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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Insekten (Sinnesorgane, Verbreitung)
Schmetterlinge und Libellen, während unter den Kä^ fern nur die Cicindelen und wenige andre Raub^ käfer Zeichen eines scharfen Gesichts geben. Die Libellen, deren Facettenzahl in den stark hervortretenden Augen bei einigen Arten auf 15-17,000 steigt, fliegen außerordentlich geschickt; doch hältes Plateäu für eine Übertreibung, wenn einzelne Entomologen gesagt haben, sie neckten den Sammler fast, indem sie genau den Wirkungsbereich seines Fangnetzes zu berechnen wüßten und ihn außerhalb desselben umschwärmten. Durch Versuche glaubt der letzterwähnte forscher festgestellt zu haben, daß die Entfernung, in welcher die Bewegungen kleinerer Körper von den , .>.wahrgenommen werden, im allgemeinen kaum 2m übersteigt; sie beträgt im Mittel 1,50 m für Tagschmetterlinge, 58 s>m für Hautflügler und 68 cm für Zweiflügler. Außerdem besitzen viele I. ein Hautlichtgefühl, wie de la Vrulerie bei blinden Höhlellkäfern sah, die vor dem Fackelschein flohen, und Plateau an äugen losen Tausendfüßern bestätigte, die sich ebenso vor hellem Tageslicht verkrochen wie andre Arten, obwohl das Licht erst nach 3 5 Sekunden auf sie wirkte. Auch geblendete Küchenschaben sah Gräber noch vor dem Licht fliehen, und Plateau schreibt die von ihm beobachtete Gewohnheit geblenoeter Käfer, Schmetterlinge und Hautflügler, senkrecht emporzufliegen, einem Hautgefühl des von oben herabfallenden Lichts zu.
Der zuerst von Rosenthal (1811) aufgestellten und seitdem oft bestätigten Erfahrung, daß die Fühler oer I. als Geruchsörgane thätig sind, ist 1885 Grab er mit der Behauptung entgegengetreten, daß auch der Fühler beraubte I. noch für Gerüche empfindlich seien, daß manchmal (z. B. bei der Maulwurfsgrille und beim Hirschkäfer) die Mundtaster oder Palpen eine größere Empfindlichkeit für Gerüche besäßen als die Antennen, daß enthauptete Küchenschaben nach Packards wiederholt bestätigter Beobachtung mittels ihrer Hinterleibsanhänge riechen, und daß man daher sagen müsse, das Riechen werde bei den I. durch die verschiedensten Nervenendigungen ! vermittelt, bald schneller durch die Antennen, bald ov.rch die Palpen, bald durch andre Oberflächenorgane.! Plateau gibt dies für scharfe und gewissermaßen li Hende Gerüche, wie z. B. Terpentinöl, zu, hat sich aber durch Versuche überzeugt, daß Küchenschaben, denen die Antennen weggeschnitten waren, einen Behälter mit in Vier geweichtem Brot nicht mehr zu sinden im stände waren, während andre, denen die Palpen und.Hinterleibsanhänge abgeschnitten waren, diese ihre Lieblingsnahrung leicht auswitterten. Dies beweist, daß die Antennen den Sitz des feinern Geruchssinnes darstellen.
über den Geschmackssinn der I. hat F. Will Untersuchungen angestellt, aus denen hervorging, daß gewisse kleine Grübchen oder Becher auf der Zungenbasis und der Maxillenunterseite die End Nahrung wird zunächst durch die Fühler auf den Geruch geprüft, erst wenn das Ergebnis günstig ist, erfolgt bei den Vespiden und den übrigen mit einer Leckzunge versehenen Hautflüglern die Schwellung und bei den Apiden das Vorklappen der Zunge, deren Spitze mit der Nahrung in Berührung gebracht wird.
