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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Breidenstein - Bremse

Breidenstein, (1885) 431 Einw.

Breier, Eduard, Romanschriftsteller, starb 3. Juni 1886 in Zaiwitz bei Znaim.

Breisach, (1885) 3059 Einw.

Breitbach, Karl, Maler, geb. 1833 zu Berlin, bildete sich auf der dortigen Akademie und 1862-1863 bei Couture in Paris sowie auf Studienreisen durch Frankreich, England und Deutschland. Nach Berlin zurückgekehrt, malte er anfangs vorzugsweise Landschaften nach Motiven aus der Mark Brandenburg, Westfalen, den Deutschen Alpen und der Umgegend von Paris, widmete sich daneben aber auch der Bildnismalerei. Indem er seine Landschaften allmählich immer reicher mit Figuren belebte, gewann er auch Neigung für die Genremalerei, welche ihn veranlaßte, noch in reifern Jahren Atelierunterricht bei Knaus zu nehmen. Von seinen Landschaften sind die alte Mühle von St.-Ouen bei Paris, der Park von Trianon, der Sonnenaufgang im bayrischen Hochland, die Holzauktion in Westfalen, die Kartoffelernte und Herbstabend im Weserthal, von seinen Genrebildern Kirmeslust und Kirmesleid, badende Dorfkinder, Korallenmädchen auf Capri und Beim Dorfschuster hervorzuheben. Unter seinen Bildnissen ist das des frühern Generalintendanten der königlichen Theater in Berlin, v. Hülsen, das hervorragendste. Er hat auch Architekturstücke und Interieurs gemalt. B. besitzt die kleine goldene Medaille der Berliner Kunstausstellung.

Breithaupt, 2) Georg August V., Mechaniker, starb 14. Febr. 1888 in Kassel.

4) Wilhelm, Ritter von, Militär, starb 26. März 1889 in Kassel.

Bremen. Die Zahl der Einwohner des Gebiets der freien Hansestadt B. beträgt (1885) 165,628 Seelen (648 auf 1 qkm), davon kommen 111,940 auf die Stadt B., 13,743 auf die Stadt Bremerhaven, 3724 auf die Stadt Vegesack. Von der Bevölkerung waren 116,402 Staatsangehörige, 47,218 Angehörige andrer Bundesländer und 2008 Reichsausländer; 157,944 waren Evangelische, 6196 Katholiken, 2505 andre Christen und 16,848 Juden. Im J. 1888 hatte die Wareneinfuhr einen Wert von 552,231,968 Mk., die Warenausfuhr von 517,285 390 Mk., dazu edle Metalle 59,989,368 Mk. in der Durchfuhr; davon wurden seewärts eingeführt für 414,7 Mill., ausgeführt für 243,9 Mill. Mk., land- und flußwärts eingeführt für 198,2 Mill., ausgeführt für 333,3 Mill. Mk. Nach Warengattungen bezifferte sich der Wert (in Mark) von

Einfuhr Ausfuhr

Verzehrungsgegenständen 174434471 165582806

Rohstoffen 233576653 226026673

Halbfabrikaten 18233683 15471496

Manufakturwaren 59398056 53493486

andern Industrieerzeugnissen 67289142 56710929

An der Einfuhr waren besonders beteiligt die Vereinigten Staaten von Nordamerika (199 Mill. Mk.), das deutsche Zollgebiet (178,8 Mill.), Südamerika (42,a Mill.), Großbritannien (34,9 Mill.), Britisch-Ostindien (29.4 Mill.), Hamburg (27,8 Mill, Mk.); an der Ausfuhr das deutsche Zollgebiet (306 Mill. Mk.), die Vereinigten Staaten von Nordamerika(92,8 Mill.), Hamburg (30 Mill.), Österreich (29 Mill.), Großbritannien (23 Mill.), das europäische Rußand (13 Mill. Mk.). Zur See liefen 1888 ein 2665 Schiffe von 1,477,499 Ton., davon 1072 Dampfer von 1.177,052 T.; es gingen ab 2911 Schiffe von 1,474,679 T., davon 1069 Dampfer von 1,172,579 T. Von den ankommenden Schiffen liefen die meisten (1208 von 1,056,163 T.) in Bremerhaven ein, nur 910 von

