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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Myslbeck - Nádsson
infizierendes i.nd desodorisierendes Mittel bei putrider Bronchitis und Lungengangrän, auch bei Erkrankungen der Harnblase und als Einreibung gegen Rheumatismus angewandt, kann aber vorteilhaft durch reines Eukalyptol ersetzt werden.
Myslbeck, Joseph, Bildhauer, geb. 21. Juli 1848 zu Prag, bildete sich auf der dortigen Kunstakademie und bei den Bildhauern Thomas Seidan und Wenzel Levy und erhielt 1868 ein Atelier ander Prager Akademie, in welchem er bis 1872 thätig war. Dann gründete er sich eine eigne Werkstatt, aus welcher eine Reihe von monumentalen und dekorativen Arbeiten hervorging, unter denen vier allegorische Sandsteingruppen für die Palackybrücke und das Grabdenkmal Sladkowskys auf dem Wolschauer Friedhof in Prag und die Marmorfiguren der Gesinnungstreue und der Ergebenheit für das Parlamentsgebäude in Wien die bedeutendsten sind. Letztere brachte ihm 1886 den Reichel-Preis in Wien und die kleine goldene Medaille der Berliner Ausstellung ein. Er verbindet in seinen Werken Größe der Auffassung mit streng naturalistischer Durchbildung in den Einzelheiten. Seit 1885 ist er Professor an der Kunstgewerbeschule in Prag.
Myzödem (griech., Schleimgeschwulst), eine eigentümliche Erkrankung, welche in bedeutender Wucherung des gesamten Bindegewebes und Durchtränkung desselben mit einer schleimigen, sulzigen Masse besteht. An der Haut des Gesichts beginnend, sich dann auf den ganzen Kopf, den Rumpf und die Gliedmaßen ausdehnend, bewirkt dieselbe eine beträchtliche Volumzunahme der betroffenen Körperteile. Auch das Gehirn wird ergriffen, und die hierauf zu beziehenden Erscheinungen sind mit dem Kretinismus sowie den Zuständen, die nach operativer Entfernung der Schilddrüse beobachtet werden, höchst übereinstimmend. Die Krankheit wurde zuerst in England näher studiert, sie befällt vorwiegend das weibliche Geschlecht im mittlern Alter. Bei der Obduktion findet man neben der erwähnten Vermehrung und Infiltration des Bindegewebes regelmäßig eine Atro ^ phie der Schilddrüse. Diese Beobachtungen weisen augenscheinlich darauf hin, daß das M. durch Unterdrückung der Funktion der Schilddrüse zu stände kommt, sowie daß die operative Entfernung der Schilddrüse öfters ein gleichsam experimentell erzeugtes M. zur Folge hat.
N.
*Nabel, Stadt im nördlichen Tunis, 2 kin vom Mittelmeer, an der Basis der Halbinsel des Kap Bon am Golf von Hammamet, mit 50M Emw. In der Umgebung viele schöne Olioen-, Feigen- und Blumengärten zur Bereitung von Essenzen; Fabrikation von Wollzeug, Mützen, Decken und Töpferwa ren, welch letztere bis nach Algerien und Tripolis gehen. N. ist in den letzten Jahren auf Grund seines milden Klimas ein vielbesuchter 5)rt für Lungenkranke geworden. In der Nähe die spärlichen Ruinen des alten, erst phönikischen, dann punischen, zuletzt römischen Neapolis.
Nachbildung, s. auch Musterschutz (Bd. 11).
^Nachtarbeit von Frauen, Kindern und jungen Leuten in Fabriken und deren Beschränkung, s. Fabrikgesetzgebung (Bd. 5).
Machtgefechte, Kämpfe, welche als Fortsetzung eines bei Tag begonnenen Kampfes oder in ihrem ganzen Herlauf unter dem Schutz der Nacht durchgefochten werden. Werden die für das Gelingen erforderlichen Vorbedingungen des unvorhergesehenen, überraschenden Angriffs erfüllt, so können die N. zu bedeutenden Erfolgen führen, wiedie Geschichteder Kriegealler Zeiten lehrt; doch setzen sie sichere Leitung des Angriffs auf Grund vorheriger Orientierung und den mutigen Gebrauch der blanken Waffen voraus. Gerade die Unmöglichkeit des Fernkampfes, eines gezielten Feuergefechts, bei Nacht ist es, welche bei den heutigen technisch so außerordentlich vervollkommten Feuerwaffen die Bedeutung der N. sehr gehoben hat, da letztere die große Tragweite und Treffsicherheit dieser Waffen, namentlich beiu: Gebrauch des rauchlosen Schießpulvers, nicht zur Geltung kommen lassen, vielmehr gänzlich aufheben. In Rußland und Frankreich gehören deshalb die N. schon zu den regelmäßigen Truppenübungen, welche den wichtigen Zweck haben, die Führer in der bei der mangelnden Übersicht außerordentlich schwierigen Leitung der Truppen auszubilden und die letztern an geordnete Bewegungen und Kampfhandlungen während der Nacht zu gewöhnen.
Da der Feldkrieg ein nächtliches Feuergefecht unmöglich macht, so ist die Feldartillerie von den Nachtgefechten ausgeschlossen. Auch die Kavallerie ist nur^ in unbedecktem und bekanntem Gelände verwendbar,, demnach werden N. hauptsächlich von der Infanterie mit dem Bajonett und Salvenfeuer ausgefochten. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß es unter dem Zwang^ der Verhältnisse durch Übung gelingen wird, künftig^ hin auch gröbere Truppenmassen in die N. einzusetzenz und die letztern dadurch über die Handlungen desl kleinen Kriegs hinauszuheben. Im Festungskrieg, ,
> wo die örtlichen Verhältnisse genau bekannt sind, haben N. zu allen Zeiten eine große Rolle gespielt und finden durch die Anwendung elektrischer Beleuchtung für die Zukunft eine wesentliche Unterstützung. Vgl.
Cardinal vo^. Widdern, Das Nachtgcfccht im Feld- und Festungsknege (2. Aufl., Verl. 1890), und die anonyme Schrift Über N., ihre Eigentümlichkeit und ihre Bedeutung« (Hannov. 1889).
! Nachtigal, Gustav, Afrikareisender. Aus seinem Nachlaß wurde der dritte (Schluß-) Band seines Reisewerks »Sahara und Sudan« (Leipz. 1889), die Schilderung seiner Reisen in den Sudänstaaten Wadai und Dar Fur enthaltend, von E. Groddeck herausgegeben,z Mädsson, Ssemjon Iäkowlewitsch,russ.Dich! ter, geb. 26. (14.) Dez. 1862 zu Petersburg, erhielt! eine militärische Ausbildung, mußte jedoch den Ofsi! ziersdienst aus Gesundheitsrücksichten schon 1884 verlassen, war kurze Zeit Sekretär der Wochenschrift «Nkäs1>« (»Die Woche«), lebte bis August 1885 im Ausland, dann in Podolien und Kiew, zuletzt zu Jalta, in der Krim, wo er 19. (31.) Jan. 1837 an der Aus^ zehrung starb. Seine ersten lyrischen Versuche er> schienen 1878 im Journal »^'vv.jet", und darauf be! gegnete man seinen Gedichten in allen russischen Zeit^ schriften. Seine »Gedichte. (1885), vom Pessimismus
angesteckt, spiegeln den Geist und die Stimmung der Zeit auf das getreueste wider und sind f. ei von allem Gemachten und Gekünstelten', sie erlebten bereits !vier Auflagen.