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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Festung und Festungskrieg - Festungsbauschule
Festungen behalten nach wie vor ihren Wert, nnr die Kampfmittel seien, aber auf beiden Seiten, andre, denen man durch Schutzbauten und taktische Maßnahmen Rechnung zu tragen habe. Während die einen (Generalv.Lauer) den abgekürzten Angriff als die wirksamste Form des Angriffs auf Festungen für die der Zukunft halten, wird der förmliche Angriff in systematischer Durchführung nach der Ansicht andrer (General Wiebe) auch künftig die Regel bilden. Unbestritten ist. daß der Schrapnellwurf aus .«Haubitzen (kurzen Kanonen) und Mörsern dazu zwingt, den Geschützbedienungen einen Schutz zu geben, was man durch Schrapnellschirme an der Brustwehr erreicht-, gegen Sprengstücke der Brisanzgeschosse reichen so emfache Mittel nicht aus, dagegen lassen sich gegen die Minenwirwng dieser Geschosse die Gewölbedecken der Vohlbauten in genügender Weise verstärken Zum Schutz der Geschütze mit Bedienung wollen die einen vom Eisenpanzer den aus' gedehntesten Gebrauch machen, während die andern meinen, daß man die Geschoßwirkung überschaue und durch ausgedehnte Anwendung von Panzerbauten, weil sie den Aufstellungswechsel der Geschütze unmöglich machen und den Raum für deren Aufstellung beschränken (abgesehen von ihrer großen Kostspieligkeit), auf die Verteidigung einen lähmenden Druck ausübe. Dennoch finden die Panzerlafetten (s.d., Bd. 17) Schumann. Gruson immer mehr Anerkennung und Verwendung, so in den Maasbefestigungen Belgiens und in Rumänien, und es scheint, daß sie auf das Festungsbauwesen doch von bedeutsamem Einfluß lein werden. Man sagt, daß die heutigen Forts durch ihre Höhenlage die Beobachtung und Beschießung derart begünstigen, daß ihre nachhaltige Verteidigung vom Wall aus unmöglich sei. In Frankreich soll deshalb zufolge Dekrets vom 23. Juli 1887 nahe der deutschen Grenze ein unterirdisches Fort nach den Plänen Mougins zur Ausführung kommen. Sämtliche Geschütze verschiedenen Kalibers stehen paarweise in sieben versenkbaren Panzertürmen, deren Aufstellung im Grundriß die Form einer Lünette bildet. Von dem Rand ihrer schwach gewölbten Pan^erkuppeln verläuft die Bodenoberfläche ganz allmählich in das H'<?e-fe/d, so daß sie sich der Beobachtung ganz entziehen. Alle Wohn-, Vorrats- und Verwaltungsräume liegen mit dem Scheitel ihrer Gewölbedecken8 in unter der Erdoberfläche Auch der Zugang zu den Panzertürmen ist von den unterirdischen Kasematten aus, der nun Fort durch eine etwa WO in hinter demselben zu Tage tretende unterirdische Poterne gesichert.
Oberstleutnant Schumann denkt sich in der Mitte seiner Panzerbatterie eine versenkbare 12 om Panzerlafette, daneben zwei 12 oder 15 nn gepanzerte Kugelmörser, 100 m davor in flachem Kreisbogen sechs Panzerlafetten, mit 5,:; l/in Schnellfeuerkanonen armiert, auf jedem Flügel sieben 3,? cm Schützengrabenpanzer, ebenso sieben dergleichen 300 m davor im Schützengraben, so daß die Batterie mit 30 Geschützen armiert ist. Derartige Panzerbatterien würden wohl zweckmäßig als Zwischenwerke in den bücken zwischen den eigentlichen Forts liegen. Welche Form und Einrichtung letztere erhalten werden, wird die Zukunft lehren. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die vorhandenen Forts, besonders auf den Flanken und in der Kehle, eine Verstärkung durch Schlu llfeuerkanonen in versenkbaren Panzertürmen erhalten werden, um gewaltsame Durchbruchversuche des Belagerers durch die Zwischenräume der Forts zu bekämpfen.
