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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Archäologische Litteratur

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Archäologische Litteratur (1885-90).

wie es sich gerade darbietet, hat das Deutsche Institut begonnen, einen großartigen Plan zu verwirklichen: den gesamten Denkmälerschatz des Altertums nach Gegenständen geordnet in Serienpublikationen zu vereinigen. Erschienen sind in den letzten Jahren 3 Bände des Sammelwerks der Terrakotten, 2 Bände der Sarkophagreliefs, eine Lieferung der von der Wiener Akademie unter Leitung von Conze herausgegebenen Sammlung aller griechischen Grabreliefs. Letzteres wird eins der schönsten archäologischen Sammelwerke werden, welche es überhaupt gibt, zumal da die Grabreliefs zu den anmutigsten Schöpfungen des griechischen Geistes gehören; auch die etruskischen Spiegel (Gerhard, Körte) werden gesammelt. In Vorbereitung ist eine Sammlung sämtlicher Münzen zu einem Corpus Nummorum. Ähnlichen Zwecken dienen private Unternehmungen, so die lieferungsweise im Erscheinen begriffenen »Hellenistischen Reliefs«, die Th. Schreiber herausgibt, und die »Denkmäler griechischer und römischer Skulptur in historischer Anordnung« von H. Brunn. Ein griechisches Unternehmen von hohem Reiz: »Die Museen Athens« von Kavvadias-Rhomaides ist nach zwei schönen Lieferungen ins Stocken geraten.

III. Reisewerke und Ähnliches. An diese nach bestimmten Gesichtspunkten geordneten Sammelwerke schließen sich die Reisewerke an. Hier ist in erster Linie Kleinasien zu nennen, für welches namentlich von den Österreichern viel gethan wird. So erschien bereits 1885 ein Prachtwerk: »Reisen in Lykien und Karien«, von Benndorf und Niemann, das später durch ein zweites, prächtig ausgestattetes: »Das Heroon von Gjölbaschi-Trysa«, von Benndorf ergänzt wurde. Es bringt eine große Zahl der an diesem Denkmal gefundenen Reliefs, die, aus dem 4. Jahrh. v. Chr. herrührend, meistenteils Szenen des troischen Sagenkreises darstellen (jetzt im Wiener Museum). 1889 erschien »Reisen im südwestlichen Kleinasien« (Lykien, Milyas und Kibyratis), von Petersen und Luschan. Die Krone von allen aber in Wiedergabe der Landschaft und der Architektur ist das von Niemann mitbearbeitete Werk des Grafen Lanckorónsky: »Städte Pamphyliens und Pisidiens«. Das große Werk über Pergamon ist um einen neuen Band bereichert: »Altertümer von Pergamon«, Bd. 8, Inschriften bis zum Ende der Königszeit enthaltend (1890). Die weitere Umgebung behandelt v. Diest in der Schrift: »Von Pergamon über den Dindymos zum Pontus« (1890). Mit der mythischen Vorgeschichte beschäftigt sich großenteils Thrämers »Pergamos« (1888). Eine pergamenische Landstadt schildert Bohn, »Pergae« (1889). An Inschriften reich ist das von den Amerikanern herausgegebene Werk »An epigraphical journey in Asia minor«, von Sittlington-Sterret.

Über den Hügel von Hissarlik, die Stätte, wo sich die Homerischen Sänger die Lage Trojas dachten, erschienen in Zeitungen und besondern Sendschreiben vielerlei Streitartikel von Ernst Bötticher, welcher in Schliemanns Troja eine Feuernekropole erblickte, und Repliken seiner Gegner. Zusammengefaßt hat schließlich Bötticher seine Meinungen in zwei Schriften: »La Troie de Schliemann, une nécropole à incinération« (1889), und, nachdem er selbst an Ort und Stelle gewesen, in der Schrift »Hissarlik wie es ist« (1890). Hätte er länger dort bleiben können, so wäre er möglicherweise von seiner Theorie ganz abgekommen, er stellt wenigstens in der letzten Schrift einen Teil wichtiger Dinge völlig anders dar als vor seiner Anwesenheit an Ort und Stelle. Schliemanns Berichte in seinem Buch »Ilios« waren auch zu mangelhaft, als daß irgend jemand sich hätte ein völlig klares Bild machen können. Schliemanns gesamte Ausgrabungen, also auch die von Troja, behandelt in sehr übersichtlicher, gemeinverständlicher Darstellung ein Buch von Schuchhardt: »Schliemanns Ausgrabungen in Troja, Tiryns, Mykenä, Orchomenos, Ithaka, im Lichte der heutigen Wissenschaft« (1890). Doch gibt der Bericht über Troja zu manchen Bedenken Anlaß. Südlicher führt uns das neueste deutsche Reisewerk von Humann und Puchstein: »Reisen in Kleinasien und Nordsyrien« (1890). Lange erwartet endlich wurde ein Unternehmen, dessen erste Lieferung jetzt vorliegt: die Spezialkarte vom westlichen Kleinasien von Kiepert (1890).

