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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bryce - Buchbinder

eine Reihe von Bildern, in welchen sich mit der glücklichen Wahl des Motivs und der bisweilen dramatisch zugespitzten Situation eine große Mannigfaltigkeit und Tiefe der Charakteristik und eine sich stetig zu größerer Virtuosität entwickelnde Kraft der malerischen Darstellung vereinigen. Diese Vorzüge zeigen sich besonders in den figurenreichen Bildern: verurteilt (in der Kunsthalle zu Hamburg), freigesprochen, ebenfalls eine dramatische Gerichtsszene, der Bauernprotest, schwere Wahl und an der Börse (1888). Er besitzt eine zweite Medaille der Münchener Kunstausstellung.

Bryce (spr. breis), James, engl. Historiker, geb. 10. Mai 1838 zu Belfast in Irland, studierte zu Oxford und London Rechtswissenschaft (kurze Zeit auch in Heidelberg), wurde Rechtsanwalt, später Professor des römischen Rechts in London und Prüfungskommissar an der Londoner Universität, 1870 Professor des Zivilrechts in Oxford. 1880 ward er für London, 1885 für Aberdeen ins Parlament gewählt. In demselben Jahr wurde er von Gladstone als Unterstaatssekretär ins Auswärtige Amt berufen und hatte als solcher die Homerule-Bill im Parlament zu verteidigen. Bemerkenswert ist außerdem namentlich seine Thätigkeit für Abschaffung der religiösen Eide in den ältern englischen Universitäten. B. unternahm größere Reisen, so nach Island, nach dem Kaukasus und Armenien (beschrieben in »Trancucasia and Ararat«, (3. Aufl. 1878) sowie nach Amerika. Außerdem schrieb er: »The holy Roman Empire« (1864, 8. Aufl. 1888; deutsch, Leipz. 1873), sein Hauptwerk: »Manitoba, its infancy, growth and present condition« (1882); »American commonwealth« (1888, 3 Bde.) u. a.

Bublitz, (1885), 4660 Einw.

Buchau, 1) Württemberg, (1885) 2295 Einw.

Buchbinden. Kein Gewerbe hat in letzterer Zeit durch Einführung von Arbeitsmaschinen solche Umwandlung erfahren wie die Buchbinderei. Das Falzen und Broschieren erfolgt gleichzeitig auf einer Maschine von folgender Einrichtung, über einem Tisch (Anlegetisch) schwebt ein horizontales, auf- und abgehendes erstes Falzmesser, welches den nach den Punkturen angelegten Bogen in der Mitte faßt und durch einen Schlitz in dem Tisch hindurchschiebt, um den ersten Bruch zu bilden. Unter dem Tisch wird der Bogen von dem zweiten Falzmesser durch einen vertikalen Schlitz mit dem zweiten Bruch und dann durch ein drittes Messer mit dem dritten Bruch versehen, nachdem vor dem dritten Brechen an der Bruchlinie zwei Hakennadeln das Papier durchstochen und einen von einer Rolle sich abwickelnden Faden durchgezogen haben, der von einer Schere abgeschnitten und mit den Enden sauber verklebt wird. Das letzte Falzmesser schiebt den gehefteten Bogen in ein horizontales Walzenpaar, welches denselben glättet und abliefert. Um auf dieser Maschine Bücher zu heften, erhält jeder Bogen vor dem Vernähen durch Stanzen drei sogen. Sägelöcher, welche zum Durchziehen von drei Bindfäden dienen, die im Verein mit einer sorgfältigen Rückenleimung das Buch zusammenhalten, das außerdem noch durch ein Walzwerk gepreßt und satiniert wird. In einzelnen Fällen erfolgt das Heften dünner Bücher mittels einer stark gebauten Nähmaschine. Die größte Anwendung jedoch hat die Heftmaschine gefunden, welche 1873 von Brehmer zunächst nur zum Heften mit ^[img] - förmigen Klammern konstruiert war, indem sie diese durchschlug und in die ^[img]-Form umbog und zwar entweder quer durch 8 mm dicke Schichten oder durch jeden Bogen und

