Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pache - Paget
P.
he (sftr. paich), Jean Rico las, franz. Politiker, geb. 1746 zu Paris, wurde Erzieher im .haus des Marschalls von Castries, lebte später mit seiner Familie in der Schweiz, von wo er beim Ausbruch oer Revolution zurückkehrte, arbeitete sodann als Volontär im Ministerium des Innern unter Roland und ward als Girondist 18. Okt. 1792 zum Kriegsminister ernannt, aber, seiner Partei wegen seiner Verbindung mit der Bergpartei verdächtig geworden, schon 2. Febr. 1793 wieder entlassen. P. ward nun Abgeordneter der Hauptstadt und im Mai mit Hilfe der Bergpartei Maire von Paris. Jetzt trat er als offener Gegner der Girondisten auf und führte auch -^. Juni mit Danton und Robespierre deren Sturz herbei. Nach Dantons Fall verlor P. fein Amt, ward verhaftet und 9. Dez. 1794 als Teilnehmer der Schreckensherrschaft angeklagt; doch kam das Verurteilungsdekret nicht zur Ausführung. Gegen die Beschuldigung der Teilnahme an den anarchischen Bestrebungen Babeufs verteidigte er sich im April und Mai 1797 in zwei Denkschriften und zog sich dann nach Thym le Moutiers bei Charleville zurück, wo er in völliger Vergessenheit 18. Nov. 1823 starb.
*Pacheco (spr. «tscheto), Francisco, span. Maler und Kunstschriftsteller, geboren um 1571 zu Sevilla, ö'c/dete sich bei Luis Fernandez, einem Nachahmer Raffaels, und 1611 in Madrid, wo er sich auch von 1623 bis 1625 aufhielt. Von da ab lebte er in Sevilla, wo er 1654 starb. Seine in leerem, italienisierendem Stil gehaltenen Gemälde befinden sich meist in den Kirchen von Sevilla (Hauptwerk: das Jüngste Gericht in Santa Isebel). Nngleich bedeutender als seine Bilder ist sein unter dem Titel: >^rt6 ^6 In, Mwra« im I.1639 zu Sevilla erschienenes Malervnch, dessen Vorschriften lange Zeit für die spanischen .Künstler maßgebend gewesen sind, und das auch wichtige historische Angaben enthält. Er war Lehrer und Schwiegervater von Velazquez.
"Pächter, Hasardspiel unter 6-12 Personen mit einer Whistkarte, aus welcher alle Achten und Sechsen mit Ausnahme der Coeur-Sechs entfernt sind.
W zählt 11, Bild 10, die übrigen Karten nach ihren Augen. Der P. setzt nach Übereinkunft eine Anzahl Marken, welche beiseite gelegt werden (das Pachtgeld). Dann gibt er von oben jedem eine Karte und hierauf von unten jedem, der es verlangt, eine zweite, dritte ?c. Es kommt für die Spieler darauf an, 16 Points zu machen. Wer dies mit zwei Blättern macht, hat den Vorzug vor dem, der es mit dreien macht, alle aber schlägt derjenige, welcher das Ziel mit der Coeur-Sechs (dem »Brillant') erreicht.
Wer 16 hat, gewinnt das Pachtgeld und verdrängt den P., wer sich aber überkauft hat, muß dem P. so viel Marken geben, als er Points über 16 hat. Wer nahe an 16 hat, wird meist dabei bleiben, damit er sich nicht überkauft. Auch hat er in diesem Fall Aussicht auf die kleinen Einsätze der Spieler, welche, sobald kein Sechzehner heraus ist, der dem Sechzehner nächste einzieht.
-Padcletti, Guido, ital.Nechtsgelehrter, geb.1843 zu Livorno, studierte in Siena, trat zunächst in Florenz in die advokatorische Praxis, nahm 1866 als freiwilliger am Feldzug gegen Österreich teil, widmete sich dann staatswissenschaftlichen Studien, als deren Frucht die von der ^.eeaäeinia äi 8016N26 morkii 6 iwlitickk zu Neapel preisgekrönte Schrift »I'eorick äsiik eiesioui politieke« (Neap. 1871) er schien, und begab sich hierauf zur Fortsetzung seiner Studien auf dem Gebiet des römischen Rechts auf zwei Jahre nach Deutschland, wo er die Universitäten Berlin und Heidelberg besuchte und in deutscher Sprache die Schrift > Die Lehre von der Erbeinsetzung ex i'6 cklta« (Berl. 1870) veröffentlichte.
