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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lombard; Lombrōso; Longard; Löning; Lophophytum mirabĭle; Löschgranaten; Löß

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Lombard - Löß.

mer zu und die Flüssigkeit in dem Sinne einer Linksdrehung von dem Ventil 1 weg und in demjenigen Teile des Rades in die Höhe, der vom Auflagerpunkt rechts liegt (in die Kammer 2 hinein durch das sich öffnende Ventil 2), und zwar so weit, bis die Höhe der emporgedrängten Flüssigkeitssäule dem Gasdruck entspricht. Derselbe Druck, mit dem das Gas auf die Flüssigkeit preßt, lastet auch auf dem geschlossenen Ventil 1 und bewegt daher dieses und mit ihm das Rad im Sinne der Rechtsdrehung, bis das radiale Rohr 2 ans Ende der Flüssigkeitssäule gelangt ist; dann wird dieses durch die Steuerung mit dem Gaserzeuger in Verbindung gesetzt, Nr. 3 geschlossen und Nr. 1 und 4 ins Freie geführt. Jetzt wirkt der treibende Druck ebenso auf Ventil 2 wie vorher auf Ventil 1, während Ventil 3 die Flüssigkeit in die Kammer 3 treten läßt und das in Kammer 1 befindliche, nunmehr verbrauchte Gas durch Kanal 1 entweicht. Dann tritt Kammer 3 mit Ventil 3 in Wirksamkeit, Ventil 4 öffnet sich der Flüssigkeit, Kanal 2 dem aus Kammer 2 abziehenden verbrauchten Gas etc. Das Gas wird in einem auf dem Wagen angebrachten Gaserzeuger entwickelt, der den Gasdruck selbstthätig konstant erhält. In erster Linie ist als treibendes Gas Kohlensäure ins Auge gefaßt, welche aus einem kohlensauren Salze mit Säure entwickelt werden soll.

Seit Jahren beschäftigt sich Ries in New York mit dem Gedanken, die Adhäsion der Lokomotivräder an den Schienen, d. h. die Zugkraft der Lokomotiven, dadurch zu erhöhen, daß er den Strom einer auf der L. angeordneten Dynamomaschine durch die Triebräder leitet. Die dadurch herbeigeführte Steigerung der Reibung erklärt er dadurch, daß der Strom den Anfang einer Schweißung zwischen Triebrad und Schiene macht, natürlich nur den allerersten Anfang, da der Prozeß an jeder Stelle dadurch sofort wieder unterbrochen wird, daß das Triebrad sich weiter fortwälzt. Zwei kürzlich von Ries mit einer Maschine der Philadelphia-Reading-Bahn angestellte Versuche sollen sehr befriedigend ausgefallen sein. Es wurde zunächst eine Steigung von ca. 1:28 mit Hilfe der durch Elektrizität verstärkten Adhäsion in 20 Min. überwunden, während bei Anwendung der gewöhnlichen Adhäsion 55 Min. erforderlich waren. Beim zweiten Versuch wurde die L. vor einen Zug aus zwölf festgebremsten Kohlenwagen gespannt, welchen sie natürlich mittels bloßer Adhäsion nicht von der Stelle zu bewegen vermochte. Sobald aber der elektrische Strom die Räder durchkreiste, kam der Zug, wenn auch langsam, vorwärts. Allerdings muß bei der Verwendung der Elektrizität der Kessel der L. wegen der Bethätigung der L. stärker in Anspruch genommen werden, aber dafür ist nach Ries die Adhäsion um 25 Proz. stärker. - Zur Litteratur: Salomon, Die Lokomotiven auf der Pariser Weltausstellung 1889 (aus der »Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure«, Berl. 1890).

Lombard, Johann Wilhelm, preuß. Kabinettsrat (Bd. 17). Vgl. Hüffer, Die Kabinettsregierung in Preußen und Joh. Wilh. L. (Leipz. 1890).