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ein lockeres Gewebe, das durch Anleimen an den Rücken die Bogen zusammenhält; darauf wurde sie so eingerichtet, daß sie die Klammern aus einem zugeführten Draht unmittelbar vor dem Durchschlagen selbst anfertigte; in neuester Zeit jedoch erfuhr sie eine Umänderung, in welcher sie das Heften statt mit Klammern mit Nähfaden verrichtet. Zu dem Zweck ist erforderlich, daß der Faden jeden Bogen durchheftet und ohne Unterbrechung von dem einen zum andern Bogen über- und um die Bünde herumläuft. Um dieses zu bewerkstelligen, arbeitet die höchst sinnreichkonstruierte Maschine folgendermaßen. Nach dem der zu heftende Bogen (Lage) über den Heftsattel gelegt ist, stoßen von außen her drei Nähmaschinennadeln mit den eingefädelten, von Rollen laufenden Nähfäden neben den Bünden oder Bändern durch und bilden innerhalb des Falzes Schleifen. Durch diese drei Schleifen bewegt sich sodann ein Schiffchen wie bei einer Nähmaschine. Nachdem das Schiffchen die Schleifen passiert hat, gehen die Nadeln wieder in die Höhe und ziehen die Faden fest. Beim Anheften des nächsten Bogens machen die Nadeln eine Seitenverschiebung und stechen dadurch auf der untern Seite der Bünde ein, wodurch das Umheften der letztern bewirkt wird. Der einzige Übelstand dieser Heftmethode liegt darin, daß für die Umkehrung des Schiffchenfadens von einem Bogen zum andern jeder Bogen an beiden Enden des Falzes vermittelst zweier Messerchen aufgeschnitten werden muß, wodurch beim Rückenleimen leicht ein Eindringen des Leims nach innen stattfindet. Im übrigen steht die Haltbarkeit, dieser Maschinenarbeit der Handarbeit nicht nach.

Zum Beschneiden der Bücher bedient man sich in großen Buchbindereien nunmehr vielfach solcher Beschneidmaschinen, welche ohne Umspannen das Buch an drei Seiten beschneiden, indem der Tisch, auf dem das Buch eingepreßt ist, sich drehen läßt. Auch die alte Art des Marmorierens durch Aufspritzen wurde zum Teil durch Anwendung von Kautschukwalzen verdrängt, auf welche das Marmormuster aufgegossen ist, und welche durch eine Walze von Flanell mit Farbe versehen werden. Selbst das Auftragen des Leims auf die Deckel und Überzüge erfolgt oft durch eine sogen. Beschmiermaschine, welche aus drei übereinander liegenden Walzen 1, 2, 3 besteht, wovon 3 sich in einem Leimtrog befindet und Leim an 2 abgibt, während die Pappe zwischen 1 und 2 durchgeht und einseitig geleimt wird. Zum Anreiben der Überzüge dient ebenfalls ein Walzenpaar (Einreibmaschine). Endlich ist noch hervorzuheben, daß die Buchbinderei auch in kunstgewerblicher Beziehung sich bedeutend ausgebildet hat. Vgl. hierüber Maul, Deutsche Bucheinbände der Neuzeit (Leipz. 1889); ferner Adam, Der Bucheinband (das. 1889).

Buchbinder, Simon, Maler, geb. 1856 zu Radzyn in Russisch-Polen als Sohn armer jüdischer Eltern, erlernte verschiedene Handwerke, zuletzt die Buchbinderei, von der er seinen Namen annahm, und wurde später durch den Bildnismaler Stanislaus Heymann in Warschau in der Kunst unterrichtet. Dort besuchte er auch die Zeichenakademie, floh aber, um dem Militärdienst zu entgehen, im 20. Jahr nach Wien. Da er wegen angeblicher Talentlosigkeit an der Akademie keine Förderung fand, ging er nach Krakau, wo sich unter Matejlos Leitung seine künstlerische Begabung schnell entfaltete. Nachdem er 1883 nach München übergesiedelt war, malte er dort Kostümbilder von kleinem Format, welche sich durch miniaturenartige Feinheit der Behandlung und durch glänzende Stoffmalerei auszeichnen. Eine schwierige