Auch hier handelt es sich zunächst um ein Kosten, denn oft verläßt das Tier ohne Saugbewegungen die ungeeignet befundene Nahrung; mitunter, wenn ein dem Tier unangenehmer Geschmack durch Zucker od. dgl. verdeckt ist, erfolgen auch wohl erst einige Saugbewegungen, bevor'die Nahrung aufgegeben
wird. Der Geschmackssinn scheint in mancher Rich^ tung sehr fein entwickelt zu sein, wenigstens wird versichert, daß die Süßigkeit des Saccharins, welche die menschliche Zunge bei gehöriger Verdünnung nicht von der des Zuckers zn unterscheiden vermag, Blenen in Wut versetzte. Bei den Vlattschneiderameisen Südamerikas beobachtete Will eine sehr feine Unterscheidung der Blätter anscheinend nach dem Geschmack. Wenigstens reinigten sie jedesmal, wenn sie eine nicht tauglich befundene Pflanze verließen, sehr sorgsam Mund und Mandibeln, gerade wie es Wespen thun, die an eine übelschmeckende Nahrung geraten sind. Sie lassen die Blätter der wilden Triebe des veredelten Orangenbaums, den sie wie die meisten eingeführten Pflanzen mit Vorliebe zum Gegenstand ihrer Blätterplünderungen machen, obwohl sie demselben Stamm entspringen wie die der Edeltriebe, unberührt. Fritz Müller hat auf mehrere Fälle hingewiesen, in denen sich Schmetterlingsraupen durch ihren Geschmackssinn als bessere Botaniker erwiesen haben als die gewiegtesten Systematiker. So leben die Raupen der meisten Ithomii den auf einer Anzahl verschiedener Solaneen, nur diejenigen der i'li.yl-iäi N-Arten wurden auf Llunl6l«m weidend gefunden, einer Pflanze, welche man bis in die Neuzeit einmütig zu den Skrofularineen stellte, bis Bentham und .Hook er vor kurzem erkannten, daß sie wirklich zu den Solaneen gehört.
Zahlreich und mannigfaltig ist die Form der bei den I. vorkommenden Hautsinnesorgane, obwohl sie alle nach einen: Typus gebaut sind. Mit Ausnahme der Seh- und Hörorgane lassen sich alle Sin nesorgane der I. als Modifikationen eines einzigen Typus auffassen. Die Sinnesperzeption wird bei dem starren Chitinpanzer der I. durch Haare vermittelt, die teils sich nicht äußerlich von andern Haaren unterscheiden, teils eigentümliche, als Kegel, Zapfen, Kolben, Borsten:c. beschriebene Formen besitzen oder selbst durch Verflachung des Vasalteils und Reduktion des eigentlichen Haars in eine membranartige Chitinplatte verwandelt sind. Die Haare sitzen entweder der Oberfläche der Cuticula auf, oder erheben sich im Grund einer Einsenkung des Chitins.
An der Basis jedes Sinnhaars findet sich meist eine Gruppe von Sinnzellen, an welche sich der von hinten herantretende Nerv verteilt, und welche ihrerseits lange, feine Fortsätze nach vorn an das Haargebilde entsenden. Die meisten dieser Sinnesorgane sind als Tastorgane anzusprechen, viele derselben sind wohl Geschmackeorgane, und einige, bei denen ihrer Lage nach sowohl die Deutung als Tastorgane wie auch als Geschmacksorgane ausgeschlossen ist, mögen Geruchsorgane sein. Über das Gehörvermögen der I.sind Experimente noch nicht mit genügender Sicherheit angestellt, da bei allen Versuchen Erschütterungen des Bodens, der Luft oder des Wassers unvermeidbar sind, welche auch durch die Tastorgane wahrgenom men werden können. Von Wichtigkeit für das Leben eines Insekts ist auch sein Verhalten gegen Tempe ratnrschwankungen. Für jedes Tier gilt eine gewisse »vitalethermische Breite«, welche begrenzt wird durch das Temperaturmaximum und -Minimum, bei wel chen das Tier noch eine bestimmte Zeit zu leben vermag. Die Temperatur, bei welcher sich die Tiere am
Bei der Küchenschabe z. B. liegt die »vitale thermische Breite« von -6" bis - 41", das Temperaturoptimum ungefähr bei ^-26".
Die Verbreitung der I. geschieht meist durch Verschleppung, die durch die Verkehrsmittel sehr be-