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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Tiergeographie (tiergeographische Landregionen)
den pelagischen Fauna ins Auge gefaßt wird (s. Meeresfauna, Bd. 17).
Das Studium der Verbreitung der Wirbeltiere hat mehrfach zur Einteilung der Erde in große zoogeographische Bezirke geführt, unter welchen die von Wallace aufgestellten Regionen sich auch heute noch des allgemeinsten Beifalls erfreuen, mit der Einschränkung, daß neuerdings von den meisten Zoogeographen die nördlichsten Teile der paläarktischen und nearktischen Region abgetrennt und als arktische Zirkumpolarregion zusammengefaßt werden. Im Süden entspricht dieser Region die von Reichenow vorgeschlagene antarktische Zirkumpolarregion. Mit den erwähnten Abänderungen an den großen Wallaceschen Regionen sind es deren acht: arktische Zirkumpolarregion, paläarktische Region, äthiopische Region, orientalische Region, nearktische Region, neotropische Region, australische Region, antarktische Region. In der Zerlegung dieser großen primären Bezirke in geographische Verbreitungsbezirke sekundärer, tertiärer :c. Bedeutung gehen die Ansichten rasch auseinander je nach dem Studium der Verbreitung verschiedener Gruppen. Nur einzelne Unterabteilungen, wie die madegassische oder neuseeländische, haben allgemeine Geltung. Statt der Bezeichnung Region« für die primären Bezirke, die in Subregionen« zerfallen, werden erstere auch »Zonen« oder Reiche- genannt, in welchem Fall dann Region den Unterbezirk bezeichnet. D^e Verbreitung der Säugetiere läßt die acht Regionen als gleichwertig erscheinen, das Studium der Verbreitung der Vögel dagegen führt nach Reichenow zu anderm Resultat. Die arktische Region erscheint auch in diesem Fall als selbständige Region, ebenso die antarktische und die australische (= südliche) Region. Die übrigen Faunengebiete der Erde aber faßt Reichenow besonders mit Rücksicht auf die Herkunft ihrer Avifauna in andrer Weise auf, als dies auf Grund der Verteilung der Säugetiere geschieht. Die nearktische und neotropische Region werden von ihm zu einem großen Komplex, der westlichen Region, vereinigt, deren Unterabteilungen sie bilden, und in gleicher Weise sind das paläarktische, orientalische und äthiopische Faunengebiet (letzteres mit Ausschluß Madagaskars) nur Unterabteilungen einer großen faunistischen Region, die Reichenow als östliche bezeichnet. Madagaskar bildet wegen seiner eigentümlichen Fauna mit den Maskarenen, Komoren und Seschellen in dieser Auffassung eine eigne, den übrigen großen Komplexen gleichwertige, tiergeographische Region.
Erklärung der beifolgenden Karten.
Von beifolgenden Karten zeigt die erste die acht großen Verbreitungsregionen der landbewohnenden Tiere. Auf den folgenden 11 ist die Verbreitung der Säugetiere dargestellt. Um eine Überfüllung zu vermeiden, konnten bei den familienreichern Ordnungen nur die wichtigsten Familien besonders markiert werden, während unwichtigere mit andern vereint wurden oder auch ganz außer acht gelassen werden mußten. Von allgemein bekanntern Tieren der einzelnen Familien ist die Verbreitung derselben noch außerdem in der Weise dargestellt, daß der (soweit thunlich) deutsche Name der Tiere innerhalb seines Verbreitungsbezirks eingetragen wurde, wobei durch Unterstreichen des Namens mit der betreffenden Farbe die Zugehörigkeit der einzelnen Tiere zu den großen Gruppen, deren Verbreitung angegeben ist, gekennzeichnet wurde. Im folgenden Ergänzungsband (Band 18) werden auf weitern 11 Karten die übrigen Wirbeltiere (mit Ausnahme der Fische) be handelt werden. Die letzte Karte wird die Einteilung der Meere in einzelne Distrikte darstellen.
