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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Zonentarife der Eisenbahnen - Zucker

Verunreinigungen absetzen. Vor dem Eintritt in die Zisterne läßt man das Wasser ein Filter passieren, welches aus zwei Wänden aus Messingaze mit einer zwischen diesen liegenden Sandschicht besteht. Troh aller Vorsichtsmaßregeln setzt das Regenwasser stark ab,so daß die Zisterne öfter gereinigt werden muß. Die Anbringung einer filtrierenden Sandschicht am Boden der Zisterne und einer tiefern Schöpfstelle in einer Ecke ist nicht empfehlenswert, weil bei der schweren Zugänglichkeit des Filters die Reinigung unterbleibt und das Wasser erst recht verschlechtert wird. Muß das Nasser filtriert werden, so baut man zweckmäßig eine Zisterne aus zwei konzentrischen Brunnen, läßt das Wasser in den äußern Ring fließen und sammelt das filtirierte Wasser in dem innern Naum. Als Filter dient der zwischen der äußern und innern Brunnenwand befindliche ringförmige Raum.

Zonentarife der Eisenbahnen, s. Eisenbahn-Personengeldtarife (Bd. 17).

Zoozmann, Richard, Dichter, geb. 13. März 1863 zu Berlin, verlebte einige Jahre in Brandenburg, besuchte dann das Luisenstädtische Realgymnasium in Berlin, trat in ein Bankgeschäft ein, ward durch Emanuel Geibel zur Pflege seines lyrischen Talents angeregt und veröffentlichte nacheinander die Gedichtsammlungen: »Minneborn« (2. Aufl., Berl. 1882), »Lieder, Romanzen und Balladen« (das. 1884), Neue Dichtungen« (das. 1886), »Märchen« (Norden 1889), das Drama »Die Salier« (das. 1889), »Betrogene Betrüger« ein Venezianer Karnevalspoem (Berl. 1889), »In Klios und Eratos Banden«, Gesamtausgabe älterer und neuerer Gedichte (Norden 1889), die allesamt eine frische Phantasie und Begabung für edle Form bekunden, obschon sie eine ausgeprägte Individualität noch nicht erkennen lassen.

Zoepffel, Richard, protest. Theolog, geb. 14. Juni 1843 zu Arensburg in Livland, studierte Theologie zu Dorpat, danach seit 1868 Geschichte zu Göttingen, wo er 1870 Repetent ward, ging 1872 als außerordentlicher Professor der Theologie nach Straßburg und wurde daselbst 1877 zum ordentlichen Professor ernannt. Er schrieb: »Die Papstwahlen und die mit ihnen im nächsten Zusammenhang stehenden Zeremonien in ihrer Entwickelung vom 11.-14. Iahrhnndert« (Götting. 1871) und (gemeinsam mit Holtzmann) »Lexikon für Theologie und Kirchenwesen« (2. Aufl., Braunschw. 1888 ff.).

Zorn von Bulach, Hugo, Freiherr von, elsäss. Politiker, geb. 8. Febr. 1851, wurde auf einer Jesuitenanstalt erzogen, besuchte die Universität Straßburg und die landwirtschaftliche Akademie zu Hohenheim, war während des Kriegs von 1870/71 Leutnant in der französischen Mobilgarde, ward 1878 Mitglied des Bezirkstags von Unterelsaß, 1879 des Landesausschusses und 1881 Mitglied des deutschen Reichstags, in welchem er zur elsaß-lothringischen Fraktion gehörte.

Zwar ward er 1887 nicht wieder gewählt, weil er sich für das Septennat erklärt hatte, siegte jedoch bei den Wahlen 1890 und trat im Reichstag der konservativen Fraktion bei. Er widmete sich mit großem Eifer der Fürsorge für die Landwirtschaft, welche er selbst auf feinem Gut Osthausen im Kreis Erstein betreibt, und ward 1888 zum Vorsitzenden des Landwirtschaftsrats ernannt. Ohne Voreingenommenheit gegen die deutsche Herrschaft suchte er vor allem das Wohl seines engern Vaterlandes zu fördern. - Sein Vater Franz, Freiherr Z.v.B., geb.15. Juli 1828, ehemals Kammerherr des Kaisers Napoleon III. und Deputierter des Niederrheins, dann Vizepräsident des Landesausschusses von Elsaß-Lothringen,

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Mitglied des Staatsrats und des Bezirkstags des Unterelsaß, starb 14. April 1890 in Osthausen bei Erstem.

