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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Cabanel - Calm

den ältesten Vorstellungen des russischen Volkes, die Standesunterschiede, gesellschaftliche Gliederungen nicht kennen. In späterer Zeit mögen dann jene Lieder entstanden sein, in denen der Bauernsohn von dem Großfürsten und seiner Umgebung auch schlecht behandelt, bei der Tafel untenangesetzt, als Lügner angesprochen wird, Lieder, welche die zum Schlimmern gewendete Lage des Volkes widerspiegeln. Die Volksphantasie schwelgte in der ganzen Sage von Ilja wie im Wohlthun, in gewaltiger Thatkraft, so auch in unendlichem Wohlleben (vgl. Stern, Geschichte der Weltlitteratur). Die Helden, welche außer Ilja dem Kiewschen Cyklus angehören: Dobrynja Nikititsch, Aljoscha Popowitsch, bilden eine Art Tafelrunde, die freilich mit jener der Artussage oder mit den Paladinen der karolingischen Sage nicht verglichen werden darf. Vgl. W. Wollner, Untersuchungen über die Volksepik der Gronrussen (Leipz. 1879), O. Miller, Die russischen Lieder von Ilja Muromec (in Herrigs »Archiv der neuern Sprachen«, Bd. 23); W. Biström. Das russische Volksepos in der »Zeitschrift für Völkerpsychologieô«, Bd. 5).

C.

Attikel, die unter C verlmißt werden, sind unter K odr Z nachzuschlagen.

Cabanel, Alexandre, franz. Maler, starb 23. Jan. 1889 in Paris.

Cabral, 2) Marquis de Thomas, portug. Staatsmann, starb 1. Sept. 1889 in San Juan de Flor.

Cáceres, Andres Avelino, Präsident von Peru, geb. 12. April 1831 zu Huanta, studierte in Lima die Rechte und schloß sich 1852 dem Aufstand Canillas an, der ihn zum Kapitän und Militärattaché in Paris ernannte, wo er 1857-60 blieb. Nach seiner Rückkehr ward er Adjutant Prados während des Kriegs mit Spanien 1866 und erhielt als Oberst den Oberbefehl über ein Regiment, mit dem er 1876-78 Pierola bekämpfte. Im Krieg mit Chile nahm er mit Auszeichnung an den Schlachten von Dolores und Tacna teil, erhielt von Pierola eine Division, mit der er 14. Jan. 1881 bei Lima von den Chilenen besiegt wurde, zog sich darauf nach Arequipa zurück und setzte den Kampf gegen die Chilenen und den von ihnen begünstigten General Iglesias fort. Obwohl er zwei Niederlagen erlitt, zog er endlich im März 1885 doch siegreich in Lima ein, ward im Dezember d. J. zum Präsidenten gewählt und trat im Juli 1886 sein Amt an.

Caconda, Stadt in Portugiesisch-Westafrika, 420km nordöstlich von Benguela, Hauptort eines Kreises, links am Catapi, einem Nebenfluß des obern Cunene, in außerordentlich gesunder und schöner Lage und daher von den Portugiesen als Gesundheitsstation benutzt, mit einem Fort und Faktoreien für den Handelsverkehr nach dem Südosten. Die Stadt wurde 1685 gegründet an Stelle einer etwas nördlicher gelegenen, durch die Dschagga zerstörten.

Cadillac, (1886) 2208 Einw.

Cadoudal, Georges. Vgl. die Schrift seines Neffen Georges de C.: »Georges de C. et la chouannie« (Par. 1887).

Caen, (1886) 42,041 Einw.

Cahors, (1886) 14,196 Einw.

Caille, René, franz. Reisender. Eine Biographie schrieb Goepp (Par. 1885).

Cairoli, Benedetto, ital. Staatsmann, starb 8. Aug. 1889 in der königlichen Villa Capo di Monte bei Neapel; er ward auf königliche Kosten 12. Aug. in Gropvello bei Pavia begraben.

Calais, Seestadt im franz. Departement Pas de Calais, zahlt (1886) mit Einschluß der früher selbständigen Gemeinde St.-Pierre les C. 54,714 Einwohner. Der neue Hafen von C., dessen Einrichtungen nunmehr dem größten Tonnengehalt der Schiffe und dem Warenverkehr aller Art genügen, wurde 3. Juni 1869 eröffnet. Der Eingangskanal in den

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Hafen wird durch zwei parallele, 120 m voneinander entfernte Dämme gebildet. Durch Reservebassins und Schleusen wird das Wasser in diesem Kanal 4 m über dem niedrigsten Wasserstand des Meers gehalten. Der Hafen umfaßt einen westlichen und einen östlichen Vorhafen (mit 7,8, bez. 6,6 Hektar Fläche und 1325, bez. 820 m Kailänge) und den neuen nördlich gelegenen Marinehafen, in welchem die Dampfboote von Dover zu jeder Tageszeit ein- und ausfahren können. Der südliche Kai des Vorhafens wird als Ankerplatz für große Handelsschiffe dienen und ist mit Warenschuppen und hydraulischen Kränen versehen. Teile des Hafens sind ferner das infolge geringer Tiefe den Anforderungen der Schiffahrt nicht mehr entsprechende alte Bassin (mit 2,5 Hektar Fläche und 550 m Kailänge) und das neue Bassin (mit 11,86 Hektar Fläche und 190 m Kailänqe), welches durch Schleusen den großen Handelsschiffen zugänglich gemacht wurde und mit Warenschuppen, Eisenbahnverbindung, hydraulischen Kränen und Stapelplätzen für Holz und andre Waren versehen ist. Zwischen beiden Bassins liegt der Binnenhafen (4 Hektar Fläche, 1600 m Kais), welcher gleichfalls durch eine Eisenbahnlinie zugänglich gemacht in und mit dem westlichen Bassin durch den Kanal von C., mit dem östlichen Becken durch zwei Schleusen in Verbindung steht.

Calderon, 1) der Dramatiker. Vgl. Günthner, C. und seine Werke (Freiburg 1888).

2) Don Serafin, span. Dichter. Seine Biographie schrieb der Neffe des Dichters, der Staatsmann Don Antonio Canovas del Castillo (»El Solitario y su tiempo, biografia de D. Serafino Estébanez C.«, Madr. 1883, 3 Bde.).

Calle-Calle, Fluß in der chilen. Provinz Valdivia (in Südamerika). Sein Oberlauf verbindet die Seen Calafquen, Panguipulli und Riñihue, und er mündet als Rio de Valdivia in den Stillen Ozean.

Calotropis, C. gigantea (Oscherstrauch) trägt große, gelbe Früchte vom Ansehen großer Quitten und Zitronen, die beim Anfassen zerplatzen und einen trocknen, staubförmigen Inhalt ausstreuen. Diese Früchte sind die Sodomsäpfel, von welchen schon der jüdische Historiker Josephus im 1. Jahrh. n. Chr. berichtet, daß sie zum warnenden Andenken an die verbrannten Städte Asche enthalten. Vgl. Seetzen, Reisen durch Syrien, Palästina etc. (Berl 1854-55).

Calm, Marie, Schriftstellerin, geb. 3. April 1832 zu Arolsen, verlebte als Erzieherin drei Jahre in England und wandte sich später nach Moskau, bis sie der Tod des Vaters in die Heimat zurückrief.