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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Philipp; Philippi; Philippson; Phonograph; Phonophor; Phosphor

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Philipp - Phosphor.

Cyanameisensäureester und Anilin, aus Carbanil und Äthyläther, bildet farblose Kristalle, ist fast unlöslich in Wasser, leicht löslich in Alkohol und Äther, schmilzt bei 51,5-52°, siedet unter geringer Zersetzung bei 237-238°. Man benutzt P. als sicheres Fiebermittel, welches zugleich einen günstigen Einfluß auf das Allgemeinbefinden ausübt. Auch bei akutem und chronischem Gelenkrheumatismus wirkt es günstig, wie als Antiseptikum bei hartnäckigen Geschwüren und chronischen Augenentzündungen.

Philipp, 14) P. der Großmütige, Landgraf von Hessen. Vgl. Heidenhain, Die Unionspolitik Landgraf Philipps von Hessen 1557-62 (größeres Werk, Halle 1890).

Philippi, Rudolf Amandus, Botaniker, geb. 14. Sept. 1808 zu Charlottenburg, studierte in Berlin Medizin, wurde nach einer mehrjährigen Reise durch Italien und Sizilien 1835 als Lehrer der Zoologie und Botanik an die höhere Gewerbeschule zu Kassel berufen, die er 1850 als Direktor verließ. Während der Zeit verbrachte P. gesundheitshalber wieder zwei Jahre (1838-40) in Italien. 1851 siedelte er nach Chile über, wurde 1853 mit der Leitung des Lyceums zu Valdivia beauftragt, im Oktober desselben Jahres aber als Professor der Botanik und Zoologie an die Universität Santiago berufen und gleichzeitig zum Direktor des naturhistorischen Museums ernannt. Hier wirkte er in hohem Grade anregend, denn unter seiner Leitung wurden die naturwissenschaftlichen Fächer in weitestem Maßstab an der Hochschule aufgenommen und gepflegt. Seit 1874 widmete er sich ausschließlich der Direktion des Museums, welches unter seiner Leitung das wertvollste in ganz Südamerika geworden ist. Philippis zahlreiche Publikationen bewegen sich auf dem Gebiete der Zoologie und systematischen Botanik. Nach Tausenden zählen die neuen Pflanzen der chilenischen Flora, deren Diagnosen er gegeben hat. Speziell für Chile schrieb er: »Elementos de historia natural« (4. Aufl. 1885) und »Elementos de botanica« (1885).

Philippson, 2) Martin, Geschichtschreiber, legte, weil er als Rektor der Universität Brüssel mit den Studenten in Konflikt geriet, Ende 1890 seine Professur nieder. Er gab die »Gesammelten (belletristischen) Schriften« seines Vaters Ludwig P. (Bresl. 1891 ff.) heraus.

Phonograph. Der P. von Edison ist in vollkommen neuer Ausarbeitung in die Öffentlichkeit gelangt. Es sind die Fehler, welche der ältern Form (s. Phonograph, Bd. 13) anhafteten, in erstaunlich hohem Maße vermieden, so daß der heutige P. auch den weitgehendsten Ansprüchen des Aufschreibens und der Wiedergabe der menschlichen Stimme genügt. Verbessert wurde der P. hinsichtlich des Bewegungsmechanismus, der Membran, welche die Schallschwingungen aufnimmt, der Masse, in welche die Schwingungen eingegraben werden, des Stifts, welcher die Schwingungen eingräbt, und des Stifts, welcher, den Schwingungsbahnen folgend, die Membran wie der so in Schwingungen versetzt, daß die hineingeschickten Schwingungen genau wiedergegeben werden. Zur gleichmäßigen Bewegung des Cylinders, welcher nunmehr aus einer geeignet zusammengesetzten Wachsmasse besteht, dient ein kleiner Elektromotor, dessen Tourenzahl infolge einer feinen Regelung stets die gleiche bleibt. In allerneuester Zeit jedoch finden auch kleine Wassermotoren Verwendung. Als Membran dient ein ganz dünnes Glasblättchen, als Eingrabestift ein äußerst feines Messerchen von elliptischen Querschnitt mit stumpf abgeschnittener Endfläche. Zur Wiedergabe der von dem Messerchen aufgezeichneten Töne verwendet Edison eine zweite Membran (Glasblättchen), deren kleiner Scharnierstift einen gebogenen, in ein winziges Knöpfchen endigenden Hebel trägt. Gehört wird mittels Hörrohre (Schläuche); nur in besondern Fällen ist es möglich, den Phonographen für einen größern Zuhörerkreis ohne Hörrohr vernehmbar zu machen, so z. B. bei Wiedergabe von Trompetensoli etc. In diesem Falle wird auf das Instrument ein Schalltrichter gesetzt. Die Wiedergabe der Laute ist eine in jeder Beziehung großartige und vollkommene zu nennen. Wiewohl Edison in dieser neuesten Form des Phonographen eine für die Praxis höchst wichtige Erfindung sieht und glaubt, daß namentlich größere Geschäfte mittels dieses Apparats ihre umfangreiche Korrespondenz in viel kürzerer Zeit werden erledigen können, so ist doch einstweilen die Fabrikation im wesentlichen damit beschäftigt, sprechende Puppen u. dgl. herzustellen.