Zucker. Der in Pulverform in den Handel kommende Z. ist bisweilen mit Schwerspat, Gips, Kreide, Mehl verfälscht. Diese Stoffe bleiben bei Behandlung der Ware mit Wasser ungelöst zurück und können leicht erkannt werden. Verfälschung mit Dextrin ist durch einen Gärversuch nachzuweisen: nach der Gärung polarisiert die Flüssigkeit nach rechts. Anwesenheit von Stärkezucker ergibt sich beim Erhitzen der Lösung mit einigen Tropfen Fehlingscher Lösung durch Ausscheidung von rotem Kupferoxydul. Diese Reaktion wird aber durch Invertzucker hervorgebracht, welcher als Verunreinigung des Zuckers zu betrachten ist. Das Mikroskop belehrt über Anwesenheit von vegetabilischen Substanzen (Bruchstücke von Zuckerrohr, Nadelholzpulver etc.), Schimmelpilzen, Milben etc. Bei der quantitativen Untersuchung des Zuckers benutzt man am besten einen Polarisationsapparat (Soleil-Ventzke-Scheibler, Halbschattenapparat, Polaristrobometer). Weniger genaue Resultate ergibt die Ermittelung des spezifischen Gewichts der Lösung mit dem Aräometer (Saccharometer), Pyknometer oder der Westphalschen Wage. Zur Wasserbestimmung trocknet man 10 ccm Z. bei 100 - 110°, zur Bestimmung der Asche verkohlt man 30 g Z. im Platinschälchen mit konzentrierter Schwefelsäure und verascht die Kohle. Ist der Z. mechanisch mit mineralischen Substanzen verunreinigt, so löst man 30 g zu 100 oem, filtriert, verdampft 10 ccm der klaren Lösung und behandelt den Rückstand wie vorher. Zur Bestimmung des Invertzuckers löst man 25 g Z. unter Zusatz von Bleiessig zu 100 ccm, filtriert, versetzt 60 ccm vom Filtrat mit Natriumcarbonat oder -Sulfat, füllt zu 75 ccm auf und benutzt 50 ccm zur Zuckerbestimmung mit Fehlingscher Lösung. Da die Angaben des Polarisationsinstruments in merklichem Grade durch andre optisch aktive Bestandteile des Zuckers beeinflußt werden und die im Rohrzucker enthaltenen Nichtzuckerstoffe bei der Raffination mehr oder minder ungünstig ans die Ausbeute wirken, so pflegt man im Rohzuckerhandel aus den Angaben über die Menge der einzelnen Bestandteile eine der praktischen Erfahrung möglichst entsprechende theoretische Ausbeutezahl, den Raffinationswert oder das Rendement, zu berechnen und dieses den Preisen zu Grunde zu legen. Diese Zahl wird erhalten durch Verminderung der am Polarisationsapparat gefundenen Zahl (»Polarisation«) um das Fünffache der gefundenen Salzmenge (Aschengehalt der Zuckerlösung) und das Doppelte der Invertzuckermenge. Handelsusance ist es, eine bestimmte Zahl für Polarisation oder Rendement als Basis zu nehmen und einen größern oder geringern Gehalt pro Zehntelprozent und Zentner zu vergüten: in Deutschland pflegt diese Basis für reinere Produkte 96 und 95 Proz. Polarisation, für unreinere 82 oder 75 Proz. Rendement zu sein. Für die Untersuchung auf Invertzucker hat eine vom Verein für die Rübenzuckerindustrie des Deutschen Reichs niedergesetzte Kommission 1885 ein besonderes Verfahren empfohlen, welches von der Versammlung der Handelschemiker angenommen worden ist.

Hygienisches. Die Arbeit in den Zuckerfabriken bietet keine sehr erheblichen Schädlichkeiten, wenn man von denjenigen absieht, die sich bei jedem Industriezweig, der mit Maschinen, Dampfkesseln, heißen Flüssigkeiten etc. zu thun hat, wiederholen. Anhaltende Einwirkung von Nässe, Einatmung von Gasen und Dämpfen (Ammoniak bei der Scheidung, Kohlen-