgemauerte, mit Holz ausgesetzte oder mit Zement verstrichene, auch in Stein gehauene Behälter zum Sammeln und Aufbewahren des Regenwassers in wasserarmen Gegenden. Die meisten Z. finden sich in den Ländern der heißen Zone, auf den Wüstenstrecken Westasiens und Nordafrikas. Dort müssen sie tief angelegt werden, damit die Hitze den Inhalt nicht auszehre oder verderbe. Z. von großem Umfang werden überwölbt und mit Tragsäulen oder Zwischenmauern versehen. Das Regenwasser wird in steinernen oder hölzernen Gefäßen mit durchlöchertem Boden aufgefangen, von hier aus durch Röhren in mit Sand gefüllte Kasten und, in diesen gereinigt, in die Z. geführt. Die Kasten müssen von Zeit zu Zeit mit frischem Sand gefüllt und die Z. selbst gereinigt werden. Bis zur Wasserfläche der Z. führen entweder Treppen oder Leitern, oder das Wasser wird mittels Eimer oder Pumpen zur Höhe gebracht. Z. in Festungen, die im äußersten Fall auf Zisternenwasser beschränkt sind, müssen bombenfest überdacht sein.

Zitek, Joseph, Architekt, geb. 4. April 1832 zu Prag, wo er 1848-51 technischen Studien oblag, unternahm 1859 eine Studienreise nach Italien, hielt sich längere Zeit in Rom auf und bereiste auch Deutschland. Nach seiner Rückkehr wurde er vom Großherzog von Sachsen mit Ausarbeitung des Plans zum Weimarer Museum betraut, dessen Bau er 1863 vollendete; 1864 wurde er zum städtischen Baumeister in Wien ernannt und noch in demselben Jahr als Professor der Architektur an das deutsche Polytechnikum zu Prag berufen, wo er noch wirkt. Z. hat ferner die Pläne zum tschechischen Nationaltheater in Prag, einem großartigen Monumentalbau, zu der neuen katholischen Kirche in Weimar, den Kolonnaden in Karlsbad und dem Künstlerhaus in Prag entworfen und ausgeführt. Er bewegt sich mit Vorliebe in den Formen der italienischen Hochrenaissance.

Zitelmann, Konrad, Lyriker und Novellist, geb. 26. Nov. 1854 zu Stettin, studierte die Rechte in Leipzig, Heidelberg, Berlin und Greifswald, ward Gerichtsreferendar zu Stettin, mußte aber schweren Leidens wegen 1878 seinen Abschied nehmen und verlebte die nächsten Jahre auf Reisen im Süden, bis er 1883 sich dauernd in Mentone niederließ. Von ihm erschienen unter dem Pseudonym Konrad Telman die Gedichtsammlungen: »In der Einsamkeit« (Leipz. 1876), »Meraner Herbsttage« (das. 1876) und »Aus der Fremde« (Mind. 1889); ferner: »In Pommern«, Novellen (Leipz. 1875, 2 Bde.), und zahlreiche andre Novellen (bis jetzt acht Sammlungen); endlich die Romane: »Im Frührot« (Bresl. 1880, 3 Bde.), »Götter und Götzen« (Leipz. 1884, 3 Bde.), »Das Spiel ist aus« (das. 1884, 3 Bde.), »Moderne Ideale« (das. 1886, 3 Bde.), »Dunkle Existenzen« (das. 1886, 4 Bde.), »Vae victis« (Mind. 1886), »Im Klementenhof« (Leipz. 1888, 2 Bde.), »Weibliche Waffen« (Dresd. 1889), »Dissonanzen und Akkorde«, Novellen (Mind. 1888, 2 Bde.), u. a. Zitelmanns Werke bekunden sämtlich ein nicht alltägliches, leider in seiner besten Entwickelung gehemmtes Talent.

Zither (Cither, Schlagzither), kleines, etwa ½ m langes und ¼ m breites, 5 cm hohes Saiteninstrument mit 29-42 Saiten in Quintenstimmung, über einen flachen Resonanzboden gespannt. Die fünf Griffbrett- (Violin-) Saiten a', a', d, g, c sind durch 29 Bunde chromatisch eingeteilt. Von den übrigen Saiten entfallen 12-13 auf die Begleitung (Mittelstimmen), die übrigen auf die Baßstimmen. Sie werden mit den drei mittlern Fingern der rechten Hand intoniert, während der mit einem Schlagring aus Neusilber, Horn oder Stahldraht versehene Daumen die Melodiesaiten anschlägt, welche mit der linken Hand gegriffen werden. Die Z. war ein bereits im frühsten Altertum bekanntes Instrument, später in den Gebirgsländern Süddeutschlands heimisch, ist neuerdings auch in Norddeutschland sehr verbreitet und durch Verbesserungen zum Konzert- und Orchesterinstrument herangebildet. Man unterscheidet Diskant- (Prim-), Konzert- und Elegiezithern. Die Streichzither besteht aus einem herzförmigen Korpus mit vier Saiten a', a', d, g, durch 29 Bunde wie die Schlagzither eingeteilt, und wird mit einem Violinbogen gespielt. Eine größere Abart der Streichzither heißt Streichmelodium mit fünf Saiten und kräftigem, celloartigem Ton. Historisch hat die Z. sowohl etymologisch als der Form des Instruments nach verschiedenerlei Vorfahren, zunächst 1) die Kithara (s. d.) der Griechen, die jedoch nicht wie die Z. flach auf den Tisch gelegt, sondern vertikal gehalten wurde und auch weder ein Griffbrett noch den die ganze Fläche der Besaitung deckenden Resonanzboden hatte; 2) die Kithara, die ursprünglich eine kleinere Lautenart war, später aber einen flachen Resonanzkasten erhielt und zu unsrer Guitarre (s. d.) wurde; 3) die Cither des 16. und 17. Jahrh. (engl. Zithern, Zithern; franz. cistre), eine andre Abart der Laute, welche stets mit Drahtsaiten bezogen war und mit einem Plektrum gespielt wurde. Der französische