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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Platter - Polen
ihren Wirt (verschiedene Krebsarten) verläßt und sich aus selbstverfertigten Fäden einen verfilzten Kokon verfertigt, der durch eine enge Öffnung nach außen mündet und zur Eierablage dient. Aus der Ordnung der Saugwürmer, die schon längst als Erreger gefährlicher Krankheiten bei Tieren (Leberegel) bekannt sind, sind einige Arten als Parasiten des Menschen bekannt geworden. So erzeugt in Japan Oistomuin knäemieum, wahrscheinlich identisch mit dem in China vorkommenden Oiktomum LMtlmi Hkniu, in zwei scharf abgegrenzten Distrikten der Provinz Okayama bei 20 Proz. der Bevölkerung schwere tödliche Erkrankungen. Heißhunger, Vergrößerung der Leber, Abmagerung, häufig Diarrhöe, H?leit68 sind die Krankheitssymptome. Als Quelle der Infektion ist das schmutzige stagnierende Wasser der die Reisfelder durchziehenden Gräben anzusehen, auf dessen Genuß die Bewohner angewiesen sind. Eine wettere, in Japan aufgefundene Art erzeugt Hohlräume in der Lunge des Menschen und manchmal Bluthusten und kann so das Krankheitsbild der Schwindsucht vortäuschen, wenn nicht die Eier des Parasiten im Auswurf nachgewiesen werden. Ebenfalls aus Japan stammt ein Fall, in welchem Distomeneier als Ursache einer sonst nur bei Schwindsüchtigen vorkommenden fibrösen Tuberkelbildung im Bauchfell erkannt wurden. In Ägypten erzeugt ein Oistomuiu die schon im Altertum bekannte ägyptische Steinkrankheit, die Parasiten wurden bei einem Drittel aller Sektionen in den Harnwegen des Menschen gefunden. Oft wandern Distomen im Körper noch weiter und wurden so schon in der Linse, in Abscessen im Ohr, an der Fußsohle und Bauchhaut gefunden.
Platter, Thomas, Gelehrter. Die Briefe Thomas Platters an seinen Sohn Felix wurden von A. Burcklmrdt herausgegeben (Basel 1889).
^Pleasantinsel (spr. pläsent, Nawodo), kleine, nur 5hkm große Insel des mikronesischen Gilbertarchipels im Stillen Ozean, ist ganz von einem Korallenriff umgeben, besitzt keinen Ankerplatz und hat nur einige niedrige Hügel, im übrigen ist sie eben. Finsch schätzte die Bevölkerung 1880 auf 1300-1500 Seelen, Kapctckn Kühn 1881 nur auf 400, die in drei feindliche Stämme geteilt waren. Ihre Sprache ist mit der der übrigen Bewohner der Gilbertinseln verwandt, zeigt ledoch bedeutende Abweichungen. Früher wurde die Insel von Walfischfängern besucht, die aber seit dem Verschwinden der Walfische ausgeblieben sind. Die Insel wurde 1798 von Fearn entdeckt und benannt und 16. April 1888 unter deutschen Schutz gestellt.
Plewna. Über die Kämpfe um P. 1877 vgl. noch die Schrift der türk. Offiziere Muschawer Pascha und^alaat Bei: »IM'6N86 äs?i6vna«(Par. 1889). Hermann Heinrich, Mediziner, geb.
8. Febr. 1819 zu Leipzig, studierte und lebte dann als Arzt daselbst bis zu seinem Tod 11. Dez. 1885. Er lieferte zahlreiche anthropologisch-kulturgeschichtliche Arbeiten besonders auf dem Gebiet des Geschlechtslebens und schuf die vergleichende ethnographische Gynäkologie und Pädwtrik. Er schrieb: »Medizinisch-chirurgische Encyklopädie« (Leipz. 1854-63,4 Bde., mit Prosch); »Über die das Geschlechtsverhältnis der Kinder bedingenden Ursachen« (Verl.
1859); »Über die Lage und Stellung der Frau während der Geburt bes verschiedenen Völkern« (Leipz.
1872); »Das Kind in Brauch und Sitte der Völker« (2. Aufl., Stuttg. 1882); »Das kleine Kind vom Tragbett bis zum ersten Schritt« (Leipz. 1881); "Zur Geschichte, Verbreitung und Methode der Frucht abtreibung« (das. 1883): »Geschichtlichesund Ethnologischesüber Knabenbeschneidung^ (das. 1885); -Das Weib in der Natur- und Völkerkunde« (das. 1884, 2 Bde.; 2. Aufl. von Bartels, 1887).
