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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zucker

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Zucker (Rübenausbeute, Melasseverarbeitung; Darstellung aus Zuckerrohr).

pferne oder lackierte eiserne Potten, in welchen Zwirnfäden ausgespannt sind, die das Anschießen der Kristalle begünstigen. Die Potten läßt man 8-10 Tage in verschlossenen Räumen, welche anfangs auf 50-60° angeheizt wurden, stehen; dann gießt man den Sirup ab, spült die Kristalle mit etwas Kalkwasser und trocknet sie.

Anstatt Rohzucker darzustellen, welcher zunächst für die Raffinerien bestimmt ist, freilich auch bei Anwendung der Schleuder in marktfertige Ware (Farin, Kochzucker) verwandelt werden kann, wird sehr häufig der Dicksaft direkt auf Brotzucker verarbeitet (Melisarbeit); doch bedarf man dazu sehr reiner, filtrierter Dicksäfte, die auf Korn verkocht werden. Man erhält dann Brote (Saftmelis), die recht weiß sein können (ein gelblicher Ton wird durch Ultramarin verdeckt), in der Regel aber porös sind, weil der immerhin bedeutende Gehalt an Nichtzucker die Bildung einer geschlossenen, dichten Masse verhindert, und von etwas an die Herkunft erinnerndem Geschmack Ein besseres Produkt bis zur Übereinstimmung mit Raffinade bildet der Einwurfmelts, den man aus Dicksaft erhält, in welchem durch Einwerfen von Rohzucker oder auf Zentrifugen gereinigten Nachprodukten das Verhältnis zwischen Z. und Nichtzucker verbessert wurde. In neuerer Zeit stellt man immer häufiger gereinigte oder raffinierte Z. in andrer als Brotform dar und bringt sie als Farin, Pilen oder Stückenzucker in den Handel. Man bereitet durch Einwurf von Rohzucker oder gereinigten Nachprodukten eine gute Füllmasse und reinigt den aus dieser erhaltenen Rohzucker auf der Zentrifuge mit Dampf und gewinnt den Z. in Form einer mehr oder minder dicken, zusammenhängenden, feuchten oder trocknen Schicht, welche in unregelmäßige Stücke zerbrochen oder vermahlen wird. Man bringt auch den auf der Zentrifuge erhaltenen Z. oder feuchtes Zuckermehl in eine Streifenpresse, aus welcher er in Gestalt viereckiger Stäbe herausgeschoben wird, die man auf einer Maschine durch zwei gegeneinander bewegte Messerklingen in Täfelchen zerschneidet. Das Zersägen der kegelförmigen Brote liefert sehr viel Abfall, und man benutzt daher bei der Arbeit auf Würfelzucker Formen mit quadratischem Querschnitt, so daß sich der fertige Z. ohne Verlust in Scheiben und Streifen zersägen läßt. Man läßt auch die Raffinadenfüllmasse in Blechkapseln ab, stellt diese nach vollendeter Kristallisation in besonders eingerichtete Zentrifugen, schleudert den Sirup aus und tränkt den Z. ein oder mehrere Male mit Deckklärsel, welches wieder ausgeschleudert wird. Schließlich werden die ausgedeckten Platten aus den Formen genommen, getrocknet und mit Kreissägen oder Knipsmaschinen zerkleinert.

Was die Ausbeute betrifft, so kann man annehmen, daß 1 Hektar etwa 500-700 Ztr. Rüben liefert. Zu 1 Ztr. Z. brauchte man in den 30er Jahren 18 Ztr., 1846 noch 14 Ztr., bis 1870 etwas mehr als 12 Ztr. und im J. 1874/75 infolge der immer weitern Verbreitung des Diffusionsverfahrens nur noch 11,44 Ztr. Rüben. Man kann annehmen, daß im Durchschnitt 1 Hektar in Deutschland 48, in Frankreich 55, in Rußland 33 Ztr. Z. liefert. Auf die Melasse ist dabei keine Rücksicht genommen.

