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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erz- und Kohlenlagerstätten

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Erz- und Kohlenlagerstätten (in Deutschland).

sitz hinein. Auch das Königreich Sachsen ist reich an Braunkohlenlagern, da zunächst nicht unbedeutende Teile herüberreichen, dann aber auch am ganzen nördlichen Gebirgsrand Tertiärablagerungen entlang ziehen. Selbst innerhalb des kristallinischen Gebirges findet sich bei Zittau eine kleine, aber reiche Mulde eingesenkt, in ähnlicher Lage wie die reichen böhmischen Nachbarbecken von Teplitz und Eger. Zwischen Oder und Weichsel liegen noch vereinzelt unbedeutendere Ablagerungen. Eine eigentümliche, der Steinkohle ähnliche Pechkohle tritt in den tertiären Ablagerungen am nördlichen Rande der Bayrischen Alpen von der Salzach bis zur Grenze von Vorarlberg aus. Die Hauptgewinnungspunkte liegen bei Au, Miesbach, Pensberg und Hohenpeißenberg.

Erdöl (Petroleum) findet sich im Thale der Ill nahe bei Altkirch im Oberelsaß, ferner bei Pechelbronn, Lobsann und Sulz zwischen Hagenau und Weißenburg im Unterelsaß. Die letztern, zum Teil seit alter Zeit bekannten Vorkommen stehen gegenwärtig in guter Ausbeute. Gleichzeitig findet Asphaltgewinnung statt. Seit 1430 bekannt ist die unbedeutende St. Quirinus-Ölquelle bei Tegernsee in Oberbayern. Die Hoffnungen, welche von vielen Seiten auf das Vorkommen im nordwestlichen Deutschland (im Hannöverschen, Braunschweigischen und Holsteinischen) gesetzt worden sind und welche Ende der 70er Jahre zu zahlreichen Unternehmungen bei Ösede (Ölheim) Reitling, Wieze, Steinförde und Verden führten, haben sich wenig erfüllt. Die Betriebe sind entweder eingestellt oder fristen ein trauriges Dasein. Dagegen ist die Asphaltgewinnung bei Limmer unfern Hannover und im Braunschweigischen noch ziemlich rege. Die deutsche Graphitgewinnung bleibt auf einen etwa 11 km langen Streifen im Gneisgebiet des Bayrischen Waldes (Landgericht Passau und Wegscheid) beschränkt.

2) Salz. Den größten Reichtum an Steinsalz birgt in Deutschland die Zechsteinformation. Eine große Reihe der wichtigsten natürlichen und künstlichen Solquellen wird aus Steinsalzlagern gespeist, welche dieser Formation angehören. Wurden früher schwache, natürliche Solen durch Gradierung angereichert, so haben die vervollkommten Bohrmethoden vielerorts die Möglichkeit gewährt, das die Sole speisende Salzlager zu ermitteln und damit entweder gesättigte Lösungen oder das Steinsalz selbst zu Tage zu fördern. Die Zahl der nunmehr bekannten Salzlager im Zechstein ist so bedeutend, daß nur ein Teil derselben in Gewinnung steht. Von Staßfurt aus, wo 1843 ein Salzlager von über 200 m Mächtigkeit erbohrt wurde, gelang es, die Verbreitung dieses mächtigen Lagers durch einen großen Teil der Provinz Sachsen und des Herzogtums Anhalt zu verfolgen. Bei Sperenberg, 38 km südlich von Berlin, wurde 1867 das nämliche Lager in 88,8 m Tiefe erreicht und ununterbrochen bis 1271,63 m Tiefe, ohne dort das Ende erreicht zu haben, verfolgt. 1871 und 1872 gelang die Auffindung eines bedeutenden Lagers zu Inowrazlaw und Wapno in Posen. Bereits 1868 war auch bei Segeberg in Holstein ein wohl einer jüngern Formation angehörendes Salzlager erbohrt worden. Während die Salzlager von Salzungen, Kissingen, Allendorf a. W. dem Zechstein angehören, liegt das Salz der Salinen und Bergwerke von Erfurt, Buffleben, Stotternheim in Thüringen und ebenso dasjenige fast aller süddeutschen Salinen in der Trias und zwar vorzugsweise im Muschelkalk. Ebendahin gehören die Vorkommen von Dürrheim in Baden, Rottweil, Bergfelden, Sulz und Heilbronn am Neckar in Schwaben, endlich von Stetten in Hohenzollern. Auch an der Westseite der Vogesen liegen unfern Saaralben in zwei verschiedenen Horizonten Salzlager, welche sich nach Frankreich hinein erstrecken. Im Salzkammergut des südlichen Bayern tritt das triadische Salz in eigentümlicher Verwachsung mit dem Nebengestein (Haselgebirge) auf, so daß es in unterirdischen Weitungen aufgelöst und abgeklärt wird. Aus der westfälischen Kreideformation treten bei Unna (Königsborn), Lippstadt, Salzkotten etc. Solquellen aus, deren Ursprung man nicht mit Sicherheit kennt. Von besonderer volkswirtschaftlicher Wichtigkeit ist das Vorkommen von Kali- und Magnesiasalzen in Verbindung mit den Steinsalzlagern von Staßfurt, Leopoldshall, Tiede, Aschersleben und Vienenburg. Ein Teil dieser sogen. Abraumsalze, namentlich Kainit und Carnallit, dienen der Landwirtschaft als Dungmittel; andre werden in den zahlreichen Fabriken der Staßfurter Gegend für chemische, pharmazeutische und photographische Zwecke verarbeitet.

