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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Österreich

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Österreich (Kaisertum: Finanzen, Heerwesen).

gefähr auf 92,5 Mill. Stück. Im Fahrpostverkehr, welcher sich im ganzen von 35,4 auf 36 Mill. Stück gehoben hat, haben Geldbriefe (von 11,3 auf 7,9 Mill. Stück) abgenommen, da sie immer mehr durch die Postanweisungen, durch den Checkverkehr der Postsparkasse etc. ersetzt werden. Der Postanweisungsverkehr zeigt eine Zunahme von 16,1 auf 18 Mill. Stück. Auch der Depeschenverkehr zeigt eine rege Entwickelung; er umfaßte 1884: 7,158,124, 1888: 8,386,622 gebührenpflichtige nebst 600,871, bez. 664,377 gebührenfreien und Dienstdepeschen. Das finanzielle Ergebnis des Post- und Telegraphenwesens weist eine Steigerung der Einnahmen von 24,75 auf 27,58 und der Ausgaben von 21,17 auf 23,93 Mill. Guld. auf. Bei der österreichischen Postsparkasse bezifferte sich im J. 1889 der im Sparverkehr eingelegte Gesamtbetrag auf 18,195,000 Guld. Die Rückzahlungen betrugen 15,716,000, der Überschuß 2,479,000 Guld. Im Checkverkehr erreichte der Umsatz den Betrag von 1505 Mill. Guld. (um 218 Mill. Guld. mehr als im Vorjahr), im Clearingverkehr den Betrag von 433 Mill. Guld. (um 77 Mill. mehr als 1888). Der eigentliche Sparverkehr ist bekanntlich bei den Privatsparkassen viel bedeutender als bei der Postsparkasse. 1888 beliefen sich die Einzahlungen bei den 405 österreichischen Sparkassen auf 333,8, die Rückzahlungen auf 315,7, der Überschuß der erstern auf 18,1 und der Einlagenstand am Schlusse des Jahres auf 1153,8 Mill. Guld. (gegen 1091,2 Mill. zu Ende 1887). Im J. 1889 ist der Einlagenstand der österreichischen Sparkassen nach den bisher vorliegenden Daten gleichfalls und zwar in ungewöhnlicher Weise gestiegen.

[Staatsfinanzen.] Für das Jahr 1890 wurden die Staatsausgaben mit 546,303,035, die Staatseinnahmen mit 548,820,006 Guld. veranschlagt, woraus sich ein Überschuß von 2,516,971 Guld. ergibt. Die wichtigsten Ausgabeposten sind:

Gulden

Hofstaat 4650000

Staatsschuld 149571098

Gemeinsame Angelegenheiten 99767439

Kultus u. Unterricht 21792518

Finanzverwaltung 89178554

Landesverteidigung 16941760

Handelsministerium 78817530

Unter den Staatseinnahmen sind hervorzuheben:

Gulden

Direkte Steuern 104122000

Salz 20679800

Zölle 39619822

Tabak 82463300

Post und Telegraph 29110000

Stempel 18800000

Staatseisenbahnbetr. 49947090

Taxen u. Gebühren 33770000

Indirekte Steuern 283383020

Lotto 21500000

Verzehrungssteuer 102369600

Der gemeinsame Staatsvorschlag wurde von den Delegationen für das Jahr 1891 mit einem ordentlichen Nettoerfordernis von 116,523,548 Guld. festgestellt, wovon auf das Heer 100,493,999 Guld. und auf die Kriegsmarine 9,384,033 Guld. entfallen. Hierzu kommt das außerordentliche Erfordernis von 16,402,339 Guld. und das außerordentliche Heereserfordernis für die Okkupationsländer von 4,365,000 Guld. Nach Abzug der Zolleinnahmen von 40,491,750 Guld. verbleibt ein von den beiden Staatsgebieten zu deckendes Gesamterfordernis von 101,164,137 Guld. Der Stand der Staatsschuld war Ende 1889 (ohne die speziell ungarische Schuld) folgender:

^[Liste]