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113,247 T. gingen die Unterweser bis B. hinauf. Der Warenverkehr auf der Oberweser umfaßte 1136 beladene Fahrzeuge von 172,440 T. Die Weserhandelsflotte belief sich Ende 1888 auf 520 Schiffe von 436,776 T., davon gehörten nach B. 341 Schiffe von 325,522 T. Der Bremer Lloyd besaß 1888: 133 Fahrzeuge (darunter 36 große transatlantische Dampfer) von 156,061 T. Auf seinen Linien nach New York, Baltimore, Südamerika, Ostasien und Australien wurden 1888 befördert: 161.364 Personen und 264,171 cbm Güter. Die Dampfergesellschaften Hansa und Neptun besaßen jede 16 Dampfer. Der Staatshaushalt ergab für 1888/89 in der Einnahme 13,554,813 Mk., in der Ausgabe 24,796.690 Mk., darunter 12,369,370 Mk. außergewöhnliche Ausgaben. Die Staatsschuld, zu 4 Proz. umgerechnet, betrug 1. April 1889: 62,373,225 Mk. (davon für Eisenbahnen 7,007,775 Mk., für Hafenbauten u. dgl. 36,096,675 Mk.

Bremerhaven, (1885) 14,900 Einw.

Bremervörde, (1885) 3111 Einw.

Bremgarten, (1886) 1874 Einw.

Bremse. Die Frage der Bremsung der Eisenbahnfahrzeuge ist noch immer Gegenstand lebhafter Erörterungen. In Preußen sollen alle Personenzüge, welche mit einer Geschwindigkeit von 60 km und mehr in der Stunde fahren, mit einer durchgehenden B. ausgerüstet sein. Die Beschränkung der Anwendung kontinuierlicher (durchgehender) Bremsen auf schnell

fahrende Züge wird sich jedoch als unzweckmäßig herausstellen, die Trennung des Fahrparks, die Einteilung des Dienstes wird hierdurch so erschwert, die Anzahl der notwendigen Reserven so vermehrt, daß es im betriebstechnischen und ökonomischen Interesse unausbleiblich sein wird, mit der Zeit zunächst die sämtlichen Personenzüge mit den durchgehenden Bremsen zu versehen. Dies hat sich schon jetzt bei den preußischen Staatsbahnen für die Hauptlinien als notwendig und zweckmäßig herausgestellt. Ebenso wird auch die stets wachsende Erkenntnis von der Wichtigkeit der durchgehenden Bremsen für die Betriebssicherheit und in geringerm Maß die Erzielung von Betriebsersparnissen durch Verringerung des Zugpersonals auf die weitere Einführung drängen. Betreffs des Bremssystems nähert man sich allgemein der Ansicht, daß für den großen Personenverkehr auf den Hauptbahnen nur die selbstthätigen Bremsen geeignet seien, während die nicht selbstthätigen beim Lokalverkehr vorzuziehen seien. In Preußen ist nach sorgfältiger Prüfung für den Hauptverkehr die Carpenterbremse eingeführt, welche bisher den an sie gestellten Erwartungen vollkommen genügt hat. Dieselbe ist eine selbstthätige Luftdruckbremse und besteht aus einer auf der Lokomotive angebrachten Kompressionspumpe von besonderer Konstruktion, einem Preßluftbehälter, einer unter dem ganzen Zug hingehenden Rohrleitung und den an den einzelnen Wagen angebrachten, die Bremshebel bewegenden eigentlichen Bremsapparaten. Die Kompressionspumpe gehört zu dem Typus der direkt wirkenden Dampfpumpen ohne Rotation, wird durch Dampf aus dem Lokomotivkessel betrieben und erzeugt in dem Luftbehälter einen Druck von 6-7 Atmosphären. Die Luft tritt, nachdem ihr Druck durch ein Reduktionsventil auf 4 Atmosphären verringert ist, in die Luftleitung ein und erfüllt während der Fahrt sowohl diese als auch die Bremsapparate. Die Luftleitung besteht aus unter den Wagen liegenden Rohren, welche durch Gummischläuche miteinander verkuppelt sind. Am letzten Wagen wird das Ende der Leitung durch einen Hahn geschlossen. Sobald nun der Lokomotivführer