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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Börne - Bosnien

studierte Bergwissenschaft, übernahm aber nach abgelegtem Bergassessorexamen die Verwaltung des Familiengutes Berneuchen und widmete sich dort seit 1870 mit großem Erfolg der Fischzucht. Er schrieb: »Taschenbuch der Angelfischerei« (2. Aufl., Berl. 1882), »Die Fischzucht« (3. Aufl., das. 1885); »Illustriertes Handbuch der Angelfischerei« (das. 1875); »Wegweiser für Angler durch Deutschland, Österreich und die Schweiz« (das. 1877); »Fischerei und Fischzucht im Harz« (das. 1883); »Die Fischereiverhältnisse des Deutschen Reichs, Österreich-Ungarns, der Schweiz und Luxemburgs« (das. 1882); »Handbuch der Fischzucht und Fischerei« (mit Benecke und Dallmer, das.

1886); »Der Schwarzbarsch und Forellenbarsch« (Wien 1887). Auch lieferte er im amtlichen Bericht über die Fischerei-Ausstellung in Berlin 1880-81 mit Haack und Michaelis den ersten Band über Fischzucht.

BÖrne, Ludwig. Vgl. Lauser, L. B., eine Studie (Wien 1886); Alberti, Ludwig B., eine Studie (Leipz. 1886); Holzmann, L. B., sein Leben und sein Wirken (Berl. 1888).

Borneo. Die an der Nordostküste dieser Insel gelegenen Gebiete des Sultanats Brunei, des Staats Sarawak und der Britischen Nordborneogesellschaft wurden 1888 unter direkte Schuhherrschaft Englands gestellt, womit dasselbe seinen Kolonialbesitz um 220,000 qkm (3995 QM.) mit 600,000 Einw. vermehrte. Die Bevölkerung wächst jetzt schnell durch den Zuzug von Chinesen (Hakkas) als Arbeiter für Tabakspflanzungen der Nordborneogesellschaft. Dieselbe hat einen ganz außerordentlichen Aufschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse ihres Gebiets erzielt. In dem Zeitraum von 1883 bis 1888 stiegen die Einnahmen ohne die aus Landverläufen von 70,738 auf 157,683 Dollar, die Ausgaben ohne diejenigen für öffentliche Arbeiten fielen von 278,863 auf 159,672 Doll., die Einfuhr stieg von 428,919 auf 1.050,000, die Ausfuhr von 159,127 auf 600,000 Doll. Die Häfen sind Sudat und Sandakan, letzterer ausgezeichnet gelegen für den Handel mit den Philippinen, Celebes und Neuguinea. Die wichtigsten Ausfuhrartikel von Sarawak sind Sago und Guttapercha; die Ausfuhr betrug 1888: 1,85 Mill. Mk., die Einfuhr 1,88, Mill.Mk. Vgl. Posewitz, B., Entdeckungsreisen und Untersuchungen (Berl. 1889).

Borodin, Alexander, russ. Komponist, starb 27. Febr. 1887 in St. Petersburg.

Borsäure hinterläßt Verunreinigungen, wenn man sie mit 90proz. Alkohol behandelt. Ammoniak erkennt man durch den Geruch beim Erhitzen der B. mit Natronlauge und durch die Blaufärbung von rotem Lackmuspapier, welches man über die Flüssigkeit hält. Organische Substanzen verursachen beim Erhitzen des Präparats Schwärzung und brenzligen Geruch

Borsigwerk, s Biskupitz (Bd. 2).

Bort, (1886) 2823 Einw.

Bosboom, Gertrude, geborne Toussaint, niederländ. Romanschriftstellerin, starb im April 1886 im Haag. Die Gesamtausgabe ihrer Werke erschien bis 1888 vollständig in 25 Bänden.

Bösendorfer, Ignaz, Pianofortebauer, geb. 28. Juli 1796 zu Wien, gründete daselbst 1828 eine Fabrik, die sich in der Folge zur bedeutendsten in Österreich erweiterte und seit dem Tode des Begründers (14. April 1859) von dessen Sohn Ludwig (geb. 1835) fortgeführt wird. Letzterer eröffnete 1872 auch einen in der Virtuosenwelt bekannten Konzertsaal und ist Direktionsmitglied des Konservatoriums für Musik in Wien.

