Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kulturgeschichtliche Litteratur

528

Kulturgeschichtliche Litteratur (Altertum).

wenig ungenannt bleiben wie die Bestrebungen von Post (»Einleitung in das Studium der ethnologischen Jurisprudenz«, Oldenb. 1886) und J. ^[Josef] Kohler (»Das Recht als Kulturerscheinung, Einleitung in die vergleichende Rechtswissenschaft«, Würzb. 1885), die Methode der neuern ethnologischen oder vergleichenden Rechtswissenschaft zugleich zu begründen und zu erläutern.

Wenden wir uns nunmehr der geistigen Kultur zu, so ist es hier insbesondere die allgemeine und vergleichende Religionsgeschichte, welche in neuerer Zeit eifrig gepflegt worden ist (vgl. auch den besondern Artikel: Religionsgeschichte in diesem Bande). In Frankreich ist für diese Studien seit einigen Jahren an der vielleicht vornehmsten Hochschule des Landes, der École des hautes études, eine eigne Sektion für die sciences religieuses begründet worden; ihre Schriften werden zum Teil in der »Bibliothèque de l'École des hautes études« veröffentlicht; der namhafteste unter den Lehrern dieser Sektion ist A. de Réville, dessen große »Histoire des religions«, 1883 mit Erörterungen über die afrikanischen und amerikanischen Religionssysteme begonnen, jetzt bis zum vierten Bande vorgeschritten ist. Von andern französischen Schriften auf diesem Gebiet mögen des Holländers C. T. Tiels auch in das Deutsche, Französische und Englische übersetzte und teilweise in mehreren Auflagen erschienene »Religionsgeschichte«, E. Vérons »Histoire naturelle des religions« (Par. 1885) und die »L'histoire des religions« (das. 1887) von M. Vernes erwähnt werden; letzteres Werk hat speziell die Methode der Religionsgeschichte und die Art, wie sie in Frankreich und im Ausland gelehrt wird, zum Gegenstand. Auch in England werden zahlreiche Vorlesungen über vergleichende Religionsgeschichte gehalten: eine Sammlung solcher Sonntagsvorlesungen namhafter Gelehrter ist in dem Buche »The religious systems of the world« (Lond. 1890) vereinigt, es beginnt mit der Religion der Assyrer, welche Rawlinson behandelt hat, und reicht bis in die Gegenwart, wobei aber nicht bloß Volksreligionen, sondern auch die religiösen Systeme einzelner hervorragender Geister berücksichtigt sind, so daß z. B. ein eigner Vortrag von O. Browning die Religion Dantes und ein solcher von Sir F. Pollock diejenige Spinozas erörtert. Wir nennen außerdem noch den Essay von T. S. Bacon über die ersten Anfänge der Religion (»The beginnings of religion«, Lond. 1887), das Buch von A. Lang (»Myth, ritual and religion«, das. 1887, 2 Bde.), welches die verschiedenen Elemente der Mythen zu scheiden und auseinander zu halten versucht, und von M. Dods Vorlesungen über »Mohammed, Buddha and Christ« (das. 1887), ohne damit die Zahl dieser Schriften erschöpfen zu wollen. In Deutschland haben die Versuche allgemeiner Religionsgeschichte: das »Lehrbuch der Religionsgeschichte« von T. D. Chantepie de la Saussaye (Freiburg 1887-89, 2 Bde.) und die Schrift von H. Preiß, »Religionsgeschichte« mit dem Nebentitel »Geschichte der Entwickelung des religiösen Bewußtseins in seinen einzelnen Erscheinungsformen« (Leipz. 1888), eine wenig günstige Beurteilung erfahren; und A. Reichenbachs Buch »Die Religionen der Völker« (Münch. 1886 ff.) beschränkt sich wesentlich auf Zusammenstellung der Forschungen andrer. Das Buch des Jesuiten Chr. Pesch, »Der Gottesbegriff in den heidnischen Religionen des Altertums« (Freiburg 1886), sucht vergeblich nachzuweisen, daß der Ursprung aller Religionen monotheistisch war, und J. H. ^[Johann Heinrich] Oswalds »Religiöse Urgeschichte der Menschheit« (2. Aufl., Paderb. 1887) steht ausgesprochenermaßen nicht eigentlich auf wissenschaftlichem, sondern auf dem dogmatischen Standpunkt der katholischen Kirche. Ungleich bedeutender sind die »Studien zur vergleichenden Religionswissenschaft« von G. Runze, deren erster Band (Berl. 1889) die Zusammenhänge von Sprache und Religion darlegt. Indem wir uns die Schriften über einzelne religiöse Systeme für spätere Abschnitte dieser Übersicht vorbehalten, fügen wir hier am besten einige Arbeiten an, welche die Überreste heidnischer Vorstellungen in der Gegenwart nachzuweisen suchen. Dahin gehören einige Abschnitte in dem ausgezeichneten Buche E. Gotheins, »Die Kulturentwickelung Süditaliens in Einzeldarstellungen« (Bresl. 1886); insbesondere für den Kult des Erzengels Michael wird hier nachgewiesen, wie die Gestalt des Erzengels aus altheidnischen, urchristlichen und germanischen Religionsvorstellungen entstanden ist. Dasselbe Thema behandelt auf breiterer Grundlage Th. Trede, »Das Heidentum in der römischen Kirche. Bilder aus dem religiösen und sittlichen Leben Süditaliens« (Gotha 1889, 2 Bde.); der Verfasser ist ein guter Beobachter und kennt die Verhältnisse Unteritaliens aus langjähriger Anschauung, aber er ist nicht frei von Einseitigkeit und Vorurteilen, und mancherlei, was er in die Betrachtung einbezogen hat, steht nur in losem Zusammenhang mit seinem eigentlichen Thema. Mit Deutschland beschäftigen sich in gleichem Sinne das fleißige Buch von W. Kolbe, »Hessische Volkssitten und Gebräuche im Lichte der heidnischen Vorzeit« (2. Aufl., Marb. 1888), und allgemeiner dasjenige von F. Hoffmann, »Nachklänge altgermanischen Götterglaubens in Leben und Dichten des deutschen Volkes« (Hannov. 1888), sowie Sepp, »Die Religion der alten Deutschen und ihr Fortbestand in Volkssagen, Aufzügen und Festbräuchen bis zur Gegenwart« (Münch. 1890). Endlich seien zwei bedeutende Werke, mehr philosophischen Charakters, von R. Eucken erwähnt: »Die Einheit des Geisteslebens in Bewußtsein und That der Menschheit« (Leipz. 1888) und »Die Lebensanschauungen der großen Denker. Eine Entwickelungsgeschichte des Lebensproblems der Menschheit« (das. 1890).