Solcher Durchbruchversuch würde nach vorangegangener allgemeiner, d. h. von allen Seitew erfol gender, Beschießung der Forts und bez. auch der eigentlichen Festung mit Brisanzgeschossen der Entscheidungskampf im abgekürzten Angriff sein, dem der General v. Sauer das Wort redet. Er setzt hierbei voraus, daß die ganze Festung gleichzeitig von allen Seiten eingeschlossen und gleichmäßig allseitig angegriffen wird, und, sollte der Verteidiger der Festung Unklugerweise im Vorfeld der Forts sich festgesetzt haben, daß es dann gelingt, ihn in die Fortsstellung zurückzuwerfen, worauf dann sofort die allgemeine Beschießung mit Brisanzgeschossen beginnt. Treffen diese Voraussetzungen zu^ sind ferner die alten Forts noch nicht mit Geschützen zur Abwehr solcher Angriffe armiert, und ist die Leitung der Verteidigung nicht wachsam, umsichtig und energisch in der Abweisung! des Feindes, dann kann ein solcher Angnff wohl ge^! lingen und die Belagerung sofort beenden. Dicsci Erwägungen haben die Notwendigkeit erkennen lassen,! den Forts auch eine Kehlverteidigung und der be. festigten Stadt eine zusammenhängende Hauptumwallung zu geben, die man bei Rom, Reims 2c.
^ als entbehrlich fortließ. Durch die Ausbildung des! Steilfeuers (aus Haubitzen und Mörsern) glaubt manz von einem umfassenden Angriff auf die zu be! schießenden Werle, d. h. zur Anlage von Batterien in der Verlängerung aller zu beschießenden Festungslinien, überhoben zu sein. Der artilleristische Angriff wird dadurch außerordentlich vereinfacht, weil die Anlage der Batterien eine viel geringere Ausdehnung erhalten wird. Die Möglichkeit, normalspiuige Eisenbahnen im Vollbau sowie Brücken von hinreichender Tragfähigkeit für dieselben in kurzer Zelt herzustellen, und die hinsichtlich des Auslegens und ihrer Trag! fähigkeit sehr vervollkommten schmalspurigen Eisen! bahnen befreien den Belagerer von dem Zwang, seinen Angriff auf die der Änmarscheisenbahn zunächst liegende Festungsfronte zu richten. Auch der Angreifer wird gegen Ausfälle als Gefechtsgeschütze sich künftig schnell feuernder Kanonen bedienen. General Prinz Krafft-Hohenlohe und Major Scheibert haben die Idee transportabler Festungen angeregt, welche im Krieg in kurzer Zeit da erbaut werden sollen, wo die Kriegslage ihrer bedarf. Zu diesem Zweck sollen im Frieden Panzerlafetten und die Eisenteile zu sonstigen Panzerbauten an Binnenlandsorten bereit gehalten werden, von wo sie nach dem Vedarfsort per Eisenbahn geschafft werden.
Neuere Litteratur: K. H., Ideen über Befestigungen (Berl. 1888); Scheibert, Die Befestigungskunst und die Lehre vom Kampf. Nachträge zu den »Streiflichtern«; 4. Teil: Vorschläge (das. 1888); Schumann, Die Panzerlafetten und ihre fernere Entwickelung (in > Internationale Revue«, Heft 9,1886); Wiebe, Gedanken über den Artilleriekampf im Festungskrieg (Berl. 1889); v. Sauer, Über den abgekürzten Angriff gegen feste Plätze (das. 1889); Scholl, Das Befestigungswesen der "Neuzeit (das. 1889); .Henning, Unsre Festungen (das. 1889); Brialmont, 1,65 I6!>i<m8 tortin'663 (Brüssel 1889).
"FestungSbaujchule, 1886 in Preußen errichtete Lehranstalt zur Ausbildung der Wallmeister als Bauaufseher beim Festungsbau. Kommandiert werden Pionierunteroffiziere von 5-6 Jahren Dienstzeit; Kursus 1 Jahr 9^4 Monate; der Unterricht umfaßt die bautechnischen Fächer mit Hilfswissenschaften, Telegraphie, Terrain- (Gelände-) Aufnahme, Modellierübungen; am Schluß Prüfung zum Wallmeister.
Die F. in Berlin, unter Leitung eines Ingenieur-Stabsoffiziers, ist dem Ingenieurkomitee unterstellt; Unterricht erteilen Ingenieuroffiziere u. Zivillehrer.