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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Anilin; Anlauffarben

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Anilin - Anlauffarben.

2¼ Mill. Mk. hergestellt. Das Budget für 1890/91 ist festgestellt wie folgt: eigne Einnahmen und Ausgaben 10,610,000 Mk.; Einnahmen und Ausgaben für das Reich 6,681,000 Mk.

^[Liste]

Eigne Einnahmen:

Domanialverwaltung 3041873 Mk.

Steuerverwaltung 2403242

Von Bergwerken 3667560

Sporteln und Nebeneinnahmen 939038

Insgemein 8975

Außerordentliche Einnahmen 549312

Eigne Ausgaben:

Allgemeine Staatsverwaltung 1529377

Zur Staatsschuld 263000

Justizverwaltung 669310

Inneres 2558085

Finanzverwaltung 3079689

Auseinandersetzungsbehörden 4640

Kultus 157380

Renten 350394

Pensionen 519251

Bauwesen 380202

Insgemein 11284

Außerordentliche Ausgaben 1087388

Einnahmen für das Reich:

Zölle 800000

Rübenzuckersteuer 4900000

Branntweinsteuer 674000

Brausteuer 229500

Tabaksteuer 58500

Salzsteuer 6000

Reichsstempelabgaben 13000

Die Steigerung der Ausgaben gegenüber dem Vorjahr (um 390,000 Mk.) ist besonders durch die Erhöhung der Matrikularbeiträge (um 214,000 Mk.) und der Betriebskosten des Salzwerks Leopoldshall (um 258,000 Mk.) verursacht worden. Diesen Mehrausgaben stehen erhebliche Minderausgaben nur im Bauwesen (102,000 Mk.) gegenüber. Das Mehrerfordernis wird durch die Steigerung einzelner Einnahmeposten (Einkommensteuer um 100,000, Ertrag von Leopoldshall um 138,000, Anteil an den Reichssteuern um 90,000 Mk.) gedeckt. Unter den Steuern sind die direkten auf 595,418, die indirekten auf 109,425 Mk. veranschlagt. Die an das Reich abzuführende Summe weicht nur unwesentlich von der vorjährigen ab, da gegenüber einem Mehrertrag der Zölle von 212,000 Mk. ein Minderertrag der Rübenzuckersteuer von 223,000 Mk. angenommen wurde. Die Staatsschuld belief sich Ende Juni 1890 auf 2,683,188 Mk., blieb aber hinter den Aktiva (4,564,054 Mk.) um 1,880,866 Mk. zurück.

Anilin, s. Pyoktanin.

Anlauffarben lassen sich durch Erhitzen von Stahl auf einem glühenden Blech, im Sandbad oder im Metallbad nicht mit wünschenswerter Vollkommenheit erzeugen. Nach den in der Physikalisch-technischen Reichsanstalt angestellten Untersuchungen über A. gelingt dagegen deren Hervorrufung sehr gut in einem Luftbad, wenn man dieses, einen geschlossenen Cylinder aus Eisenblech, in einen ähnlichen größern Cylinder mit Siebboden steckt, den ringförmigen Raum zwischen beiden Cylindern oben mit einer Platte bedeckt, die mit beliebig verschließbaren Löchern versehen ist, und den innern Cylinder mit einer Glasplatte verschließt. Der Apparat wird dann über Gas- oder Kohlenfeuer erhitzt. Handelt es sich für wissenschaftliche Zwecke um genauere Einhaltung der Temperatur, so wird das Luftbad in Dämpfen schwer siedender Mineralöle erhitzt. Zur Benutzung des Apparats heizt man ihn für Stahl oder Eisen aus 200°, für Kupfer auf 120, für Messing auf mehr als 200° an, legt oder hängt den betreffenden Gegenstand hinein und bringt ihn nach Entstehung der gewünschten Farbe auf eine große Metallplatte (Stahl, Eisen), oder taucht ihn in kaltes Wasser (Kupfer, Messing). Die Oberfläche der anzulassenden Gegenstände muß möglichst blank und glatt, auch völlig fettfrei sein. Ein Fettüberzug bewirkt gewissermaßen ein Voreilen der Färbung, so daß die eine (gefettete) Hälfte einer Stahlplatte dunkelblau anläuft, während die andre (reine) Hälfte unter gleichen Verhältnissen nur orangefarben erscheint. Die dunklere Färbung rührt von Rückständen des Fettes her und verschwindet, wenn man die Platte in Kalilauge legt, so daß sie nun gleichmäßig orangefarben sich zeigt. Erhitzt man die halbgefettete Platte über Dunkelblau hinaus, bis sie hellblau wird, so verschwindet der Farbenunterschied, weil bei der höhern Temperatur die Fettrückstände sich verflüchtigen. Der Fettüberzug kann also zu Täuschungen führen, vielleicht ist er aber auch für Zierzwecke verwendbar, wenn man einzelne Teile von Ornamenten einfettet, um auf demselben Stück zwei A. nebeneinander zu erhalten.

