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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leber; Leberegel

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Leber - Leberegel.

Befestigung der Keimpflanzen in dem Schlammboden erfordert, da ohne derartige Einrichtungen leicht ein Umfallen oder Weggespültwerden jener eintreten könnte, eine teleologische Voraussetzung, welche natürlich das Zustandekommen dieser Bildungen selbst nicht erklärt. Übrigens finden sich auch bei einigen nicht lebendiggebärenden Pflanzen Formen der Samenentwickelung, welche auf die Viviparie ein Licht werfen. So entbehren z. B. die großen Samen einer auf sumpfigem Strandboden Ceylons wachsenden Amaryllidee (Crinum asiaticum) eine harte, feste Samenschale und werden nur von einer dünnen, grauen Haut umzogen; ihrer Hauptmasse nach bestehen sie nur aus dem Endosperm und schwimmen vermöge ihres Luftgehalts auf dem Wasser, was die Verbreitung erleichtert; indem die ursprünglich vorhandene, schwammige Fruchtschale unter Wasser verwittert, gelangen sie ins Freie. Noch merkwürdigere Schwimmeinrichtungen finden sich bei der Nymphäacee Euryale ferox, deren Samen mittels eines lufthaltigen Mantels (Arillus) zu schwimmen vermögen und nach Entfernung desselben sofort zu Boden sinken. Auch die Kokospalme und die strandbewohnende, niederliegende Barringtonia speciosa (Myrtacee) besitzen eine hierher gehörige Einrichtung, indem sich die Wurzeln ihres Keimlings zunächst innerhalb einer Faserschicht der Fruchtwand entwickeln; dieselbe ermöglicht durch ihr schwammiges Gewebe zugleich das Schwimmen der Frucht und ihre Verbreitung durch Meeresströmungen. Das Wurzelsystem ist bei diesen Pflanzen schon erstarkt, ehe es die Frucht durchbricht, und kann daher den Keimling rascher befestigen; auch ist durch außerordentlich reichliche Anhäufung von Reservestoffen für dessen schnelle Ernährung gesorgt. Vielleicht verhält sich die an vielen Stellen des tropischen Asien bis nach Neuguinea und Nordaustralien verbreitete Palme Nipa frutescens ähnlich, deren Früchte nach Blumes alter Angabe so lange am Kolben stehen bleiben sollen, bis das Salzwasser der Keimung nichts mehr schaden kann. Ein der Viviparie verwandter Vorgang findet sich auch bei einzelnen Kryptogamen, die feuchte Strandorte bewohnen (Hymenophylleen sowie einige Lebermoose), und deren Sporen regelmäßig noch innerhalb des Sporangiums die ersten Keimungsstadien zurücklegen. Dagegen ist das besonders bei Gräsern vorkommende, abnorme Durchwachsen der Blüte durch einen blatttragenden, später abfallenden und sich bewurzelnden, kleinen Sproß als vegetative Viviparie zu betrachten. Den stärksten Gegensatz zu den lebendiggebärenden Pflanzen stellen solche Gewächse dar, deren Embryos bei der Ausstreuung der Samen noch ganz unentwickelt sind und nur aus einer oder wenigen Zellen bestehen, wie es bei einer Reihe unsrer einheimischen Frühlingspflanzen (Eranthis hiemalis, Ranunculus Ficaria, Corydalis cava) der Fall ist. Die Weiterentwickelung erfolgt dann an den unreifen Samen innerhalb des Erdbodens. Bei der Konifere Gingko biloba tritt sogar die Befruchtung erst in der abgefallenen Samenknospe ein. Vgl. Göbel, Pflanzenbiologische Schilderungen (1. Teil, Marburg 1889).

Leber, Resektion und Rekreation, s. den Bericht: Chirurgenkongreß, S. 158.