Bald nach der Rückkehr in feine Heimat wurde er als Pandektenlehrer nach Perugia, sodann nach Pavia berufen, erhielt hierauf den Lehrstuhl für römische Rechtsgeschichte zu Bologna und 1873 den gleichen Lehrstuhl zu Rom, wo er bereits 3. Juli 1878 starb.
Unter seinen Schriften sind außer den oben genannten und außer zahlreichen, dem Gebiet der römischen Rechtsgeschichte, der Universitätsgeschichte und des Staatsrechts angehörenden Aufsitzen im ^.rckivin LMliclioo«, »^.rckivio »torico Itaiiaiw und der >^nov3. ^iitolo^ik« noch hervorzuheben: ^ont^-l .jni'i8 italioi M6äii a^vi« (Turin 1877) und seine auch in Deutschland als Lehrbuch vielbenutzte »Römische Rechtsgeschichte« (>8toiia,clki dirittoromimo^ .. Florenz 1878; 2. Aufl. von Coglioli, 1885; deutsch von Holtzendorff, Verl. 1879). P. hat namentlich die deutsche juristische Litteratur in Italien bekannt gemacht und auf Verbreitung der deutschen Methode der Rechtswissenschaft hingewirkt.
^Page (spr. vehdsch), William, nordamerikan.
Maler, geb. 1811 zu Albany, kam in der Jugend mit seinen Ottern nach New?)ork, wo er Schüler von Joseph Hoxie wurde und schon im Alter von elf Jahren für eine Tuschzeichnung den Preis erhielt. Erst nach Überwindung mancher Schwierigkeiten widmete er sich ganz der Kunst und wurde Schüler des Malers Samuel Morse. Dann wohnte er in New Jork und Boston, bis er nach Rom ging, wo erunter den Amerikanern als der beste Porträtmaler galt. Zu seinen ersten Historienbildern gehören eine heilige Familie (im Athenäum zu Boston) und die Kindheit Heinrichs IV., worauf Ruth und Naemi, Moses, Venus (1859), ein Christuskopf, ein Shakespeare in ganzer Figur (1874 und 1876), der Einzug Farraguts in den Hafen von Mobile und zahlreiche Porträte folgten. Seine historischen Bilder wie seine Porträte sind von realistischer Auffassung, sehr kühn in der Darstellung und ohne Scheu vor dem Derben und Häßlichen. P. starb 1. Okt. 1885 in Tottenville auf Staten Island.
Pagenftecher, 1) Heinrich Alexander, Zoolog, starb 4. Jan. 1889 in Hamburg.
*Paget (spr. päddschet), Viole't, unter dem Namen Vernon Lee bekannteengl. Schriftstellerin, geb. 185i; zu Chäteau St.-Leonard in der Normandie als Tochter eines Ingenieurs in russischen Diensten, verbrachte ihre frühern Jahre in Deutschland und Frankreich und lebt letzt beständig in Italien. Mit ihren bisher veröffentlichten kunst- und kulturgeschichtlichen Studien hat sie rasch verdiente Anerkennung gefunden; es sind: »8tuäi68 ok ttis 6iAkt66iM eentnr^ iu Itaiv (1880, 2. Aufl. 1886); ^kicai'o, 688^-8 on 8uuäi v a68tti6ticn1 qu68tioii8< (1881); »Nupkoi'iou; 8tuäi^s ot tk6 tmtih Uk HNli tke M6(1ia6va1 in t,ll6 reuai^-8!M06'< (2. Aufl. 1885,2 Bde.); »LNi^vin, äialoAUt^ 0N V16VV8 HN(1a8pir3.ti0N8« (1886); ».luvenilig.«, eine neue Folge ästhetischer Essays« (1887). Auch einige Romane (»0Ni1i6«,1883; »Ni38 Lronn«, 1884) uno >>^k6 8wr^ ok 3. puppet sdo^v« (neue Ausg. 1889) wurden beifällig aufgenommen. In italienischer Sprache schrieb sie: »II gettecento in Italie« (1831).