Spezialarbeiten über das Altertum.

Über Ägypten liegen zwei umfangreiche und bedeutende Werke vor. A. Erman, »Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum« (Tübing. 1885-87 ff., 2 Bde.), entwirft eine umfassende, ebenso gründlich wie fesselnd geschriebene, durch zahlreiche vortreffliche Illustrationen veranschaulichte Gesamtschilderung von der Kultur des Pharaonenlandes, welche die Ergebnisse der seit einem halben Jahrhundert aufs eifrigste betriebenen ägyptologischen Studien zusammenfaßt; G. Ebers, gleichfalls einer der namhaftesten Gelehrten auf diesem Gebiet, bietet in seinem »Cicerone durch das alte und neue Ägypten« (Stuttg. 1886, 2 Bde.) ein Lese- und Handbuch, das seine Aufgabe, ein Wegweiser durch das Nilland zu sein, in ausgezeichneter Weise erfüllt. Wir erwähnen außerdem noch eine Darstellung der altägyptischen Kunst von G. Maspero: »L'archéologie égyptienne« (Par. 1887; deutsch von Steindorff, Leipz. 1889), welche als knapp und sachverständig gerühmt wird. Für die älteste Kulturentwickelung der semitischen Völker sind wichtig W. Robertson Smiths »Lectures on the religion of the Semites« (Bd. 1, Edinb. 1889); das auf 3 Bände berechnete Werk stellt sich die Aufgabe, die ursprüngliche Religion der Semiten in ihrem Verhältnis zu andern Religionen des Altertums