Allgemeine Staatsschuld 2772 Mill. Gulden

Österreichische - 1057 -

Gemeinsame schwebende Schuld 357 -

Grundentlastungsschulden 72 -

In allen diesen Schuldenkategorien ist im Laufe des Jahres 1889 eine Verminderung eingetreten. Die einjährigen Zinsen und Renten für diese Schulden betragen 164 Mill. Guld. Infolge der Konsolidation der österreichischen und ungarischen Staatsfinanzen konnte endlich ernstlich an die Regelung der Valuta gedacht werden und sind in Bezug auf diese wichtige wirtschaftliche Angelegenheit die Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Regierungen eingeleitet worden. Zunächst wird eine Enquete über die in Betracht kommenden Fragen eingeleitet werden. Im Laufe des Jahres 1889 hat sich der Stand des Goldagios an der Wiener Börse gegen die Vorjahre bedeutend ermäßigt; es betrug nämlich im Jahresdurchschnitt 118,59 Proz. (gegen 123,30 Proz. im J. 1888 und 125,26 Proz. im J. 1887). Seither sind die Valutenkurse übrigens noch viel tiefer gesunken; der Londoner Wechselkurs beispielsweise war im Sommer 1890 auf ca. 116 und im Herbst 1890 sogar auf 112 und darunter gesunken. Die Münzausprägungen beliefen sich im J. 1889 beim Hauptmünzamt in Wien auf 42,2 Mill. Stücke im Betrag von 11,6 Mill. Guld., beim ungarischen Münzamt in Kremnitz auf 2,3 Mill. Stücke im Betrag von 4,9 Mill. Guld.; in den beiden Münzstätten der österreichisch-ungarischen Monarchie wurden demnach im J. 1889 zusammen 44,5 Mill. Stücke im Geldbetrag von 16,5 Mill. Guld. ausgeprägt.

[Heerwesen.] Anfang November 1890 wurden organische Bestimmungen für die Kavallerie, Artillerie, das Pionierregiment und die ungarische Honvedinfanterie erlassen. Die Kavallerie besteht aus 15 Dragoner-, 16 Husaren- und 11 Ulanen-, zusammen 42 Regimentern, von denen die letztern die Nummern 1-8 und 11-13 führen. Die Husarenregimenter ergänzen sich sämtlich aus Ungarn. Das Regiment gliedert sich in 2 Divisionen zu je 3 Eskadrons und 1 Ersatzkadre, außerdem hat jedes Regiment im Frieden wie im Kriege einen Pionierzug von 1 Offizier 23 Reitern. Das Regiment ist 43 Offiziere, 1018 Mann, davon 913 Reiter, stark, jede Eskadron hat 21 Unberittene. Die gesamte Kavallerie ist einheitlich mit Mannlicher-Repetierkarabiner und Säbel bewaffnet. Die fahrenden Batterien der Feldartillerie haben sämtlich 9 cm Kanonen erhalten, und damit hat die Bezeichnung leichte und schwere Batteriedivisionen aufgehört. Die reitenden Batterien haben 8 cm, die Gebirgsbatterien 7 cm Kanonen. Es ist ein Artilleriestab gebildet worden, zu welchem 143 Offiziere vom General bis zum Oberleutnant, und zwar der Generalartillerieinspektor, die Inspizierenden der Festungsartillerie, die Artilleriebrigadekommandeure und die Artilleriedirektoren mit ihren Stäben, gehören; 10 Offiziere davon stehen im Okkupationsgebiet. Die Feldartillerie gliedert sich in 14 Brigaden, bestehend aus 14 Korpsartillerieregimentern, 28 selbständigen Batteriedivisionen zu je 3 Batterien und 1 Division Gebirgsartillerie (bisher beim 9. Festungsartilleriebataillon) für Tirol. Jedes Korpsregiment besteht aus 2 Divisionen von je 3 Batterien und einer Batteriedivision von vermindertem Friedensstand, dem Munitionsparkkadre und dem Ersatzdepotkadre; 8 Regimenter haben je 1 reitende Batteriedivision zu 2 Batterien, 4 je 1 Gebirgsbatterie. Die Tiroler Gebirgsartillerie besteht aus 3 Batterien, welche sich im Kriege verdoppeln, und dem Ersatzdepotkadre, welches im Kriege 4 schmalspurige 9 cm Feldbatterien zu je 4 vierspännigen Geschützen aufstellt. Die Feldartillerie zahlt demnach im Frieden 210 fahrende (9 cm), 16 reitende und 7 Gebirgsbatterien. Die Festungsartillerie, welche bisher aus 12 Bataillonen bestand, wird jetzt in 3 Regimenter zu je 3,3 zu je 2 Bataillonen und 3 selbständige Batail-^[folgende Seite]