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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Fuchs; Fünfleitersystem; Fürbringer; Futterbau; Futterberechnung

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Fuchs - Futterberechnung.

Fuchs, Karl, Klavierspieler und Musikschriftsteller, geb. 22. Okt. 1838 zu Potsdam, wo sein Vater Organist der Kadettenanstalt war, studierte zu Berlin Theologie, trat aber als Privatschüler von Bülow, Weitzmann und Kiel zum Studium der Musik über, wurde 1868 Lehrer an Kullaks Akademie, ging 1869 als Organist nach Stralsund und erwarb 1870 in Greifswald den Doktorgrad mit der Abhandlung »Präliminarien zu einer Kritik der Tonkunst«, welcher die Schriften: »Ungleiche Verwandte unter den Neudeutschen« (Berl. 1868) und »Virtuos und Dilettant« (Strals.) vorausgegangen waren. Nachdem er sich 1871 wieder nach Berlin gewandt, 1875 aber die Leitung eines neugegründeten Musikvereins zu Hirschberg in Schlesien übernommen hatte, siedelte er 1879 nach Danzig über, wo er seitdem als Musiklehrer am Viktoriaseminar, Organist an der Petrikirche und Synagoge und als Referent der »Danziger Zeitung« thätig ist. F. zog allgemeine Aufmerksamkeit auf sich durch seine lebhafte Parteinahme für Riemanns »Phrasierungstheorie«, die er in Wort und That verbreiten half. Vgl. darüber seine Schriften: »Die Zukunft des musikalischen Vortrags und sein Ursprung« (Danz. 1884, 2 Tle.), »Die Freiheit des musikalischen Vortrags« (das. 1885) und »Praktische Anleitung zum Phrasieren« (mit H. Riemann, Leipz. 1886).

Fünfleitersystem, s. Elektrische Zentralstationen.

Fürbringer, Paul, Mediziner, geb. 7. Aug. 1849 Delitzsch, studierte seit 1869 in Berlin und Jena, wurde 1872 Assistent Müllers daselbst und promovierte 1874 mit einer Arbeit über das Kopfskelett von Myxine glutinosa. Anfangs vergleichend anatomischen Forschungen zugewandt, ging er später, wesentlich unter dem Einfluß von Nikolaus Friedreich in Heidelberg, dessen Assistent er 1874-77 war, zur klinischen Medizin über, in welcher er sich 1876 mit Studien über die Lungenmykosen des Menschen und über die sogen. amyloide Entartung der Nieren litterarisch einführte. 1876 habilitierte er sich als Privatdozent für Arzneimittellehre und medizinische Chemie in Heidelberg, wurde aber 1878 als Professor nach Jena berufen, um dort die Leitung der Klinik für Kinderkrankheiten und Haut- und verwandte Leiden zu übernehmen. Fortan beschäftigte er sich besonders mit den Krankheiten der Harnorgane, außerdem mit Studien über Schwefelsäureausscheidung, über diphtherische Nierenentzündung, über die Behandlung des Typhus und der Brustfellentzündung, über die sogen. cerebrale Kinderlähmung etc. Seit 1886 wirkt F. als Leiter der innern Abteilung des Krankenhauses Friedrichshain in Berlin und wurde 1890 zum Medizinalrat und Mitglied des Medizinalkollegiums für die Provinz Brandenburg ernannt. Er schrieb: »Zur vergleichenden Anatomie der Muskeln des Kopfskeletts der Cyklostomen« (Jena 1875); »Die innern Krankheiten der Harn- u. Geschlechtsorgane« (2. Aufl., Berl. 1890); »Über die Punktionstherapie der serösen Pleuritis und ihre Indikation« (das. 1890). Mit E. Hahn gibt er die »Berliner Klinik«, Sammlung klinischer Vorträge (Berl., seit 1888) heraus.

