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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dampfkessel

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Dampfkessel (Sicherheitsabblasevorrichtung, Statistisches).

den keine Heizfläche bildet, niederzufallen. Zugleich sollen die Gasteile viel kräftiger durcheinander gewirbelt werden, so daß alle Teilchen nacheinander nach außen kommen und ihre Wärme leicht abgeben können. Den Kern der Schraube bildet ein Rohr, welches, mit feinen Löchern versehen, am hintern Ende des Kessels durch das Mauerwerk tritt; es soll den noch unverbrannten Gasteilchen Luft zuführen. Die Ausführung der Sickelschen Schraube, die sich bei jedem (alten oder neuen) Feuerrohrkessel leicht anbringen läßt, hat die Dampfkesselfabrik von J. ^[Jacques] Piedboeuf in Aachen übernommen.

Gewöhnlich ist bei Dampfkesseln zum Abblasen derselben, welches zum Entfernen des im Kessel aus dem Speisewasser angesammelten Schlammes von Zeit zu Zeit erfolgen muß, unten an der Stirnwand oder am Mantel des Dampfkessels ein großer Hahn oder ein Ventil angebracht, welches den Abschluß der Ablaßleitung bildet. Vielfach wird auch das Abschlußorgan erst in einiger Entfernung vom Kessel in das Ablaßrohr eingeschaltet. Beide Anordnungen sind für den sie bedienenden Arbeiter gefährlich. Zwischen dem Hahn und dem Kessel findet naturgemäß die stärkste Schlammablagerung statt, durch welche leicht ein Verstopfen des Rohres und völlige Unbeweglichkeit des Hahnes herbeigeführt werden kann. In solchem Falle muß eine benachbarte Flantschverbindung oder der Hahn gelöst werden, damit man mit scharfen Drähten oder Stangen den festgewordenen Schlammpfropfen durchstoßen kann. Derselbe löst sich dann oft plötzlich und läßt das heiße Wasser mit großer Gewalt durchbrechen, wobei häufig Verbrühungen des Personals vorkommen. Auch sind Unfälle durch Undichtwerden und den Bruch des Ablaßstutzens oder des Rohres zwischen diesem und dem Absperrhahn verursacht worden. Allen solchen Unfällen soll die Weinligsche Sicherheitsabblasevorrichtung vorbeugen. Bei dieser mündet die Ablaßleitung L wie gewöhnlich unten am tiefsten Punkte des Kessels ein und enthält in beliebiger Entfernung vom Kessel den üblichen Hahn- oder Ventilverschluß. Den eigentlichen Abschluß aber gegen den Kessel selbst bildet ein großes Rotgußventil V (70 mm Durchmesser), dessen Sitz innerhalb des Kessels auf dem Ablaßstutzen A befestigt ist (Fig. 5). Der Ventilkörper ist an einem entsprechend weiten Rohre R angebracht, welches durch den Kessel nach oben hindurchragt und durch Drehung eines Handrades bewegt werden kann. In diesem Ventilkörper sitzt ein kleines Ventil v (von 15 mm Durchmesser), welches ebenfalls mittels eines Handrades bedient werden kann. Im Dampfraum, dicht über dem Kesselscheitel, hat das weite Rohr mehrere Löcher für den Dampfeintritt. Öffnet man den Abblasehahn und dann das kleine Ventil v, so schießt durch diese Löcher ein kräftiger Dampfstrahl in die Ablaßleitung und reinigt dieselbe. Sollte also bei dieser Anordnung eine Verstopfung des Ablaßrohres eintreten, so kann man unbedenklich die nächste Flantschverbindung lösen, das Rohr durchstoßen und dann nach Wiederanbringung Dampf durch das kleine Ventil hindurchblasen lassen. Die Vorzüge dieses Apparats bestehen demnach in folgendem: die gesamte Ablaßleitung ist gegen den Kessel vollständig abgeschlossen, steht also nicht unter Dampfdruck und kann im Bedarfsfall jederzeit abgenommen und gereinigt werden; eine Entleerung oder Explosion des Kessels infolge von Bruch des Ablaßrohrs ist ausgeschlossen; einer Verstopfung kann dadurch vorgebeugt werden, daß die Rohrleitung ab und zu durch einen Dampfstrahl gereinigt wird; die Bedienung der Abblasevorrichtung erfolgt oberhalb des Kessels ohne Gefahr für das Dienstpersonal. Der Weinligsche Apparat wird von R. Schwartzkopff in Berlin geliefert.

^[Abb.: Fig. 5. Weinligs Sicherheitsabblasevorrichtung.]

Statistik der Dampfkessel und Dampfmaschinen.

Der Aufschwung der wirtschaftlichen Thätigkeit in der jüngsten Zeit hat auch eine erhebliche Zunahme in der Verwendung der bewegenden Kraft des Dampfes zur Folge gehabt. Mit Ausnahme der in der Benutzung der Militärverwaltung und der kaiserlichen Marine befindlichen sowie der Lokomotiven betrug die Zahl der D. und Dampfmaschinen in Preußen:

1889 1890

Feststehende Dampfkessel 47151 48538

Feststehende Dampfmaschinen 45192 46554

Bewegliche Dampfmaschinen u. Lokomobilen 12177 12822

Schiffsdampfkessel 1836 2046

Schiffsdampfmaschinen 1674 2007

Auf die einzelnen preußischen Provinzen verteilen sich die angegebenen fünf Arten von Dampfentwicklern und Dampfmaschinen in folgender Weise. Es wurden 1890 gezählt:

In Feststehende Bewegliche Dampfkessel Schiffs-

Dampfkessel Dampfmaschinen Dampfkessel Dampfmaschinen

Ostpreußen 1197 985 569 151 144

Westpreußen 1240 1232 886 172 214

Berlin, Stadtkreis 1627 1363 285 78 79

Brandenburg 3994 3338 1190 95 105

Pommern 1464 1574 819 390 385

Posen 1432 1218 902 23 23

Schlesien 7328 6558 1701 57 67

Sachsen 4851 5587 1881 112 84

Schleswig-Holstein 1699 1575 531 403 400

Hannover 3151 2855 832 124 131

Westfalen 7147 6914 1129 11 11

Hessen-Nassau 1804 1525 677 31 30

Rheinland 11571 11810 1398 399 334

Hohenzollern 33 20 22 - -

Zusammen: 48538 46554 12822 2046 2007

Für die Verteilung und das starke Anwachsen der D. und Dampfmaschinen ist in erster Linie die gewerbliche Thätigkeit maßgebend, dann aber trug hierzu neuerdings auch die Landwirtschaft insofern bei, als diese sich mehr und mehr bestrebt, die teure Menschen- und Tierkraft durch billigere Maschinenkraft zu ersetzen und zu einer immer ausgedehntern Aufstellung von Lokomobilen behufs Betriebes von Dresch- und andern Maschinen schreitet. Hierauf beruht einerseits die starke Zunahme der feststehenden D. und Dampfmaschinen in den industriereichen Landesteilen, anderseits diejenige der beweglichen D. und Lokomobilen in den hauptsächlich dem Landbau obliegenden Bezirken. Die starke Vermehrung der beweglichen D. kommt aber auch auf Rechnung der sinnreich konstruierten beweglichen Dampfmotoren mit geringen Abmessungen und verhältnismäßig großer Leistungsfähigkeit, welche in den kleinen Werkstätten und Betrieben immer mehr Eingang finden. Die folgende