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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Invalidenhäuser - Isländische Litteratur
günstigt wird. In Deutschland bürgert sich neuerdings immer mehr ein kleines, braunes Käferchen, sehr ähnlich dem bekannten Stinus, mit feinem, goldbraunem Haarüberzug, Niptus hololeucus Fald, ein, dessen Heimat Kleinasien ist, von wo es nach Rußland eingeschleppt wurde. Von hier kam es durch Warensendungen aus russischen Häfen nach England und teils von hier, teils von Rußland direkt in das übrige Europa; in Nord- und Westdeutschland ist es bis jetzt häufiger als in Süd- und Ostdeutschland, doch tritt es neuerdings auch hier immer zahlreicher auf. Es frißt trockne animalische und vegetabilische Stoffe, überhaupt so ziemlich alles. Über den Schaden, den es z. B. an Zeug anrichten kann, sind bis jetzt nur zum Teil Klagen laut geworden. Wie ausländische I. nach Europa geschleppt werden, so auch umgekehrt europäische ins Ausland, wie z. B. der Kohlweißling (Pieris rapae), der in Amerika eingeschleppt wurde und sich hier stark verbreitet hat. Er wurde 1860 in Quebec, 1868 in New Jork eingeschleppt und verbreitete sich von diesen beiden Zentren aus über alle Staaten Nordamerikas östlich des Felsengebirges, nur in den südlichen Staaten scheint ihm das Klima nicht zu passen. Von den nach Europa eingeschleppten Schädlingen unsrer Kulturpflanzen hat der Coloradokafer neuerdings weniger Schaden gethan. (Über Reblaus s. d., Bd. 13.) Gelegentlich treten selbst sonst unschädliche I. einmal in großen Massen auf und werden dann Kulturgewächsen schädlich. So hat sich die Larve des Käfers Agrilus auricollis als Schädling der Linden erwiesen, eine Stelzenwanze ist als Zerstörerin des Zuckerrohrs aufgetreten, und in Bessarabien huben sich als Schädiger des Tabaks Opatrum verrucosum und Oedinus femaralis herausgestellt, indem sie dessen Wurzeln benagen, während Thrips tabaci durch Benagen der Blätter gleichfalls den Tabak schädigt. Auch an andern Pflanzen treten häufig die Thrips, die Blasenfüßer, schädlich auf, indem das Ansaugen und Anbohren der Blätter mit dem Legbohrer bewirkt, daß sich die ganze Blatt-Unterseite mit einer braunen Kruste abgestorbener Gewebeteile bedeckt, wodurch das Blatt selbst allmählich abstirbt. Den Ähren verschiedener Getreidearten fügen besonders Larven von Phleothrips Schaden zu, indem sie zunächst in die Hüllblätter eindringen, sich dann von den Säften der Ähren und des weichen Stengels ernähren. Andre der Blasenfüßer leben in Blumenkronen, andre wieder unter der Erde. In der Bekämpfung der Schädlinge hilft dem Menschen häufig und am wirksamsten die Natur selbst durch zahlreiche Produktion von Parasiten. Einen großen Erfolg hat die systematische Bekämpfung einer Insektenplage in der Vertilgung der Heuschrecken in Algerien im J. 1889 erzielt. Hier war im J. 1888 die Art Stauronotus maroccanus in ungeheuern Scharen verwüstend aufgetreten. Der Vernichtungsplan bestand zunächst in dem Sammeln der Eier, welche im ganzen über eine Fläche von 240,000 Hektar hin von den Tieren im Herbst 1888 abgelegt waren. Hierfür wurden 578,340 Frank Prämien bezahlt (für je 20 Lit. 1,50 Fr.). Die Masse der zerstörten Eier wir) auf mindestens 22,440 Mill. Eier geschätzt. Die junge Brut, die 1889 ausschlüpfte, wurde während der ersten Tage des Larvenlebens, wo sie noch flügellos war, durch Aufspannen von Lederwänden, an deren Basis Gräben angebracht waren, gesammelt. Die auf diese Weise getötete Masse von Tieren betrug 40,000 cbm. Das Land wurde durch diese Maßnahmen gerettet.