Lombrōso, Cesare, Mediziner, geboren im November 1836 zu Verona von jüdischen Eltern, verfaßte schon als Knabe Romane und Dramen, studierte dann Medizin, speziell Psychiatrie, machte den Feldzug von 1859 als Militärarzt mit, ward 1862 Professor der Psychiatrie in Pavia, darauf Direktor der Irrenanstalt in Pesaro, und mehrere Jahre später Professor der gerichtlichen Medizin und Psychiatrie in Turin. L. lieferte Untersuchungen über den Kretinismus, größtes Aufsehen erregte er aber mit seinen Schriften über Kriminalpsychologie, in welchen er die Ursachen der Verbrechen in der körperlichen Beschaffenheit der Verbrecher, erworben durch Vererbung und Atavismus, nachzuweisen sucht (vgl. Kriminalanthropologie). Seine Hauptwerke sind: »Ricerche sul cretinismo in Lombardia« (1859); »Genio e follia« (1864, 3. Aufl. 1876); »Studj clinici sulle malattie mentali« (1865; deutsch, Leipz. 1869); »Studj clinici sperimentali sulla natura, causa e terapia della pellagra« (1870); »Sulla microfalia e sul cretinismo con applicazione alla medicina legale« (Bologna 1873); »La medicina legale delle alienazioni mentali« (Padua 1873); »L'amore nel suicido e nel delitto« (Turin 1881); »L'uomo delinquente in rapporto alla antropologia, alla giurisprudenza ed alle discipline carcerarie« (4. Aufl., das. 1889; deutsch bearbeitet von Fränkel, Hamb. 1887-90, 2 Bde.); »Delitti di libidine« (Tur. 1886); »L'uomo di genio in rapporto alla psichiatria« (das. 1889; deutsch von Fränkel, Hamb. 1890); »Sulla medicina legale del cadavere« (2. Aufl., Pignerolo 1890); »Il delitto politico e le rivoluzioni in rapporto al diritto, all' antropologia criminale etc.« (mit Laschi, Turin 1890); »Palimsesti del carcere« (1891) u. a. Er ist Mitherausgeber des »Archivio di psichiatria, antropologia criminale e scienze penali«.

Longard, Dorothea, engl. Schriftstellerin, s. Gerard.

Löning, 1) Edgar, Staats- und Kirchenrechtslehrer, geb. 14. Juni 1843 zu Paris, besuchte das Gymnasium in Frankfurt a. M., studierte in Bonn, Heidelberg und Leipzig, habilitierte sich 1869 in Heidelberg, war seit 1870 als Beamter im Elsaß, seit 1872 als außerordentlicher Professor in Straßburg thätig, ging 1877 als ordentlicher Professor der Rechte nach Dorpat, 1883 nach Rostock, 1886 nach Halle. Er schrieb: »Die Verwaltung des Generalgouvernements im Elsaß« (Straßb. 1874); »Geschichte des deutschen Kirchenrechts« (das. 1878, 2 Bde.); »Die Haftung des Staates für rechtswidrige Handlungen des Beamten« (Frankf. a. M. 1879); »Lehrbuch des Verwaltungsrechts« (Leipz. 1884); »Die Gemeindeverfassung des Urchristentums« (Halle 1888).

2) Richard, Rechtsgelehrter, Bruder des vorigen, geb. 17. Aug. 1848 zu Frankfurt a. M., studierte die Rechtswissenschaft in Heidelberg und Berlin, wo er den Doktorgrad erwarb, habilitierte sich, nachdem er 1870 bis 1874 als Referendar in seiner Vaterstadt und in Bonn thätig gewesen war und den deutsch-französischen Krieg mitgemacht hatte, 1875 an der Universität Heidelberg, wurde 1878 daselbst außerordentlicher und 1882 ordentlicher Professor in Jena. Er schrieb: »Quid statuendum sit de eo qui condemnatus in crimen reciderit?« (Teil 1, Berl. 1869); »Der Vertragsbruch im deutschen Recht« (Straßb. 1876); »Der Reinigungseid bei Ungerichtsklagen im deutschen Mittelalter« (Heidelb. 1880); »Die Widerklage im Reichszivilprozeß« (Berl. 1881); »Grundriß zu Vorlesungen über deutsches Strafrecht« (Frankf. 1885); »Die strafrechtliche Haftung des verantwortlichen Redakteurs« (Jena 1889); »Über die Begründung des Strafrechts« (das. 1889).

Lophophytum mirabĭle, s. Schmarotzerpflanzen.

Löschgranaten, s. Feuerschutz, S. 282.

Löß. Über die Entstehung des L. in Norddeutschland sind die Ansichten noch geteilt. Während Wahnschaffe dem L. ein jungdiluviales, bez. jungglaziales Alter zuweist und annimmt, daß er bei Beginn der großen Abschmelzungsperiode von den glazialen Schmelzwässern am Rande des norddeutschen Flach-^[folgende Seite]