Phonophor (griech., »Schallträger«), ein von Wreden konstruiertes Mikrophon (vgl. Bd. 6, S. 154 f.), welches die kleinsten Geräusche hörbar macht. Ein Hebel, welcher unterhalb einer Platte in horizontaler Lage befestigt ist, trägt an seinem einen Ende einen nach oben gerichteten Kohlenstift, über dem sich ein zweiter an der Platte befestigter Kohlenstift befindet. An dem andern Ende des Hebels ist ein Gewicht aufgeschraubt, dessen Lage durch Drehen geändert werden kann. Es wird so eingestellt, daß gerade Gleichgewicht des Hebels stattfindet. Ein zweites hinzugefügtes Gewicht drückt die beiden Kohlenstifte aneinander. Wird der Strom eines Elements durch die Kontaktstelle der beiden Stifte hindurchgeleitet und ein Fernsprecher in den Stromkreis eingeschaltet, so hört man im Fernsprecher die in der Nähe des Phonophors geführten Gespräche, Gesang etc. Die Empfindlichkeit wird durch die Größe des zweiten Gewichts bestimmt, welches in sechs Nummern, von 0,2-1 g, variiert. Je kleiner das Übergewicht, desto größer die Empfindlichkeit. Der einmal erzeugte Empfindlichkeitsgrad bleibt unverändert, und es ist keine Nachregulierung nötig, selbst wenn das P. längere Zeit in Thätigkeit gewesen ist. Die Vorzüge des P. sind seine Billigkeit im Vergleich mit andern Mikrophonen, Dauerhaftigkeit und Widerstandsfähigkeit selbst bei Stößen und Erschütterungen, Beständigkeit bei einmal hergestelltem Empfindlichkeitsgrad (besonders wichtig bei wissenschaftlichen Untersuchungen, wo es sich um quantitativ zu vergleichende Größen handelt) und endlich die Fähigkeit, die den gewöhnlichen Mikrophonen abgeht: auch unter Wasser wirksam zu bleiben.

Phosphor. Das Leuchten des Phosphors ist stets von Ozonbildung begleitet, aber es ist noch unbekannt, ob die Bildung des Ozons Ursache oder Wirkung des chemischen Prozesses ist, welcher beim Leuchten des Phosphors verläuft. Bei niederer Temperatur bildet P. an der Luft weder Ozon, noch leuchtet er. Beides geschieht sehr lebhaft bei 25°. Daß die chemische Reaktion, welche das Leuchten bedingt, nur zwischen dem Dampfe des Phosphors und Sauerstoff stattfindet, ergibt sich aus der Beobachtung, daß P. unter vermindertem Luftdruck stärker leuchtet als unter gewöhnlichem, und daraus, daß Wasserstoff, Stickstoff, Kohlensäure bei Zuführung von Sauerstoff leuchtend werden, wenn sie mit P. in Berührung gewesen waren und Phosphordampf enthalten. Die Schnelligkeit der Verflüchtigung wechselt mit der Dichte der Gase, sie ist am größten in Wasserstoff, am geringsten in Kohlensäure. In reinem Sauerstoff