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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Boden; Bodenimpfung; Bodenschwankungen

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Boden - Bodenschwankungen.

Elisabeth Charlotte von Orléans (Hannov. 1891) sowie Briefe von Leibniz (das. 1889) heraus.

Boden, s. Bakterien, S. 87.

Bodenimpfung, das Bestreuen eines Bodens, auf welchem Hülsenfrüchte nicht gedeihen, mit bakterienhaltiger Leguminosenerde, d. h. mit einer Erde, welche diejenigen Bakterien enthält, die in den Knöllchen an den Wurzeln der Lupinen zur Assimilierung des Stickstoffs der Luft beitragen und bei alleiniger Zufuhr von Kali und Phosphorsäure nicht nur eine reiche Ernte, sondern noch eine Bereicherung des Bodens an Stickstoff herbeiführen. Nach Fleischer und Saalfeld hat die B. in moorigen Ländereien den Anbau der Leguminosen ermöglicht.

Bodenschwankungen. Beobachtungen über die langsamen Bewegungen des Erdbodens vermittelst fest aufgestellter, äußerst empfindlicher Libellenniveaus sind von Astronomen und Physikern häufig angestellt worden. Keiner jedoch verfügt über eine so lange Beobachtungsreihe wie Ph. Plantamour zu Sécheron bei Genf. Die Beobachtungsstation liegt ungefähr 2 km nördlich vom Genfer Observatorium und ist nur ca. 30 m vom Seeufer entfernt. Die beiden Niveaus stehen jedes auf einem Pfeiler, die aus Backsteinen im Keller des Gebäudes erbaut sind und sich an die Innenseite der Grundmauern anlehnen. Die eine Libelle ist Ostwest orientiert, die andre Nordsüd. Ein Steigen oder Fallen der äußern Lufttemperatur ruft eine entsprechende Bewegung des östlichen Endes des Niveaus hervor, dabei bleibt jedoch die Bewegung des Bodens etwas hinter dem Temperaturwechsel zurück. Die Oszillationen werden mehr durch eine lange andauernde mittlere Temperatur bestimmt als durch das wirkliche Maximum od. Minimum. Die Schwankungen des Nord-Süd gerichteten Niveaus lassen eine ebensolche, aber weit geringere jährliche Periode erkennen; das Südende der Blase folgt der äußern Temperatur in der Weise, daß es sich im Winter senkt und im Sommer hebt. Außer in dieser deutlichen jährlichen Periode bewegen sich die Blasen beider Niveaus auch in einer minder ausgeprägten täglichen. Fig. 1 veranschaulicht die Resultanten der ostwestlichen und nordsüdlichen Bewegungskomponente, und zwar stellt sie das Mittel der wöchentlichen Veränderungen in der Neigung dar. Als Nullpunkt ist die Stellung beider Niveaus beim Beginn der Beobachtung gewählt. Die positiven Abscissen und Ordinaten der Kurvenpunkte repräsentieren die seit diesem Termin erfolgte Veränderung in der Neigung nach O. und N. Die gerade Linie, welche je zwei Kurvenpunkte verbindet, stellt nach Größe und Richtung die Resultanten in dem Neigungswechsel während des entsprechenden Zeitraums dar. Die Richtung der großen Achse der Kurve entspricht demnach derjenigen, in welcher die größte Veränderung der Neigung stattfand. Eine Betrachtung der Kurven in Fig. 1 läßt folgende Schlüsse ziehen: 1) Der Wechsel in der Neigung geht in verschiedenen Azimuten vor sich; die Komponenten der Bewegungen, welche durch die beiden Niveaus angezeigt werden, stehen also nicht immer im gleichen Verhältnis zu einander. 2) Außer der jährlichen periodischen Bewegung tritt auch eine in nördlicher Richtung fortschreitende Bewegung hervor und vom 5.-7. Beobachtungsjahr ebenso eine nicht unbeträchtliche Bewegung in östlicher Richtung. 3) Die Richtung der großen Achse aller Kurven ist ungefähr 12° S. zu O., d. h. die größte Neigungsveränderung während des Jahres vollzieht sich annähernd in derselben Richtung, in der die mittlere Neigung des die Beobachtungsstation umgebenden Bodens liegt (30° S. zu O.). Eine einfache mathematische Betrachtung lehrt, daß diese Niveauschwankungen in engster Beziehung zu dem Wechsel der äußern Temperatur stehen. In Fig. 2 (S. 128) bezeichne AB einen Durchschnitt der Bodenoberfläche, P und Q zwei Punkte auf dem ebenen Boden des Kellers. QC stelle die Geoisotherme durch Q dar und DE die Lage, welche letztere nach einem

^[Abb.: Fig. 1. Resultanten der ostwestlichen und nordsüdlichen Bewegungskomponente.]