Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Abrasion; Abrus; Absalon; Abscesse; Abstractum; Abt; Abu; Abwässer

3

Abrasion - Abwässer

nere Fremdkörper, Sand- und Erdteilchen, dagegen schmelzen ins Eis hinein und befördern die Abschmelzung. Im Sommer ist die Abnahme des Gletschervolumens durch A. größer als die Zufuhr von neuem Eis aus den höhern Teilen, im Winter ist das Verhältnis ein umgekehrtes trotz der langsamern Bewegung des Gletschers.

Abrasion * (lat., "Abschabung"), die abtragende Thätigkeit, welche das Meer vermöge der Brandungswelle auf das Festland an der Küste ausübt. Die mechanische Wirkung der Brandungswoge auf die Gestaltung der Meeresküste ist von verschiedenen Umständen abhängig und richtet sich 1) nach der Höhe und Stärke der Wellen, welche durch herrschende Windrichtung und Windstärke bedingt werden, nach dem Abstand zwischen Ebbe und Flut und dem etwanigen Vorhandensein von Eisschollen; 2) nach der vertikalen und horizontalen Gliederung der Küste, der Zusammensetzung, Lagerung und Festigkeit des Gesteins. Das Meer wirkt zernagend in dem ganzen Raum, an welchem es brandet, mit den Gezeiten verschiebt sich aber die Angriffslinie der Brandungswelle innerhalb gewisser Grenzen, welche nach unten bis unter das Niveau von Niedrigwasser reichen, nach oben über die gewöhnliche Fluthöhe hinausgehen, weil beim Zusammentreffen von Sturm und Hochwasser das Meer noch in größern Höhen anbrandet. Im stärksten Maß geht die Zerstörung zwischen der halben Fluthöhe und der obern Brandungsgrenze vor sich. In höhern Breiten treten Eisschollen als sekundäres Agens der zerstörenden Wirkung der Meereswellen hinzu. An Flachküsten geht der größere Teil der lebendigen Kraft der Welle durch Reibung an der Strandoberfläche verloren, am größten ist ihre Wirkung, wenn sich eine steile oder senkrechte Felswand weichen oder stark zerklüfteten Gesteins dem Angriff darbietet. Im letztern Fall bildet sich durch die Ausnagung des Wassers an gezeitenlosen Küsten in der Höhe des Meeresniveaus eine Hohlkehle, welche gegen das Land einspringt. An Küsten, welche dem Wechsel der Gezeiten ausgesetzt sind, ist die Angriffsfläche nach oben und nach unten ausgedehnter. Durch die Unterhöhlung verlieren die höhern überragenden Felsmassen ihre Stütze und brechen ab. Die auf den Boden der Hohlkehle niederfallenden Felsblöcke werden durch die Brandung zerkleinert, zu Sand zerrieben und durch den rückfließenden Unterstrom der Welle ins Meer geführt. So schafft sich die Brandung durch A. auf der Felsunterlage einen sanft gegen das Land ansteigenden Strand, der mit dem abradierten Detritus, Sand und Kies bedeckt ist. Je länger dieser Prozeß andauert, und je weiter die Strandterrasse landwärts sich vorschiebt, desto mehr wird die Kraft der Brandungswelle durch Reibung verbraucht. Erfolgt keine Veränderung in dem gegenseitigen Niveau von Meeresspiegel und Land, so tritt ein stationärer Zustand ein, jede Verschiebung aber im Stand von Land und Meer bietet der Abrasionswelle neue Angriffspunkte. Senkt sich der Meeresspiegel gleichmäßig (negative Strandlinienschiebung), so wird mit dem Aufsteigen der Küste der soeben gebildete Brandungsstrand wieder modifiziert werden; nur bei ungleichförmigem, von Ruhepausen unterbrochenem Sinken können Strandterrassen und -Linien entstehen, die bei fortgesetzter Erniedrigung des Meeresniveaus als gehobene erscheinen. Eingreifender sind die Veränderungen bei positiver Verschiebung der Strandlinie, wenn der Meeresspiegel im Verhältnis zum Land ansteigt. Die Strandfläche erweitert sich in diesem Falle landeinwärts entweder ebenmäßig oder in Stufen. Dabei bildet sich eine sanft ansteigende Felsfläche, die Abrasionsfläche. Nach der Ansicht F. v. Richthofens sollen auf diese Weise ganze Gebirge weggehobelt worden sein. Meistens wird die Fläche durch die von der Brandung zerkleinerten Abrasionstrümmer bedeckt sein, die sich während der Transgression des Meers als Sedimente auf dem Boden ablagerten. Vgl. Boguslawski-Krümmel, Handbuch der Ozeanographie, Bd. 2 (Stuttg. 1887).