3) Erze. Der Erzbergbau Deutschlands tritt gegenwärtig gegen die Gewinnung von Kohlen und Salz erheblich zurück. Insbesondere ist die Gewinnung von Edelmetallen nur noch eine nebensächliche und beschränkte. Die ganze jährliche Ausbeute an Gold (zum Teil vom Rammelsberg bei Goslar) beträgt ca. 460 kg. Auch die Silbergewinnung ist zurückgegangen, seit die reichen Silbererzgänge bei Freiberg i. S. und Andreasberg i. Hannov. nahezu erschöpft sind. Die Kupfererze des Mansfeldischen und viele Bleierze des rheinischen Schiefergebirges sowie Schlesiens weisen jedoch einen geringen Silbergehalt auf, welcher beim Verhütten gewonnen wird. Auch die inländische Kupfererzeugung vermag nicht entfernt den Bedarf zu decken. Die der Zechsteinformation angehörenden Kupferschiefer des Mansfeldischen ergeben infolge der sorgsamen und geschickten Verarbeitung trotz ihrer Armut (nur 2-3 Proz. Kupfer in einer 5-18 cm starken Schicht) gegenwärtig noch 14,000 Ton. Kupfer und Kupferstein im Jahre. Während früher am gesamten Harzrand, am Thüringer Waldrand, längs des Kyffhäuser, des Riechelsdorfer- und Werragebirges in Hessen, des Spessart etc. der Kupferschiefer gegraben wurde, beschränkt sich die Gewinnung jetzt auf die von Wasserzuflüssen hart bedrängte Mansfelder Mulde und die Gegend von Bieber bei Gelnhausen. Auch die unmittelbare Unterlage der Zechsteinformation enthält auf Spalten (Rücken) konzentriert bei Saalfeld in Th., Riechelsdorf in Hessen und Stadtberge in Westfalen Kupfererze, die an erstern Orten mit Nickel- und Kobalterzen vergesellschaftet sind. Kleinere Kupfererzpartien sind auch auf den Eisen- und Bleierzgruben der Aachener Gegend, des Siegerlandes und des Lahnthals bekannt. Der Erzstock des Rammelsbergs bei Goslar liefert neben vielen andern zum Teil seltenen Erzen hauptsächlich Kupfer und Blei. Nicht unbedeutend ist die Gewinnung von Blei- und Zinkerzen, die vielfach vergesellschaftet vorkommen. Wichtige Bleierzgänge treten im rheinischen Schiefergebirge, im Bergischen bis ins Siegerland und vor allem im Nassauischen (Gegend von Ems, Laurenburg, Holzappel etc.) auf. Auch die Gegend von Aachen und Stolberg weist reiche Gänge im Kulm auf. Der gleichen Formation gehören die reichen Gänge des Klausthaler Reviers im Oberharz an, während der einst bedeutende Bergbau des Unterharzes fast erloschen ist. Ein sehr reiches und ausgedehntes Lager kleiner knotenförmiger Bleierze findet sich im Buntsandstein bei Kommern und Mechernich in der Eifel. Die reichen Lager von Tarnowitz etc. bei Beuthen i. Oberschles. ge-^[folgende Seite]