Die Praxis unterscheidet bei Stahl als A. Hellgelb, Dunkelgelb, Orange, Purpur, Violett, Dunkelblau, Hellblau, Meergrün oder Grau. In der That sind aber viel mehr Farben beim Stahl vorhanden. Macht man einen Stab aus gut leitender Unterlage an einem Ende glühend und erhitzt, bis am andern Ende eben noch ein schmales Stück in der Naturfarbe übrigbleibt, so sieht man vor dem Hellgelb noch ein Blaßgelb, hinter dem Meergrün aber erscheint wieder ein Gelb, und von da an treten zum zweitenmal die vorher genannten Farben in derselben Folge auf; nur sind sie näher aneinander gerückt und haben einen etwas grauen Ton. An diese Farbenreihe schließt sich zuletzt wieder ein schwaches Graugelb an, welches den Anfang einer dritten Reihe bildet. So läßt sich noch eine vierte und fünfte Farbenreihe unterscheiden, doch werden die sie bildenden Bänder immer schmäler, auch heben sich hier mit Sicherheit nur noch Rot und Grün voneinander ab. Diese fünf Farbenreihen entsprechen genau denjenigen der Newtonschen Ringe. Die Luftschicht, welche bei letztern wirkt, ist bei den A. durch die dünne Oxydschicht, die sich beim Erwärmen auf der Oberfläche des Metalls bildet, vertreten, doch tritt hier noch der Einfluß der Grundfarbe der Metalloberfläche hinzu. Bei der Vergleichung der Farbenbänder bemerkt man, daß diese auch in einer und derselben Reihe sehr ungleiche Breiten besitzen, wobei vielfach früher auftretende Farben schmälere Bänder bilden als spätere, höhere Farben. Dies ist für die Praxis von Wichtigkeit: je breiter das Band einer Farbe erscheint, um so leichter ist diese Farbe beim Anlaufenlassen großer Stücke festzuhalten. Bei Stahl haben übrigens für die Praxis nur die Farben der ersten Reihe Bedeutung, bei andern Metallen kommen vielfach auch Farben der spätern Reihen in Betracht.

Bei der Feststellung der Abhängigkeit des Eintritts der einzelnen A. des Stahls von dem Grade und der Dauer seiner Erwärmung wurden Vollcylinder, welche in leichtflüssiger Legierung schwammen, und mit einer tiefen zentralen Bohrung versehene Cylinder angewandt. Im letztern Fall nahm die Bohrung die leichtflüssige Legierung auf, und in beiden Fällen wurden in letztere die Thermometer getaucht. Man benutzte zu den Versuchen englischen und deutschen Werkzeugstahl und einen Stahl mit 3,5 Proz. Wolfram und zwar jede Sorte im gehärteten und im ungehärteten Zustand. Es ergab sich, daß der Eintritt