[Tafel l, Karte 1: Tiergeographische Landregionen.] a) Arktische Zirkumpolarregion; umfaßt die nördlichsten Teile der Alten und Neuen Welt; ihre Südgrenze wird gebildet durch die Nordgrenze des Baumwuchses; nördlich verliert sie sich in die Nordpolarregion, zu ihr gehören Grönland und alle Inseln des Nördlichen Eismeers. Die Verbindung zwischen den Teilen der Alten und Neuen Welt erfolgt an der schmalen Beringsstraße. Sie stellt ein einheitliches, in keine Unterregionen zerfallendes Gebier dar, zoologisch gekennzeichnet durch eine artenarme, aber charakteristische Fauna, die sich der Mehrzahl nach über das ganze Gebiet verbreitet, b) Paläarktische Region (östliche gemäßigte Region); umfaßt ganz Europa mit Ausschluß des nördlichsten Teils, Asien mit Ausschluß des nördlichsten und südlichsten Gebiets und den nördlichsten Teil Afrikas. Sie stößt nördlich an den europäisch-asiatischen Teil der Polarregion, südlich an die äthiopische und orientalische Region. Die großen Verschiedenheiten, die Klima, Bodenbeschaffenheit und Vegetation innerhalb dieser über 45 Breiten- und 150 Längengrade sich erstreckenden Region ausweisen, sowie der leicht mögliche Austausch ihrer Fauna mit der Fauna der südlich mit breiten Grenzen anstoßenden äthiopischen und orientalischen Region läßt eine größere Anzahl Subregionen unterscheiden. Trotz der großen Ausdehnung ist die paläarktische Region sehr arm an charakteristischen Tierformen. c) Die äthiopische Region; umfaßt ganz Afrika mit Ausnahme des nördlichsten, zur paläarktischen Region gehörigen Teils; diese scharf umschriebene Region enthält eine Anzahl Charaktertiere, wie Flußpferd, Giraffe, Antilopen, bestimmte Assen, Strauße, Pisangfresser, Perlhühnern.a. Zu ihr gehört auch Madagaskar; meist als eine scharf charakterisierte Sulregion aufgefaßt, unterscheidet sich diese Insel nebst den Maskarenen und Komoren so wesentlich in ihrer Fauna von allen übrigen Gebieten, daß sie auch als eigne Region, madegassische Region, angesehen werden kann. Hier ist die Heimat der Halb äffen, des einer ganzen Reihe charakteristischer Vögel, d) Die orientalische Region; umfaßt Vorder- und Hinterindien, Südchina bis Schanghai, Ceylon, Sumatra, Java, Borneo, die Philippinen und Formosa. Trotz ihrer geringen Ausdehnung zeigt diese unter den Tropen liegende Region eine sehr mannigfache Fauna, von deren Charakterformen der indische Elefant, Rhinozeros, Tiger, Flattermaki, Spitzhörnchen, Moschushisch, Pfau, Argusfasan, Kammhuhn, Edelsittich hervorgehoben sein sollen. Unter den verschiedenen Subregionen, in welche diese Region geteilt ist, unterscheidet sich die indomalaiische Subregion (Halbinsel Malakka, Sumatra, Java, Borneo, Philippinen) wesentlich von den übrigen. e) Nearktische Region (westliche gemäßigte Region); umfaßt Nordamerika von der südlichen Grenze der arktischen Region an bis Nordmexiko inklusive und bis zum Golf von Mexiko. Der Charakter der Fauna nähert sich dem der Fauna der östlich gemäßigten Region, indem besonders bei den Säugetieren sich in beiden Regionen sehr nahe verwandte, ja zum Teil dieselben Formen finden; bei den Vögeln treffen wir zwar auch korrespondierende Gruppen, doch weichen dieselben bedeutender ab, und durch Einwanderung tropischer Formen aus dem Süden erhält die nearktische Avifauna ein andres Gepräge als die paläarktische. f) Die neotropische Region; umfaßt Süd-^[folgende Seite]