Die schwerflüssige, dunkelbraune, widerlich riechende und schmeckende Melasse enthält 16-19 Proz. Wasser und 46-53 Proz. Z., außerdem aber so viel fremde Stoffe, namentlich Salze, daß der Z. nicht mehr kristallisiert. Sie ist völlig ungenießbar und kann daher nur als Viehfutter, zur Spiritusfabrikation und zur Darstellung der Pottasche benutzt werden. Erst in neuerer Zeit wird mit Vorteil ein Teil des Zuckers in marktfertigem Zustand daraus abgeschieden. Man kann etwa 12-15 Proz. Z. aus der Melasse gewinnen, wenn man sie genügend verdünnt und unter starker Anwendung der gewöhnlichen in der Zuckerfabrikation gebräuchlichen Reinigungsmittel wie Rübensaft verarbeitet. Dies Verfahren lohnt aber nur unter ganz besondern Verhältnissen. Die neuere Zeit hat nun eine Reihe andrer Methoden zur Verarbeitung der Melasse gebracht, ohne daß eine derselben bisher allgemeine Verbreitung gefunden hätte. Am meisten ist mit Osmose gearbeitet worden, nach welchem Verfahren man der Melasse durch Diffusion einen Teil der Salze entzieht, indem man durch ein System von Kammern, welche von Scheidewänden aus Pergamentpapier durchzogen sind, auf der einen Seite der Wand die Melasse, auf der andern das Wasser, beide mit ziemlich hoher Temperatur, langsam abfließen läßt. Hierbei vollzieht sich die dialytische Scheidung, die Melasse wird verdünnter, salzärmer und dadurch zuckerreicher, während das Wasser namentlich die leicht kristallisierbaren Salze der Melasse aufnimmt. Die osmosierte Melasse wird verkocht und liefert dann eine Kristallisation, von welcher abermals Melasse fällt, die demselben Prozeß unterworfen werden kann. Dies Verfahren ist namentlich auch zur Reinigung der Nachprodukte benutzt worden, der Erfolg desselben ist von der Beschaffenheit der Melasse und des Wassers abhängig. Nach dem Elutionsverfahren wird aus konzentrierter Melasse und gepulvertem gebrannten Kalk eine harte, poröse Masse dargestellt, welche man zerkleinert und zuerst mit Spiritus von 65, dann von 28 Proz. auszieht. Der Spiritus löst die fremden Stoffe und läßt reinen Zuckerkalk zurück, der zum Scheiden von frischem Rübensaft wie gewöhnlicher Kalk benutzt wird. Den Spiritus gewinnt man durch Destillation wieder, und den Rückstand von der Destillation benutzt man als Dünger. Die Ausbeute beträgt etwa 40-41 Teile Z. in Form von Füllmasse auf 100 Teile Melasse mit 50 Proz. Zuckergehalt. Von diesem Elutionsverfahren, welches vielfach modifiziert worden ist, unterscheidet sich das Substitutionsverfahren dadurch, daß bei demselben eine Lösung von Zuckerkalk erzeugt wird. Man verdünnt die Melasse, setzt eine bestimmte Menge gebrannten Kalk zu und erhitzt zum Kochen. Etwa die Hälfte des gebildeten Zuckerkalks scheidet sich aus und kann von der Lösung getrennt werden. In diese bringt man von neuem Melasse und Kalk (substituiert das Ausgeschiedene) und erhält schließlich aus einer gegebenen Menge Melasse vier Fünftel des darin enthaltenen Zuckers in Form von Zuckerkalk. Dieser wird in eine Filterpresse gebracht, ausgewaschen und dann zum Scheiden von Rübensaft benutzt oder durch Kohlensäure zersetzt, wobei man unlöslichen kohlensauren Kalk und eine Zuckerlösung erhält, die man mit Nachprodukten verarbeitet. Bei diesem Verfahren gehen etwa 9-10 Teile Z. auf 100 Teile Melasse verloren, der Rest wird in Form einer Füllmasse gewonnen, die an Reinheit derjenigen aus Rüben entspricht.

Die Darstellung des Zuckers aus dem Zuckerrohr entspricht ganz dem Verfahren, welches bei der Rübenzuckerfabrikation angewandt wird; sie bietet weniger Schwierigkeiten, weil der Saft reiner ist, erfordert aber große Vorsichtsmaßregeln, weil bei der hohen Temperatur der Tropen der Saft sehr leicht verdirbt. Das frisch geschnittene Rohr wird zwischen Walzen ausgepreßt (die Preßrückstände, Bagasse, dienen als Feuerungsmaterial) und der Saft mit-^[folgende Seite]