Podbiclsti, Eugen Anton Theophil von, preuß. General. Ihm zu Ehren wurde 1889 das niederschlesische Feldartillerieregiment Nr. 5 Feldartillerieregiment v. P. benannt.
^Podewils, 2) Philipp, Freiherr von, Gewehrtechniker, geb. 1809 zu Amberg, trat 1825 als Kadett in das 1. Artillerieregiment, wurde 1830 Unterleutnant und widmete sich seit 1836, nachdem er bei Schießversuchen einen Arm verloren hatte, der Waffent'.'chnik. Er trat 1839 in die Gewehrfabrik zu Amberg, leitete dieselbe seit 1853, trat 1876 als -Generalleutnant in den Ruhestand und starb 25. Nov.
1885 in Amberg. Er konstruierte einen gezogenen Vorderlader mit Expansionsgeschoß (N/58), welcher in Bayern u. andern deutschen Staaten eingeführt ward, und wandelte denselben 1868 zum Hinterlader um.
»Poelaert, Joseph, belg. Architekt, geb. 1816 zu Brüssel, führte dort eine Reihe von Monumental- und Privatbauten, unter andern die Kongreßsäule, das Theater de la Monnaie, die Katharinenkirche, die neue Kirche in Laeken, auf und begann daselbst 1866 sein Hauptwerk, den gewaltigen Justizpalast, im Stil altrömischer Monumentalbauten, dessen Vollendung er jedoch nicht mehr erlebte, da er 3. Nov. 1679 starb.
*Poilly lspr. pöaji), Francoisde, franz. Kupferstecher, geb. 1623 zu Abbeville, bildete sich in Paris unter P. Daret, dann in Rom, von wo er 1656 nach Paris zurückkehrte. 1664 wurde er ordentlicher Kupferstecher des Königs und starb 1693 in Paris. Er hat in strenger Manier über 400 Blätter nach Raffael,G Reni, P. Mignard, C. Lebrun, N. Poussin, PH. de Champagne u. a. gestochen.
"Poisfon (spr. pöassöng), Simeon Denis, Mothe« matiker, geb. 21. Jan. 1781 zu Pithiviers, erst Schüler der Pariser polytechnischen Schule, dann Repetent, 1802-15 Professor und 1815-40 Examinator an derselben, auch Professor der Mechanik an der Pariser Fakultät der Wissenschaften, Mitglied des Längenbüreaus, seit 1812 der Akademie und seit 1820 des Konseils des öffentlichen Unterrichts, von Napoleon baronisiert, seit 1837 Pair, starb 25. April 1840 in Paris. Von seinen zahlreichen Werken hat der »1>Hit6 äs in6eaniciU6« (Par. 1811, 2 Bde.) die weiteste Verbreitung gefunden.
*Pol de Mont (eigentlich K. M. Polydor de Mont), vläm. Dichter, geb. 15. April 1857 zu Wambeek in Brabant, besuchte das Seminar, später die Universität zu Mecheln, wurde Professor der niederländischen Sprache und Litteratur am Athenäum zu Tournai und später an dem zu Antwerpen. Er veröffentlichte die Dichtungen: »Epheuranken« (1877), »Wahrheit und Lebens (1877), »Iünglingsleben ^ (1878), »Aufgehende Sterne« (1879),' »Gedichte ^ (2. Aufl. 1884), »Lenzespafsen« (1881), »Loreley (1882), »Idyllen« (1884), »Auf meinem Dörfchen , Erzählungen (1885), »Flatternde Schmetterlinge (1885), »In Nord und Süo«, Idyllen(1888)und eine Biographie von Hendr. Conscience (Gent 1883).
Polen. Die Bevölkerung ist im I. 1887 auf 8,104,380 Seelen gestiegen/ wovon 6,113,000 Rö« misch - Katholische/ 388,223 Griechisch-Katholische, 439,677 Evangelische, 1,160,497 Juden waren. Die Griechisch-Katholischen sind am stärksten in den Gouvernements Sjedlez (21,8 Proz.) und Lublin (19,? Proz.), die Evangelischen am stärksten in den Gouvernements Petrokow (13,4) und Kaüsch (10 Proz.),