Abrus L. (Paternostererbse). In dem wässerigen Auszug der Samen von A. precatorius L., der in der Augenheilkunde benutzt wird, entdeckte Sattler einen Bacillus, welcher später auch in der durch das Mittel hervorgerufenen Eiterung nachzuweisen ist und als wirksamer Bestandteil der Samen angesehen wurde. Letztere werden in Indien nach dem Einweichen geschält, in dem Milchsaft von Calotropis gigantea geweicht und zu Brei gestoßen. Aus diesem Brei formt man Nadeln, welche, durch die Haut eines Menschen oder eines Tiers gestoßen, in wenigen Tagen den Tod desselben herbeiführen. Waddell hat nun durch Reinkulturen des Bacillus nachgewiesen, daß dieser unwirksam ist, und Martin fand in den Samen als wirksame Stoffe zwei Eiweißkörper, welche sehr ähnlich wie Schlangengift, nur schwächer, auf den Organismus wirken und beim Erhitzen auf 75-80° unwirksam werden. Wie nach dem Schlangenbiß, bleibt das Blut nach Vergiftung mit Abrussamen flüssig.

Absalon *, Bischof, s. Axel (Bd. 2).

Abscesse werden hervorgerufen durch niedere Organismen (Bakterien), welche auf irgend eine häufig nicht mehr nachweisbare Art in den betreffenden oder einen andern Körperteil eingedrungen sind und sich daselbst vermehren. Nicht alle Bakterien sind hierzu im stande, sondern nur ganz wenige bestimmt charakterisierte Arten. Da sich diese aber auch außerhalb des Körpers sogar in trocknem Zustand in mit Eiter beschmutzten Verbandstücken, an Wäsche, auch an den Fingern nicht peinlich reinlicher Kranker oder Pflegender eine gewisse Zeit entwickelungsfähig halten, d. h. wieder A. erzeugen können, sobald sie auf eine der schützenden obersten Decke der äußern Haut beraubte Stelle gelangen, so erklärt sich die verhältnismäßige Häufigkeit der Erkrankung an kleinern und größern Abscessen.

Abstractum *, eine Arzneiform der Vereinigten Staaten, welche durch Extrahieren gewisser Vegetabilien mit reinem oder angesäuertem Alkohol und Eintrocknen des Auszugs mit so viel Milchzucker gewonnen wird, daß 1 Teil des fein gepulverten Rückstandes das Lösliche aus 2 Teilen der angewandten Pflanzensubstanz enthält. Die Abstracta besitzen also die doppelte Stärke der entsprechenden Fluidextrakte.

Abt, Franz, Liederkomponist, starb 31. März 1885 in Wiesbaden.

Abu *, isolierter Berg am Südende der Ariwalikette im britisch-ind. Tributärstaat Sirohi (Radschputana), 12-1500 m ü. M., seit uralter Zeit ein heiliger Wallfahrtsort der Hindu, jetzt einer der fünf heiligsten Orte der Dschaina, deren prächtige Tempel die große Ebene auf seinem Gipfel bedecken. Die Engländer haben hier eine Sommerkolonie für den britischen Agenten für Radschputana mit seinen Beamten, 200 Soldaten und britische Sommerfrischler angelegt. Die Bevölkerung erreicht dann zuweilen 4500 Seelen, sinkt aber in der kalten Jahreszeit auf sehr wenige herab.

Abwässer (Stadtlauge). Die aus Haushaltungen stammenden A. (Hauswässer) besitzen, sobald das von Straßen und Plätzen abfließende Meteorwasser mit