Futterbau. In rauhen Lagen mit flachgründigem Boden ist die Gewinnung von Futter nur unter Anwendung der von Wagner angegebenen Methode durchführbar. Dieselbe besteht in der Hauptsache darin, von solchen in der Gegend vorkommenden, wild wachsenden Pflanzen, welche zur Futtergewinnung geeignet sind, Samen zu sammeln und anzubauen. Je nach dem Charakter der Flora ergeben sich ebenso viele Verschiedenheiten dieses Futterbaues. Im Sauerland, wo derselbe zuerst von dem ehemaligen Wanderlehrer Wagner zur erfolgreichen Anwendung gelangte, wurden neben wilden ausdauernden Gräsern vornehmlich Vogelwicke (Vicia cracca), Zaunwicke (Vicia sepium), dann Wiesenplatterbse (Lathyrus pratensis) und weiches Labkraut (Galium mollugo) zur Ansaat verwendet.

Futterberechnung. Die Berechnung der Futtermischungen für den täglichen Bedarf der Tiere erfolgt in der Weise, daß der Nährstoffgehalt der zur Mischung zu verwendenden Futterstoffe in möglichst annähernde Übereinstimmung mit der nach den Ergebnissen von Fütterungsversuchen aufgestellten Futternorm gebracht wird. Die Futternorm nach Wolff gibt außer dem Nährstoffverhältnis, welches mit Bezug auf die verdaulichen Nährstoffe einzuhalten ist, an, wieviel Kilogramm von den einzelnen Futterbestandteilen für je 1000 kg Lebendgewicht des Tieres in der täglichen Ration zu verabreichen sind, und zwar von organischer Substanz im ganzen, verdaulichem Eiweiß (verdautem Rohprotein und Nichtprotein), verdaulichen Kohlehydraten, verdaulichem Fett und verdaulichen Stoffen im ganzen. Weil im allgemeinen bei den Rauhfuttermitteln der verdauliche Teil der Rohfaser ungefähr dem unverdaulichen Teile der Extraktstoffe, daher der verdauliche Anteil beider der Gesamtmenge der Extraktstoffe entspricht, so wird bei dieser Futternorm der verdauliche Anteil der Rohfaser zu dem verdaulichen Teile der stickstofffreien Extraktstoffe summiert und in einer Ziffer als Kohlehydrate angegeben. Entsprechend dem lebenden Gewichte der Tiere und den Bestimmungen der Futternorm erfolgt dann die Ermittelung der erforderlichen Menge an einzelnen Futtermitteln je nach dem mittlern Gehalt derselben an verdaulichen Nährbestandteilen. Den Qualitätsmittelzahlen ist jedoch kein absoluter Wert beizumessen, es kann durch dieselben nur eine ungefähre Richtschnur geboten werden, welche nach dem Verlauf der Fütterung entsprechend abzuändern ist. Weiter wird nachträglich der Gehalt des Futters an Amidverbindungen und die Verdauungsdepression durch entsprechenden Abzug von dem angegebenen Eiweißquantum in Betracht gezogen. - Detaillierter als die Wolffsche Methode der F. ist die Methode von Kühn; letztere wird jedoch erst dann volle Verläßlichkeit erlangen, wenn die Verdaulichkeitsverhältnisse der Futtermittel genauer bekannt sein werden. Die Futternorm nach Kühn gibt außer dem Nährstoffverhältnis für verdauliche Nährstoffe den täglichen Bedarf für je 1000 kg Lebendgewicht des Tieres an von: Trockensubstanz, verdaulichen wirklichen Proteinstoffen, verdaulicher Fettsubstanz und verdaulicher stickstofffreier Substanz (mit Einschluß des Nichtproteins). Zur Deckung des durch die Futternorm festgesetzten Nährstoffbedarfs werden die Mengen der einzelnen Futtermittel nach ihrem Gehalt an Rohnährstoffen und deren verdaulichen Teilen (prozentischen Verdauungskoeffizienten) auf Grund der Futtertabellen geschätzt. Im gegebenen Falle bleibt es dabei der Erwägung des Landwirtes anheimgestellt, je nach der Beschaffenheit des Futtermittels von der Qualitätsmittelzahl gegen die Maximal- oder Minimalzahl hin abzuweichen. Ist auf Grund der Tabellen über die Zusammensetzung der Futtermittel von den zur Fütterung verwendeten Futtermitteln der verdauliche Teil von: wirklichem Protein, Fett, stickstofffreien Extraktstoffen und Holzfaser geschätzt, so wird von demselben (soweit wirkliches Protein, Extraktstoffe und Holzfaser in Betracht kommen) die Depression der Verdaulichkeit der Rauhfutterbestandteile durch stickstoffarmes