Nicht selten ist das Auftreten eines Insekts als Schädling mit einer Nahrungsänderung verbunden, indem das Tier von der gewöhnlichen Nahrung zu einer andern übergeht. So ging neuerdings der Käfer Silpha opaca, von der Aasnahrung schädigend zu der Pflanzennahrung über, und die Schaffliege der Niederlande, Lucilia sericata, deren Larven ursprünglich in Kot und faulem Fleisch lebten, ist heute ein die Schafzucht sehr schädigendes Tier geworden, indem die Larven im Fleisch lebender Schafe leben, wodurch diese häufig schwer erkranken und oft absterben.
Durch neuere Untersuchungen ist auch zweifellos das Vorkommen von Insekten-, besonders Fliegenlarven, im menschlichen Körper konstatiert. Das Vorkommen von Fliegenlarven im Magen und Darm des Menschen wird als Myiasis intestinalis bezeichnet; es sind solche Fälle bekannt geworden von Larven von Chrysomyia polita L., eristalis tenax L., Homlomyia scalaris Fabr., muricata Mg. und incisurata Zett., Sarcophaga carnaria L., Anthomyia meteorica L., Helphilus pendulus L., Scaeva scambus Slaeg. In seltenen Fällen sind im Darm auch gefunden worden Käfer (Carthariasis) und Schmetterlingsraupen (Scolechiasis). In den Nasenhöhlen, Schlund und Ohren des Menschen sind schon gefunden worden die Larven von Lucilia hominivorax, die in Amerika vorkommt, und Sarcophaga Wohlfarti in Europa; es ist dies Myiasis naso-pharyngealis. Die Fälle des Vorkommens von Fliegenlarven unter der Haut (Myiasis subcutanea) sind besonders aus Norwegen bekannt von Hypoderma bovis. Die Fliegen sind jedoch noch nicht gekannt. Besonders Myiasis naso-pharyngealis ist sehr gefährlich und des öftern von tödlichem Ausgang für den Menschen, während der Aufenthalt von Fliegenlarven im Darm und unter der Haut zwar von Unannehmlichkeiten begleitet sein kann, aber keine ernstliche Gefahr birgt.
Invalidenhäuser. Die bisher in Preußen bestandenen Provinzial- (und eine Garde-) Invalidenkompanien sind aufgelöst und die Invaliden, soweit sie nicht Pension genommen, in die erweiterten I. zu Berlin, Stolp und Karlshafen aufgenommen.
Invaliditäts- und Altersversicherung, s. Arbeiterversicherung (Bd. 17).
*Investition (v. lat. investire, »bekleiden«), s. v. w. Kapitalanlage, insbesondere eine solche, durch welche eine bestehende erweitert wird.
Iran, Forschungsreisen, s. Asien (Bd. 17, S. 61 f.).
Isabeau, Königin von Frankreich. Ihre Biographie schrieb Vallet de Viriville (»J. de Bavière, reine de France«, Par. 1859).
*Isbjörn-Expedition, 1871 und 1872, s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen (Bd. 11).
*Ischim, Kreisstadt im sibir. Gouvernement Tobolsk, am linken Ufer des gleichnamigen Flusses, mit (1883) 7104 Einw., welche bedeutenden Handel mit Roggen und namentlich mit Roggenmehl treiben, das sie bis nach Beresow und Obdorsk verfrachten. Eine jährlich vom 1. bis 30. Dez. dauernde Messe versammelt hier 20,000 Fremde, und der Umsatz beträgt bis 16 Mill. Mk. Die Stadt wurde 1630 von den Russen gegründet.
Isigny, (1886) 2329 Einw.
*Isländische Litteratur. Die neuisländische Litteratur ist als eine Fortsetzung der ältern zu betrachten, wie auch die neuisländische Sprache nur in der Aussprache eine beträchtliche Umwandlung erlitten hat, während die Sprachformen im wesentlichen unverändert geblieben sind. Nachdem die altisländische Litteratur (s. Nordische Sprache und Lit-^[folgende Seite]