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Bosnien. Nach dem Ergebnis der neuesten Volkszählung vom 1. Mai 1885 hatte das gesamte Okkupationsgebiet Bosniens und der Herzegowina ein Areal von 51,110 qkm (928 QM.) mit 1,336,091 Einw. (gegen 1,158,452 im J. 1879), wovon 705,025 auf das männliche und 631,066 auf das weibliche Geschlecht entfallen. Diese Bevölkerungszahl verteilt sich folgendermaßen auf die sechs Kreise:

I. Kreis: Sarajevo 166651 Einw.

II. Kreis: Banjaluka 265456 Einw.

III. Kreis: Bihač 158224 Einw.

IV. Kreis: Travnik 218172 Einw.

V. Kreis: Tolnja-Tuzla 313746 Einw.

VI. Kreis: Mostar 187574 Einw.

Hierzu die Hauptstadt Sarajevo 26268 Einw.

Die Hauptstädte der fünf letztgenannten Kreise hatten an Einwohnern: Banjaluka 11,367, Bihač 3506, Travnik 5933, Dolnja-Tuzla 7189, Mostar 12,655. Dem Religionsbekenntnis nach zählte man: 492,710 (36,9 Proz.) Mohammedaner, 571,250 (42,7 Proz.) Orientalisch-Orthodoxe, 265,768 (19,9 Proz.) Katholiken, 5805 (0,4 Proz.) Israeliten und 538 Andersgläubige. Die Orthodoxen wohnen meist im N. sowie an der serbischen und montenegrinischen Grenze, wogegen die Mohammedaner in der Mitte des Landes und im (Grenzgebiet gegen Novipasar und Kroatien zu finden sind. Die Katholiken überwiegen bloß in den an Dalmatien und Slawonien angrenzenden Orten. Von der Gesamtbevölkerung waren 2271 Geistliche, 1239 Staats- und 347 Gemeindebeamte, 498 Lehrer, 88 Sanitätspersonen, 8162 Gutsbesitzer (Begs und Agas), 117,466 freie Bauern, 197,833 Kmeten (Pachter), 7610 Haus- und Rentenbesitzer, 15,454 Fabrikanten, Handels- und Gewerbtreibende und 34,238 Hilfsarbeiter, Tagelöhner und Diener. Von den bestehenden 215,429 Gebäuden waren 309 Kasernen, 13 orthodoxe, 31 katholische und 16 mohammedanische Klöster (Tekkes), ferner 285 orthodoxe und 144 katholische Kirchen, 929 Moscheen, 16 Synagogen, ferner 93 Sägemühlen, 87 Fabriken, 9 Bierbrauereien, 2900 Brennereien und 10,490 Fruchtmühlen. Überdies zählte man 165 Kalköfen, 41 Ziegelbrennereien, 146 Steinbrüche, 61 Metallgruben, 34 Kohlenwerke, 3 Salz-, 17 warme und 23 Heilquellen und 38 Säuerlinge. Die Weinkultur war in 28 Bezirken vertreten. Die Zahl der Volksschulen hat sich im Zeitraum 1879 bis 1885 von 684 auf 943 vermehrt; ferner bestehen ein Obergymnasium, ein Hilfslehrerseminar, 4 Handelsschulen, ein katholisches Seminar und ein orientalisch-orthodoxes Seminar.

Außer den schon 1882 bestehenden beiden Bahnen, der k. k. Militärbahn (Doberlin-Banjaluka) und der k. k. Bosnabahn (Brod Zenica-Sarajevo), wurden in letzter Zeit folgende Linien der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnen, und zwar: 1) die Industriebahn Doboj-Siminhan (67 km) und 2) die Linien Metkovic-Mostar-Rama (109 km), dem öffentlichen Verkehr übergeben. Erstere durchschneidet die fruchtbaren und industriellen Thäler der Sprecsa und Jata bis zu den Salinenwerken von Siminhan, welches den Straßenknotenpunkt nach Zvornik und Brečka bildet, und soll für die Erzeugnisse dieses Landstrichs wie auch für die Kohlenwerke an der Kreta und bei Dolnja-Tuzla und die mächtigen Forsten des Ozrengebirges den Verkehr vermitteln. Die letztere Bahnlinie wird bis Sarajevo ausgebaut und ist sonach bestimmt, die Verbindung zwischen dem Adriatischen Meer und der Bosnabahn herzustellen. Für 1889 waren die Einnahmen des Landes auf 9,160,500 Gulden, die Ausgaben auf 9,017,502 Guld. veranschlagt.