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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Faß - Fasten
übereinander geleimten Papier- oder Pappschichten hergestellt werden. Sie finden daher ausgedehnte Verwendung zum Aufbewahren und Versenden der mannigfachsten Gegenstände, insbesondere der Droguen, Chemikalien, Farben, Eier :c. Zur Anfertigung derselben werden auf das passende Maß zugeschnittene Papptafeln einzeln oder, für stärkere Fässer, mehrere aufeinander geklebt, rund gebogen und an den abgeschrägten Enden zu einem Rumpf zusammengeleimt, dieser mit Böden aus Holz oder Pappe versehen und durch aufgezogene Reifen aus Eisen oder .holz versteift. Zum Halten der Böden werden entweder an jedem Ende des Rumpfes zwei Reifen im Innern desselben angebracht, oder der Rumpf aus zwei Lagen gebildet, wovon die äußere über die innere um ein Stück vorspringt, welches ausreicht, den Deckel und einen Reifen im Innern aufzunehmen; ein herumgeschlagener, oft kegelig oder winkelig geformter Reifen schützt die Kanten gegen schnelle Zerstörung. Eine erwünschte Ausbauchung erfolgt mit dem fertig hergestellten Rumpf zwischen entsprechend geformten heißen Walzen.
Nach einer andern Fabrikationsart wird endloses Papier von einer Breite gleich der Faßlänge durch einen Trog mit Klebstofflösung hindurch auf eine zylindrische Walze gewickelt und während des Aufwickelns mit einer schweren Druckwalze auf der Wickclwalze zusammengepreßt. Die hierzu dienende Wickelmaschine besteht demgemäß aus einer sich drehenden Walze von dem Durchmesser der Faßweite, einem Trog für den Klebstoff mit Führungswalzen nebst Abstreichleisten und einer Welle zur Aufnahme der Papierrolle mit Vorrichtung zum Spannen des Papiers.
Außerdem ist noch eine Vorrichtung vorhanden, welche nach einer von der Stärke der Faßwand abhängigen Anzahl von Lagen, also Trommeldrehungen, die Maschine selbstthätig ausrückt. Zum bequemen Abnehmen der Papiercylinder von der Trommel wird letztere aus einzelnen Leisten zusammengesetzt, welche sich so aneinander fügen, daß sie sich nach innen auseinander nehmen lassen. Um die auf genannte Weise erzeugten Cylinderfässer bauchig zu gestalten, gelangen sie feucht in eine zweiteilige Form, deren Trennungsfläche mit dem größten Faßkreiso zusammenfällt, und deren Hohlwände mit Dampf zu heizen sind. In die Ausbauchung dieser durch Keile zusammengehaltenen Form wird das F. mit Hilfe eines Kautschuksackes unter dem Druck einer hydraulischen Presse eingepreßt, wobei zur Ersparung von Druckwasser ein Block, den man in den an dem Boden der obern Formhälfte aufgehängten Sack brachte, das Innere des Sackes fast vollständig ausfüllt. Letzterer bleibt so lange unter dem starken Druck in der Form, bis das ausgebauchte F. vollkommen trocken ist, wozu oft eine Zeit von fünf Minuten ausreicht. Der damit fertige Faßrumpf erhält sodann die Kimmen zur Aufnahme der Böden auf einer Maschine, deren wesentlicher Teil aus einer Rolle mit einer stumpfen Stahlscheibe besteht, welche in dem von einem Ringe gehaltenen Fatzrumpf unter kräftigem Druck herumgeführt wird, wobei zugleich zur leichten Einbringung des Bodens durch die Kegelgestalt der Rollen der Rand erweitert wird. Das Einsetzen der Böden und Aufschlagen der Reifen vollenden das F., welches nur noch zum Schutz gegen die Feuchtigkeit einen Anstrich erhält. Für solche Fässer, welche zum Aufbewahren von Flüssigkeiten dienen sollen, ist es erforderlich, die Pappen oder das Papier auf bekannte Weise wasserdicht zu machen. Die Versuche, Papierfässer direkt aus Papierzeug mit Hilfe einer einfachen
Papiermaschine oder besonderer Schöpfformen zu erzeugen, haben bis jetzt keinen Erfolg auszuweisen.
