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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kulturgeschichtliche Litteratur

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Kulturgeschichtliche Litteratur (Neuzeit: außerdeutsche Länder Europas).

G. v. Below, den die Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde mit der Publikation der Ständeakten von Jülich und Berg beauftragte, hat als Vorarbeit dafür drei Abhandlungen über »Die landständische Verfassung in Jülich und Berg bis zum Jahre 1511« (Düsseld. 1885-90) veröffentlicht, während G. Müller »Die Entwickelung der Landeshoheit in Geldern bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts« (Marb. 1889) behandelt. Für Preußen hat Konr. Bornhak eine »Geschichte des preußischen Verwaltungsrechts« (Berl. 1884-86, 3 Bde.) geschrieben, die, obgleich keineswegs überall gesicherte oder abschließende Resultate bietend, doch mit Recht als zur Zeit unentbehrlich bezeichnet worden ist; sie führt die Darstellung von den Anfängen der brandenburgischen Geschichte unter den Askaniern bis auf die Gegenwart. Unter den Einzelarbeiten für preußische Verwaltung stehen, abgesehen von den schon in anderm Zusammenhang erwähnten mustergültigen Arbeiten Schmollers, an Bedeutung obenan A. Stölzels ausgezeichnetes Werk »Brandenburg-Preußens Rechtsverwaltung und Rechtsverfassung, dargestellt im Wirken seiner Landesfürsten und obersten Justizbeamten« (Berl. 1888, 2 Bde.). Von andern Monographien nennen wir: H. Bielfeld, »Geschichte des magdeburgischen Steuerwesens von der Reformationszeit bis ins 18. Jahrhundert« (also die vorpreußische Zeit dieses Gebiets ins Auge fassend; Leipz. 1888); C. A. Zakrzewski, »Die wichtigern preußischen Reformen der direkten ländlichen Steuern« (das. 1887); W. Schultze, »Geschichte der preußischen Regieverwaltung« (das. 1888); O. Warschauer, »Geschichte der preußischen Staatslotterien« (das. 1885); F. Schwartz, »Organisation und Verpflegung der preußischen Landmilizen im Siebenjährigen Kriege« (das. 1888); die Mehrzahl dieser Arbeiten ist auf Schmollers Anregung entstanden. Für Österreich hat G. Adler »Die Organisation der Zentralverwaltung unter Kaiser Maximilian I.« dargestellt (Leipz. 1886), während E. Rosenthal »Die Behördenorganisation Kaiser Ferdinands I.« (Wien 1887), in welcher er das Vorbild der Behördenorganisation in den deutschen Einzelstaaten erblickt, zum Gegenstand einer gründlichen und umfangreichen Arbeit gemacht hat. Beiträge zur Geschichte der Behördenorganisation und der Steuern in Bayern lieferten Neudegger und Baasch. Das wichtigste Werk für dies Gebiet ist aber E. Rosenthals »Geschichte des Gerichtswesens und der Behördenorganisation Bayerns«, deren erster Band (Münch. 1889) die Zeit von 1180 bis zum Ende des 16. Jahrh. umfaßt.

Die wichtigsten Werke zur Geschichte des Unterrichtswesens finden an andrer Stelle Erwähnung (s. Pädagogische Litteratur).

