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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wehl - Wein
und Privatdozent an der Universität daselbst, 1873 Professor am Gymnasium in Bamberg, 1882 Studienrektorin Passau, 1886 am Maximilians-Gymnasium in München und 1887 zugleich Mitglied des obersten Schulrats. W. hat sich besonders um die griechischen Tragiker verdient gemacht. Zu Äschylos veröffentlichte er eine kritische Ausgabe der Werke (Berl. 1885), eine Ausgabe des Prometheus mit deutschem Kommentar (2. Aufl., Leipz. 1878), ebenso der Orestie (das. 1888) und »Studien zu Äschylos« (Berl. 1872); zu Sophokles eine Ausgabe der Werke mit deutschem Kommentar (Münch. 1874-84, 7 Bdchn.;3. Aufl. seit 1889) und »Ars Sophoclis emendandi« (Würzb. 1869); zu Euripides eine Ausgabe ausgewählter Tragödien (Leipz, 1874-85, 4 Bdchn., z. T. in 2. Aufl.) und »Studien zu Euripides« (das. 1874). Außerdem heben wir hervor: »Die Sophisten und die Sophistik nach den Angaben Platos« (Würzb. 1866) und »Curae epigraphicae« (Leipz. 1869).
Wehl, Feodor (F. v. Wehlen), Schriftsteller, starb 22. Jan. 1890 in Hamburg.
*Weissenbach, Ernst Wilhelm, protest. Theolog, geb. 25. Mai 1842 zu Hornheim (Rheinhessen), studierte in Gießen, Utrecht, auf dem Predigerseminar in Friedberg und in Heidelberg, habilitierte sich 1868 an der theologischen Fakultät zu Gießen, wurde 187I daselbst außerordentlicher Professor der Theologie, 1882 Professor am Predigerseminar zu Friedberg. Er schrieb: »Exegetisch-theologische Studie über Jacobus Kapitel 2, Vers 14-26« (Gieß. 1871); »Der Wiederkunftsgedanke Jesu« (Leipz. 1873); »Das Papiasfragment bei Eusebius« (Gieß. 1874); »Die Papiasfragmente über Markus und Matthäus« (Berl. 1878); »Zur Auslegung der Stelle Phil. 2, 5-11« (Karlsr. 1884); »Gemeinde-Rechtfertigung oder Individual-Rechtfertigung« (Friedb. 1887).
*Weihgeschenke, im griechischen Altertum Gaben Einzelner wie ganzer Gemeinden, welche aus Anlaß eines glücklichen Ereignisses den Göttern dargebracht wurden und im Innern oder an den Außenseiten von Tempeln oder in heiligen Bezirken ihren Platz fanden. Die W. der Privatleute richteten sich nach dem Wohlstand. Sie wurden gewöhnlich nach einer glücklich «verstandenen Gefahr oder nach der Genesung von einer Krankheit gespendet und bestanden aus Edelmetall, Bronze, Thon, Wachs etc. Die von einer Krankheit Genesenen pflegten Nachbildungen der erkrankten Körperteile in den genannten Materialien zu weihen (vgl. auch Votivtafel, Bd. 16). Auch weihten Handwerker ihre Werkzeuge, Landleute ihre Geräte, Krieger ihre Waffen, und allgemein war die Sitte, das Haupthaar abzuschneiden und der Gottheit zu weihen. Jungfrauen pflegten vor der Vermählung ihren Gürtel der jungfräulichen Artemis zu weihen, und sehr beliebt war es auch, alten Kultusbildern Kleidungsstücke, Schmucksachen, kostbare Gewebe u. dgl. m. zu weihen. Die W. der Städte, Fürsten und Gemeinden wetteiferten miteinander an Kostbarkeit und Größe. Dreifüße und Schilde, welche in den Giebeln der Tempel aufgestellt oder zwischen den Triglyphen des Frieses aufgehängt wurden, waren allgemein übliche W. für errungene Siege. Olympia, Delphi und die Akropolis von Athen waren bevorzugte Orte zur Aufstellung von Weihgeschenken, die auch noch unter den römischen Kaisern"damit bedacht wurden. Geschichtlich berühmte Weihgeschenke und Stiftungen sind der goldene, auf einer ehernen, noch jetzt in Konstantinopel vorhandenen Schlangensäule (s. d.) stehende Dreifuß, welchen die Griechen nach der Schlacht bei Platää (479 v. Chr.) dem Apollon zu Delphi weihten, die Erzfigur der Athene Promachos von Pheidias auf der Akropolis zu Athen, von den Athenern nach der Schlacht bei Marathon gestiftet, eine erzene, vergoldete Palme mit dem Bilde der Athene davor, welche die Athener nach der Besiegung, der Perser am Eurymedon nach Delphi sandten, die vier Kämpfergruppen, welche Attalos I. von Pergamon nach seinem Sieg bei Sardes über die Kelten auf der Akropolis in Athen stiftete, und der große, noch in Trümmern (in Berlin) erhaltene Zeusaltar mit der Gigantenschlacht, welche derselbe Fürst und sein Sohn Eumenes II. aus gleichem Anlaß in Pergamon erbauen ließ. W. von Privatleuten sind zahlreich bei den Ausgrabungen in Olympia, Athen und an andern Orten gefunden worden. Vgl.Reisch, Griechische W. (in den Abhandlungen des archäologisch-epigraphischen Seminars der Universität Wien, 1890).
