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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Janson - Japan
versität Basel, folgte 1871 einem Ruf an die Akademie Proskau als Professor für Volkswirtschaft und Astrarrecht, übernahm 1874 die Direktion des statistischen Amtes der Stadt Dresden, wurde 1877 ordentliches Mitglied des königlich preußischen Statistischen Büreaus in Berlin, gab diese Stellung aber 1884 nach Engels Rücktritt auf, um sich ganz den Handels- und kolonialpolitischen Bestrebungen der seit 1878 unter seinem Vorsitz bestehenden Handelsgeographischen Gesellschaft zu widmen. Als Vorsitzender derselben gibt er seit 1879 die Wochenschrift »Export« heraus und hat seitdem durch Förderung der deutschen Ausstellung im Ausland sowie durch Veranstaltung einer ^ südamerikanischen Ausstellung in Berlin, Begrün- ^ düng eines handelsgeographischen Museums und der.
Deutschen Erportbank zu Berlin den Absatz deutscher ^ Industrieprodukte wesentlich gefördert. Im 1.1886 ^ machte er auf einem eigens dazu eingerichteten und mit einem Exportmusterlager ausgerüsteten Schiff! eine Reise nach Portugal, Marokko und den Mittelmeerländern, wobei er bei einer Landung an der atlantischen Küste Marokkos von den fanatischen Küstenbewohnern eine Zeitlang gefangen gehalten wurde.
In neuester Zeit organisierte er ein großartiges Unternehmen zur weitern Erschließung Marokkos für den deutschen Handel. Von seinen Schriften nennen wir: »Abhandlungen über Nationalökonomie und Statistik- (Basel 1869); »Die Trabes-Unions oder Gewerkvereine« (das. 1870); »Der Musterschutz und die Gewerbepolitik des Deutschen Reichs« (Berl.
1873); »Der Markenschutz« (das. 1873); »Die europäische Baumwollenindustrie« (das. 1882); .Kolonien, Kolonialpolitik und Auswanderung« (mit Roscher, Leipz. 1885); Die deutsche Handelsexpedition 1886 < (Berl. 1887).
^Ianson, 2) Paul, belg. Politiker, geb. 11. April 1840 zu Herstal bei Lütti'ch, Sohn eines republikanisch gesinnten Franzosen, der, selbst Sohn eines Konventsmitgliedes, 1830 mit einer Schar französischer Freiwilligen in Belgien einwanderte, um an der Revolution teilzunehmen, studierte die Rechte und ward Advokat in Brüssel. Republikanisch gesinnt und sehr rührig, schwang er sich 1862 zum Haupte der radikalen Partei in Belgien auf und bekämpfte die Ultramontanen, noch mehr aber die gemäßigt Liberalen unter Frere-Orban, indem er für Aojchaffung der Konskription und Einführung des allgemeinen Stimmrechts eintrat; durch seine starke Stimme und die Wucht seiner Beredsamkeit erwarb er sich den! Mmen I/Iiommk boui^t. Als er 1877 in Brüssel ^ in die Zweite Kammer gewählt wurde, setzte er sich an die Spitze der kleinen Schar radikaler Deputierten und bekämpfte die Liberalen ebenso oft, als er! mit ihnen gegen die Nltramontanen auftrat. Durch ^ seine an und sür sich vernünftigen Forderungen stif-! tete er Zwietracht im liberalen Lager, indem die Dok-, trinären von dem allgemeinen Stimmrecht nur eine Vermehrung der ultramontanen Stimmen befürchteten, teilweise aber auch aus Selbstsucht gegen Er- ! weiterung der Volksrechte und namentlich gegen die ^ allgemeine Wehrpflicht waren. Diese Uneinigkeit bewirkte, daß die Liberalen 1884 in Brüssel bei den ^ Neuwahlen den Ultramontanen unterlagen und auch ! bei den spätern Wahlen diesen Verlust nicht ausglei- ! chen konnten. Erst 1889 kam I. in Brüssel bei einer ! Nachwahl mit den Ultramontanen in die Stichwahl ^ und wurde mit Hilfe der gemäßigt Liberalen 11. Juni zum Deputierten gewählt; Mitglied des Brüsseler ^ Gemeinderats ist I, seit 1884. I. grisf das Mini- > sterium 18. Juni sofort wegen seines angeblichen ge- j
Heimen Einverständnisses mit den ^^ents i^voc^ours im Arbeiterbezirk von Mons an (vgl. Belgien, Geschichte, Bd. 17), welches sich aus dem Pro^ zeß gegen die sozialistischen Agitatoren, welche I. verteidigt hatte, ergeben haben sollte.