Dahingegen kommen die Maschinen zum Pressen der Faßböden aus runden Papier-oderPappblättern mit umgekrempelten Rändern immer mehr in Aufnahme.
Fasten. Nachdem das F. in den letzten Jahren zu einer Art Kunstleistung und öffentlichen Schaustellung geworden war und der Amerikaner Tanner eine Menge jüngerer Nachfolger in Succi, Mer! latti, Ce Ni u. a. gefunden, hat man die dabei statt-I findenden Veränderungen des Stoffwechsels nach wissenschaftlichen Methoden geprüft und dabei freilich nur die vorauszusehende Thatsache feststellen können, daß ein mehrwöchentliches F. bei regelmäßiger Wasserzufuhr unter sonst guten Lebensverhältnissen angängig ist, aber natürlich nur unter beständiger Abnahme des Körpergewichts, wonach die Nachrichten von jahrelanger Nahrungsenthaltung frommer Büßer beurteilt werden müssen. Der junge Italiener Merlatti dehnte unter Aufsicht eines ärztlichen Komitees in Paris seine Nahrungsenthaltung (1886) bis auf 50 Tage aus, und man konnte dabei feststellen, daß die in den ersten Tagen starke Abnahme des Körpergewichts sich fortdauernd verminderte, wahrscheinlich im'olge der in der erstern Zeit stärkern Ausspülung von Kochsalz, entbehrlichen Gewebsvrodutten und Abfallstoffen aus den Zeiten der reichlichen Ernährung. So betrug der Harnstoff, das Endprodukt der Eiweißzersetzung in den flüssigen Ausscheidungen, beim Beginn des Fastens täglich 26 ^, ^, ging aber nach einigen Wochen auf 4 ^^ herunter, als Zeichen, daß sich der Körperhaushalt bei weitem sparsamer einrichtete. In der ersten Hälfte der Fastenzeit verlor er 4 k^ an Gewicht, während der Norweger Celti, an welchem unter Leitung von Virchow, Senator, Zuntz u. a. im folgenden Jahr (1887) ein Hungerversuch in Berlin angestellt wurde, schon nach elf Tagen (mit denen der Versuch abgebrochen wurde) einen Gewichtsverlust von 6,?5> k^ erlitten hatte. Die Körpertemperatur blieb dabei in der normalen Höhe und stieg nur nach 7-8 Tagen bei vorübergehendem Unwohlsein auf 37,4" C. Merkwürdig war die Zunahme der weißen Blutkörperchen, deren Zahl auf 400,000 auf das Kubikmillimeter stieg, während der Hämoglobingehalt des Bluts abnahm. Ähnliche Ergebnisse lieferten Parallelversuche, die Laborde in Paris an Hunden anstellte. Ein 15,5 kA wiegender Hund, dem man Wasser gab, fastete 40 Tage, ohne an Munterkeit einzubüßen, und verlor dabei in den ersten 20 Tagen 6 k A, in den zweiten 20 Tagen nur noch 2 lij? Körpergewicht.
Für die Diätetik und Gesundheitslehre ergiebiger als diese Feststellungen sind die Versüße, welche der russische Arzt v. Seeland über die Nachwirkung der zeitweisen Nahrungsentziehung auf die Ernährung ausübt. Er beobachtete anfänglich an Tauben und >?iihnern, denen er in bestimmten Pausen einen Fasttag verordnete, und es ergab sich, daß sie trotzdem an Körpergewicht mehr und namentlich an Eiweißstoffen zunahmen als Vergleichstiere, die solchen Hungerkuren nicht unterworfen, sondern regelmäßig gefüttert wurden. Es scheint, daß man dabei an eine bessere Ausnutzung der Nährstoffe nach solchen Unterbrechungen denken muß. Später setzte er diese Versuche an sich selbst fort und behauptet in einen: darüber im Biologischen Zentralblatt« 1887 erstatteten Bericht, daß er nach Einführung eines wöchentlichen 36stündigen Fastens, welches später auf ca. 24 Stan den ermäßigt wurde, nicht nur ein schweres chronisches Nervenleiden überwunden habe, sondern sich