Über Babylonien und Persien handeln verschiedene Werke von Herrn und Frau Dieulafoy, so »A Suse« (1888), »L'Art antique de la Perse« (1889). Ein bequemes Handbüchlein schrieb Babelon: »Manuel d'archéologie orientale« (1888). Die Deutschen endlich sanden im Surghulhügel und zu El-Hibba altbabylonische Begräbnisstätten (ein Bericht darüber in der »Zeitschrift für Assyriologie« 1889), welche Feuernekropolen nach Böttichers Sinn waren. Für die Keilschriftforschung erschien eine »Keilschriftbibliothek« (Bd. 2, 1890).

Über Griechenland sind als eigentliche Reisewerke nur die Reisehandbücher von Bädeker, Meyer, neuerdings auch ein Führer durch Athen von v. Schweiger-Lerchenfeld zu verzeichnen. Sonst erschien über die einzelnen Gegenden reichliche Litteratur. Athen: Die Karten von Attika, herausgegeben von Curtius und Kaupert, erlangten mit Heft 6 (Marathon 1889) einen vorläufigen Abschluß. Die ganze Landschaft behandelt Lolling in der »Hellenischen Landeskunde u. Topographie« (in Iwan Müllers »Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft«); die Stadt Athen besonders Wachsmuth in dem bereits 1874 begonnenen Werke: »Die Stadt Athen im Altertum« (2. Bd., 1890); Harrison: »Mythology and monuments of ancient Athens« (1890), mit sehr vielen Abbildungen; Gregorovius: »Die Stadt Athen im Mittelalter« (1889); ein hübsches, bequemes Büchlein ist Baumgartens »Rundgang durch Athen«. Die Akropolis stellt dar Bohn: »Die Akropolis von Athen«, ein schönes, großes Ansichtsblatt der Launitzschen Wandtafeln; ein zusammenfassendes Werk über die Burg ist Böttichers »Akropolis« (1887). Viele Tafeln betreffen Athen in der von Reinach neu herausgegebenen »Voyage archéologique en Grèce et Asie Mineure« von Le Bas (neue billige Ausgabe des kostbaren Werkes 1889). Über Delphi erschienen »Beiträge zur Topographie« von Pomtow (1889); über Theben ein Programm von Fabricius (1889); über Olympia ein französisches Prachtwerk: »Restauration d'Olympie«, von Laloux und Monceaux (1889). Über Mykenä und seine Kultur erschien das wichtige Werk von Furtwängler und Loeschcke, »Mykenische Vasen. Vorhellenische Vasen aus dem Gebiete des Mittelmeers« (1886). Den wichtigsten Fund, die Becher von Vaphio, behandelt die griechische »Ephemeris« von 1889. Außerordentlich wichtig für unsre Kenntnis von Altgriechenland ist det Perieget Pausanias. Seine Glaubwürdigkeit hat Kalkmann in der Schrift »Pausanias der Perieget« (1886) sehr in Frage gestellt, wogegen er einen energischen Verteidiger in Gurlitt (»Über Pausanias«, 1890) gefunden hat.

Von den griechischen Inseln erfreut sich Cypern der Aufmerksamkeit besonders, wofür die Veröffentlichungen von Holwerda (»Die alten Kyprier in Kunst und Kultur«, 1885), Hogarth (»Devia Cypria«, 1889)