Für Deutschlands kulturhistorische Beziehungen zum Ausland nennen wir einige Arbeiten sehr verschiedenen Inhalts: Th. Süpfles »Geschichte des deutschen Kultureinflusses auf Frankreich mit besonderer Berücksichtigung der litterarischen Entwicklung«, deren zweiter Teil (Gotha 1888-90) von Lessing bis zur Gegenwart reicht; H. Simonsfeld, »Die Deutschen als Kolonisatoren in der Geschichte« (Hamb. 1885), eine populäre, aber gründliche Übersicht über die deutschen Kolonisationen bis ins 18. Jahrh., und R. Röhricht, »Deutsche Pilgerreisen nach dem heiligen Lande« (Gotha 1889). Weiter stellen wir eine Reihe von Werken zusammen, die inhaltlich keiner der bisher aufgestellten Kategorien einzureihen sind. Längst bekannt und allgemein anerkannt ist A. Schultz, »Das höfische Leben zur Zeit der Minnesänger« (2. Aufl., Leipz. 1889, 2 Bde.), das freilich mehr auf einen gelehrten Leserkreis als auf ein größeres Publikum berechnet ist. Frisch und anregend geschrieben ist F. Specht, »Gastmähler und Trinkgelage bei den Deutschen bis ins 9. Jahrhundert« (Stuttg. 1887). Alberdingk Thijm gibt eine auf gründlicher Forschung beruhende, preisgekrönte »Geschichte der Wohlthätigkeitsanstalten in Belgien von Karl d. Gr. bis zum 16. Jahrhundert« (Freiburg 1887). Mit der Geschichte des Hexenwesens beschäftigen sich: U. Jahn, »Hexenwesen und Zauberei in Pommern« (Bresl. 1887), und Längin, »Religion und Hexenprozeß« (Leipz. 1888), während K. Binz in »Dr. Johann Weyer« (Bonn 1885) und »Augustin Lerchheimer« (Straßb. 1888) zwei der bedeutendsten Gegner des Hexenwahns schildert. Eine »Geschichte des deutschen Briefs« hat G. Steinhausen geschrieben (Berl. 1889-91, 2 Tle.); A. Edelmann behandelt »Schützenwesen und Schützenfeste der deutschen Städte vom 13. bis zum 18. Jahrhundert« (Münch. 1890); O. Beneke gibt in seinem zuerst 1863 erschienenen Buch »Von unehrlichen Leuten« (2. Aufl., Berl. 1889) sehr interessante Skizzen aus einer Zeit, in der manche Gewerbe und Dinge als unehrlich galten und ängstlich gemieden werden mußten. Endlich mögen hier die bildungs- und wirtschaftsgeschichtlichen Aufsätze, die G. v. Buchwald in seinem Werke »Deutsches Gesellschaftsleben im endenden Mittelalter« (Kiel 1885-87, 2 Bde.) vereinigt hat, und die populären Schriften von A. Sach, »Deutsches Leben in der Vergangenheit« (Halle 1889-90, 2 Bde.), und J. ^[Julius] Lippert, »Deutsche Sittengeschichte« (Leipz. 1889, 3 Bde.), erwähnt werden.

Zum Schluß nennen wir einige der wichtigern derjenigen Schriften, welche kulturhistorische Bilder verschiedenartigen Inhalts aus einzelnen Landschaften oder Orten geben. Dahin gehören für Süddeutschland: A. Birlinger, »Rechtsrheinisches Alamannien« (Stuttg. 1890); W. Lang, »Von und aus Schwaben« (das. 1885-89, 7 Hefte; eine Reihe feiner und formgewandter Essays überwiegend biographischen Inhalts); für die Rheinlande: K. Lamprecht, »Skizzen zur rheinischen Geschichte« (Leipz. 1887); für Mitteldeutschland: W. Kawerau, »Kulturbilder aus dem Zeitalter der Aufklärung« (Bd. 1: »Aus Magdeburgs Vergangenheit«; Bd. 2: »Aus Halles Litteraturleben«, Halle 1886-88), und Th. Meyer, »Die kulturhistorische Entwickelung Deutschlands in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts mit besonderer Bezugnahme auf die sächsischen Lande« (Kottb. 1889); für Nord- und Ostdeutschland: F. Günther, »Der Ambergau« (Hannov. 1887) und »Der Harz in Geschichts-, Kultur- und Landschaftsbildern« (das. 1888); O. Mejer, »Kulturgeschichtliche Bilder aus Göttingen« (das. 1889); G. Sello, »Potsdam und Sanssouci« (Bresl. 1888); A. Bezzenberger, »Die Kurische Nehrung und ihre Bewohner« (Stuttg. 1889).

Außerdeutsche Länder Europas.

Haben wir schon bei Deutschland nur eine Auswahl aus der kulturgeschichtlichen Litteratur treffen, aber doch auch minder umfangreiche Arbeiten berücksichtigen können, so wird es unmöglich, für die übrigen Länder Europas mehr als die hauptsächlichsten Werke anzuführen. Dahin gehört für Frankreich, wenn wir mit Rechts- und Verfassungsgeschichte beginnen, das ausgezeichnete Werk von J. ^[Jacques] Flach, »Les origines de l'ancienne France«, dessen 1. Band (Par. 1886) das »régime seigneurial« des 10. und 11. Jahrh. schildert. Eine umfangreiche und gründliche Geschichte der französischen Ständeversammlungen (»Histoire des États-généraux«, 2. Aufl. 1888, 5 Bde.) hat Picot her-^[folgende Seite]