Japan. Die Bevölkerung von I. war 1888 auf 39,069,007 Seelen angewachsen. Durch die Beseitigung des Feudalsystems und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ist die scharfe Scheide^ wand zwischen den Ständen gefallen. Nach der im I. 1885 erfolgten Reorganisation des Adels, bei welcher auch das Verdienst um die kaiserliche Familie und den modernen Staat gebührende Anerkennung fand, gibt es 5 Adelsklassen mit zusammen 565 Mit^ gliedern (11 Fürsten, 25 Marquis, 81 Grafen, 355 Vikomtes und 93 Barone). Nur der älteste Sohn ist Erbe des Ranges und der damit verbundenen Ein. künste. Die kaiserliche Hochschule (Teikoku Daigaku. früher Kaisei-Gakko genannt) ist seit ihrer Reorgam sation (1886) einem Präsidenten oder Kurator unter stellt und umfaßt fünf Fakultäten, welche vorher besondere Schulen bildeten, nämlich die juristische, medizinische, polytechnische, philosophische und naturwissenschaftliche. Während in der medizinischen Fakultät nur Teutsche oder in Deutschland gebildete Japaner als Professoren wirken, herrscht in der polytechnischen das englische und in der naturwissenschaftlichen Fakultät das japanische Element vor; die juristische und die philosophische Fakultät tragen noch immer ein kosmopolitisches Gepräge. Die Studierenden leben insgesamt im Internat und tragen eine Art Uniform. Das Zeitungswesen hat sich seit seinem . Entstehen (1869) erstaunlich schnell entwickelt. 1889 erschienen allein in Tokio 215 Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 3,? Mill. Exemplaren.
Die fortschreitende materielle Entwickelung Ia^ pans erkennt man am besten an seinem Außen^ Handel sowie an der Zunahme seiner Verkehrsmittel.
Der Wert des Warenumsatzes ist von 1887 zu 1888 bei der Einfuhr von 5l,6 Mill. Silber-Jen (53,?o Mk.) auf 65,,'. Mill. Jen, bei der Ausfuhr von 52,4 Mill. auf 65,? Mill. Jen gestiegen, was beim Gesamthandel eine Steigerung um 27 Mill. Jen ergibt. An der Einfuhr, resp. Ausfuhr waren die Häfen Jokohama mit 56, resp. 65 Proz., Hiogo-Osaka mit 40, resp. 25 Proz. und Nagasaki mit 3,3, resp. 8,5 Proz. beteiligt. Hauptverkehrsländer waren bei der Einfuhr Großbritannien (28,? Mill.) und China (10,4 Mill. Jen), bei der Ausfuhr die Vereinigten Staaten von Nordamerika (22,6 Mill.), Frankreich (13,3 Mill.), China (11,4 Mill. Jen). Deutschland nimmt im Handelsverkehr erst die fünfte Stelle ein (bei der Einfuhr mit 5,3 Mill., bei der Ausfuhr mit 1/. Mill. Jen).
Obwohl nun die günstige Handelsbilanz für 1888 durch eine reiche Ernte von Reis und Seide sowie durch hohe Kupferpreise stark beeinflußt war, so ergibt sich doch, daß sich der Gesamtumsatz seit zehn Jahren fast verdoppelt hat. Eine wichtige Rolle bei der Einfuhr spielen nach wie vor Webwaren (Schirting, Wollmusselin, Italian Cloth, Tuche) und behaupten sich gegenüber der Konkurrenz der japanischen Fabriken; es bestehen z. B. schon 22 Baumwollspinnereien im Land, aber sie liefern nur Gespinste von geringer Gi Ue. Die einheimische Fabrikation von Zucker ist sogar 1885-87 von 43,780 auf 36,698 Ton. zurückgegangen, während die Einfuhr von 63,783 auf 81,002 T. stieg. Demnach wird I. in betreff der Fabrikate nach wie vor vom Ausland abhängig bleiben. Einen wichtigen Fortschritt auf dem Gebiet de? Handels bezeichnet der 1889 mit dem Deutschen Mich
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