Wein. Bei der Beurteilung des Weins kommt in erster Linie stets Geschmack und Geruch in Betracht. Die Chemie vermag nicht die einzelnen Sorten der verschiedenen Weinklassen, noch viel weniger die Jahrgänge zu unterscheiden, es sei denn, daß Vergleichungsobjekte vorlägen, wo es sich dann nur um Feststellung der Identität handelt, was sehr leicht auszuführen ist. Aber auch hierbei wird immer noch die Zunge mitzuwirken haben. Die chemische Untersuchung hat es in der Regel lediglich mit Konstatierung der Reinheit zu thun, und auch hier liegen Schwierigkeiten vor, da für die Beurteilung der gewonnenen Resultate verschiedene Standpunkte zulässig sind. Eine von der Reichsregierung einberufene Kommission von Fachmännern hat 1884 einheitliche Methoden der Weinuntersuchung festgestellt, aus welchen im folgenden das Nichtigste wiedergegeben wird. Das spezifische Gewicht des Weins (eine bei demselben W. allmählicher Änderung unterworfene Größe) wird mit Hilfe des Pyknometers oder der Westphalschen Wage bestimmt. Zur Bestimmung des Alkoholgehalts destilliert man von 50-100 ^^ W. etwa zwei Drittel ab und berechne: aus dem spezifischen Gewicht mit Hilfe der Tabellen von Baumhauer oder Hehner den Alkoholgehalt. (Schneller als diese direkte Methode führt die indirekte zum Ziel: Man ermittelt das spezifische Gewicht des Weins, verdampft bis zur Verjagung des Alkohols, verdünnt auf das ursprüngliche Volumen und bestimmt abermals das spezifische Gewicht. Die Differenz vom spezifischen Gewicht des Wassers abgezogen, gibt das spezifische Gewicht des Weins ohne Extrakt, woraus sich mit Hilfe der Tabellen leicht der Alkoholgehalt berechnen läßt. Ebenso liefert das spezifische Gewicht des entgeisteten Weins die Grundlage zur Berechnung des Extraktgehalts.) Zur direkten Bestimmung des Extrakts werden 50 ccm W. im Wasserbad verdampft, der Rückstand 2^2 Stunden im Wassertrockenschrank erhitzt und gewogen. Diese Extraktbestimmung erfordert des Glyceringehalts halber sehr genaue Einhaltung der festgestellten Vorschrift. Zur Bestimmung des Glycerins werden 100 ccm W. auf 10 ccm verdampft, mit Quarzsand und Kalkmilch versetzt und zur Trockne verdampft. Den Rückstand erschöpft man mit 100-200 ccm Alkohol, verdampft dann den Auszug bis zur zähflüssigen Konsistenz, nimmt ihn mit 10 ccm absolutem Alkohol auf, mischt mit 15 ccm Äther, verdampft die klare Flüssigkeit, bis sie nicht mehr leicht stießt, und trocknet noch eine Stunde im Wassertrockenschrank. Bei Süßweinen wird das Verfahren etwas modifiziert. Die freien Säuren titriert man mit