Leberegel. Den Bemühungen Leuckarts ist es gelungen, den Entwickelungsgang dieses gefürchteten Parasiten des Hornviehs, namentlich der Schafe, klarzulegen und als Zwischenwirt eine kleine Sumpfschnecke (Limnaeus minutus) nachzuweisen. Die erste, das Ei verlassende Larvenform des Leberegels stellt ein bewimpertes, infusorienartiges Geschöpf dar, welches einige Zeitlang frei umherschwimmt, um dann in die kleine Sumpfschnecke einzuwandern; die Larven befestigen sich mit Hilfe des lang ausgezogenen Kopfzapfens aller Orten an der freien Körperoberfläche der Schnecken und dringen durch fortwährende Bohrbewegungen allmählich ein. Bald nach der Einwanderung wandeln sich die Embryos unter Verlust des Darmes in Keimschläuche (Sporocysten) um, in welchen dann die Ammenform entsteht, die sogen. Redien. Diese sind im Anfang sehr beweglich und dringen, zum Teil mit Benutzung der Blutwege, in die Leibeshöhle ihrer Wirte bis tief in die Leber, die ihren Lieblingsaufenthaltsort bildet; der Leib ist ziemlich schlank und zeigt einen Kopfteil, ein Mittelstück und ein Schwanzende. Nach 6-7 Wochen (im Sommer) hat sich im Körper dieser Redien eine reichliche Brut der als Cercarien bekannten Larven entwickelt. Die Cercarie des Leberegels besitzt einen ziemlich platten Leib, der im Ruhezustand eine gleichmäßig ovale Form hat, dieselbe aber auf das mannigfaltigste zu ändern vermag, namentlich beim Kriechen, welches durch alternierende Befestigung der eine entschieden ventrale Lage besitzenden Saugnäpfe geschieht. Dem ca. 0,26 mm langen Leib fügt sich ein 0,5 mm langer Schwanz an. Diese Cercarien verlassen aktiv die Schnecke, um sich nach Abwerfung des Schwanzes sofort an irgend einem beliebigen Objekt, mit welchem sie in Berührung kommen, durch Ausscheidung einer undurchsichtigen Körnermasse zu verkapseln; sie suchen also nicht wie die Cercarien verwandter Formen nochmals ein andres Tier auf. Indem die an Grashalmen etc. anklebenden eingekapselten Cercarien von weidendem Vieh gefressen werden, erfolgt die Infektion. Auf die geschilderte Weise der Entwickelung produziert ein Embryo des Leberegels, der im Laufe des Frühlings in eine Schnecke einwandert, durch Hilfe der Zwischengeneration bis zum Herbst durchschnittlich etwa 300-400 Cercarien, indem die aus dem Embryo entstehende Sporocyste sechs Redien erzeugt und jede Redie etwa 60 Cercarien entwickelt. Wandern aber die Wimperlarven spät ein, so daß die Redien überwintern, so steigt diese Zahl vielleicht um das Zehnfache, indem die Redien nicht gleich die Cercarien, sondern zunächst wieder eine Redienbrut hervorbringen und erst aus dieser wiederum die letzte Larvenform, die Cercarien, entsteht. Als gefährdete Gegenden für die Leberegelkrankheit der Schafe sind also alle feuchten Weiden anzusehen, auf denen Limnaeus minutus vorkommt; bei der Vermehrung dieser Schnecken und dadurch auch der Brut des Leberegels kann auch die Witterung eine große Rolle spielen, so daß man von Distomumjahren spricht; es gingen z. B. 1873 in Elsaß-Lothringen der dritte Teil aller Schafe im Werte von 1,150,000 Frank an der Leberegelkrankheit zu Grunde, und 1882 starben hieran in den südlichen Provinzen von Buenos Ayres nicht weniger als 1 Mill. Schafe. Die geographische Verbreitung der Schnecke, von welcher wenigstens in der alten Welt das Auftreten der Leberegelkrankheit abhängt, ist eine außerordentlich weite; sie ist bekannt nicht bloß aus allen Ländern Europas, von Lappland und Rußland an, sondern auch aus Asien, besonders Nordasien und Afrika (den Mittelmeerländern und Abessinien). In der Neuen Welt ist allerdings diese Schnecke bis jetzt noch nicht gesunden worden, obwohl der L. daselbst zum Teil sogar häufig vorkommt; allein es sind von da Formen beschrieben, wie Limnaeus humilis Say aus Nordamerika, L. viator d'Orb. von den La Plata-Staaten, die kaum spezifisch von L. minutus abweichen, so daß sich in der Neuen Welt bei genauer Untersuchung jedenfalls diese Formen als Träger des