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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Seebär - Seebeck
erscheint das Wasser grün; nimmt die Klarheit des Nassers noch mehr zu, so reduziert sich der Überschuß der gelben Farbentöne, und die Grundfarbe des Wassers tritt wieder hervor. Das Wasser der Seen muß demnach hell erleuchtet sein, es muß das einfallende Licht zurückwerfen, indem es dasselbe nach allen Seiten zerstreut; grünes Wasser muß überdies heller sein als blaues, da das Licht einen welliger langen Neg durchläuft, bevor es zurückgeworfen wird. Messungen mit dem Photometer ergaben, daß der S., welcher die stärkste gelbe Färbung hat, am meisten erhellt ist. Setzt man das Licht des blauen Sees im Kanderthal - 1, so verhält sich dasselbe zu dem des grünen Vierwaldstätter Sees und des grüngelben Ärienzer Sees wie 1:1, :i4:1,2?2.
Die Seen bilden keinen bleibenden Schmuck einer Gegond, sondern sie sind mannigfachen Veränderungen bis zum völligen Verschwinden unterworfen. Seit der Eiszeit sind viele Seen in den Alpen ausgefüllt und bilden sogen.Trockenseen, andre haben seither bedeutend an Umfang und Tiefe verloren.
Erstere werden durch ebene Wiesen oder Torfmoore bezeichnet, die das Seewasser verdrängt haben, größere, wie der Voden-und Genfer S., lassen an den ausgedehnten De Uabildungen der einmündenden Flüsse erkennen, daß sie einem gleichen Schicksal in nicht zu ferner Zeit unterliegen werden. Neben der Einschlämnmng von Sinkstoffen durch Zuflüsse ist besonders auch eine schnellere Wasseradfuhr infolge Vertiefung der Abflußrinne die Veranlassung zur Trockenlegung eines Seebeckens. Es gibt aber auch Seebecken, in denen durch Austrocknung der Boden bloßgelegt ist. In solchen Fällen müssen Änderungen der klimatischen Zustände eingetreten sein, welche eine starke Verdunstung des Wassers bedingten. Stehen in einem abgeschlossenen Becken Wasserzufuhr und Verdunstung im Gleichgewicht, so werden die Wellen des Sees am Strande die Spuren ihrer Thätigkeit zurücklassen, hier in Form von Strandlinien, dort als Terrassen oder Strandwälle. Jeder Wechsel im Klima und besonders
gen der Seeoberfläche zur Folge, so daß sich die verschiedenen Strandbildungen (s.d., Bd. 17) in höherm ^er tieferm Niveau wiederholen. Dieselben sind somit ein wichtiges Kennzeichen von Klimaschwankungen, welche sich mit der Eiszeit vollzogen, und haben z. B. für den quaternären Bonneville- und Lahontansee zwischen dem Felsengebirge und der Sierra Nevada den Nachweis geliefert, daß zwei relativ feuchte Perioden mit hohem Wasserstand durch eine trockne Periode getrennt waren, in welcher der S. fast austrocknete. Fig. 4 der beifolgenden Tafel bringt die Htrandbildungen zur Anschauung, welche die Wellen des Bonnevillesees am Nordende des Oquirrhgebirqes nn Staat Utah zurückgelassen haben. Die Strandlinien und Terrassen, welche sich rund um den S. ziehen, sind in gleicher Weise auf festem Fels und an den alluvialen Kegeln der Flüsse ausgeprägt. Mit den Veränderungen im Wasserstand geht auch eine Vermehrung oder Verminderung des Salzgehalts vor sich, welche an der Hand der Fauna zu erweisen ist.
Die Seen treten entweder in Gruppen vereinigt auf, oder sie liegen vereinzelt da. Betrachtet man die Verbreitung der Seen über das Festland, so lassen sich gewisse Seeregionen unterscheiden, deren Charakter je nach der Entstehung der Seen ein verschiedener ist. Die Seen liegen in Küstenstrichen oder sind an Flußläufe geknüpft, am zahlreichsten sind sie in den «gebieten früherer Vergletscherung, am auffallendsten ist aber die Verteilung der Seen über die großen Ge birge. In den Alpen sind sie nur im zentralen Gebiet vertreten und erstrecken sich im W.von Lac du Bourget und Lac d'Annecy auf der Nordseite und dem Lago d'Orta wie Laa.o Magqiore im Süden bis zum Traunsee und Gardaseeim O. Die Gebirge der Pyrenäischen öalbinsel und die Pyrenäen selber sind seenlos wie die Karpathen und der Kaukasus, dagegen ist der ganze Norden und Nordwesten Europas in seinem gebirgigen Teil reich an echten Felsbecken wie Moränenseen. In Südamerika ist nur Patagonien durch Seereichtum ausgezeichnet, Nordamerika hat Alpenseen nur in den Gebirgen von Britisch-Columbia, die Alleghanies sind dagegen geradezu seenlos. Asien beherbergt Seen auf der Nordseite des Himalaja und im Thianschan. Das Gegenstück zu den Alpen bildet aber in Bezug auf Seenreichtum die Südinsel von Neuseeland. Vgl. Neumayr, Erdgeschichte, Bd. 1 (Leipz. 1887); F. v. Richthofen, Führer für Forschungsreisende (Verl. 1886).
Seebär (Bare, mundartlich - Welle), an der Küste der Ostsee eine plötzlich eintretende, mauerglich einherschreitende Flutwoge, die auf weite Strecken hin für längere oder kürzere Zeit ein Schwanken des Meeresspiegels zur Folge hat. Dieselbe tritt ohne jede Vorbereitung, selbst bei völliger Windstille auf, erhebt sich stellenweise bis zu einer Höhe von2 m und dringt die Flüsse aufwärts ein. Durch Betrachtung der gleichzeitig mit dem Phänomen herrschenden meteorologischen Zustände hat sich ergeben, daß die Seebären zu den als Seiches (s. d., Bd. 17) bekannten stehenden Vertikalschwingungen des Spiegels geschlossener Wasserbecken gehören. Die Erscheinung tritt im ganzen nur selten auf und ist zum letztenmal in der Ostsee 16./17,.Mai 1888 beobachtet worden. Vgl. R. Credner, Über den S. der westlichen Ostsee vom 16./17. Mai 1888 (in den »Beiträgen zur Landeskunde von Vorpommern und Rügen« 1888, Heft 5).
"Seelleck, Thomas. Physiker, geb. 9 April 1770 zu Reual, studierte in Berlin und Göttingen Medizin, lebte 1802 - 10 in Jena, dann bis 1.^12 in Baireuth und Nürnberg, wurde 1818 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin und starb daselbst 10. Dez. 1831. Er entdeckte 1822 die Thermoelektrizität, die Dämpfung der magnetischen Schwingungen durch die Induktion in körperlichen Leitern, die Farbenringe einachsiger Kristalle und schnell gekühlter und gepreßter Gläser im polarisierten Licht.
- Sein Sohn Ludwig Friedrich Wilhelm August, geb. 27. Dez. 1805 zu Jena, war seit 1829> Gymnasiallehrer und Lehrer an der Allgemeinen Kriegsschule in Berlin, habilitierte sich 1831 als Priv'atdozent an der dortigen Universität, wurde 1843 Direktor der technischen Bildungsanstalt in Dresden, 1849 Professor der Physik in Leipzig und starb 19. März d. I. in Dresden. Er arbeitete über die Erregung von Tönen mittels Wärme, über Zurückwerfung und Beugung des Schalles, Saiten- und Stabschwingungen, den Einfluß der Bewegung auf die Tonhöhe, über Interferenz und Beugung der Wärmestrahlen, über Polarisation des Lichts :c.
Auch lieferte er Untersuchungen über Farbenblindheit und über die Physiologie des Gehörs- und Gesichtssinns und konstruierte die nach ihm benannte Sirene. Er schrieb eine (lateinische) Monographie über den Pola'isationswiukel (Verl. 1830), eine Gedächtnisrede aus Volta (Dresd. u. Leipz. 18ltt) und Berichte über die Fortschritte der Akustik für Dones »Revertorunn der Physik«, Bd. 6 u. 8 (Berl.
1842 u. 1849).