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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Riemenscheiben aus Holz oder Papiermasse; Riggenbach; Righisches Phänomen

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Riemenscheiben - Righisches Phänomen.

Um das Anhaften der Riemen an den Riemenscheiben zu verstärken, so daß bei gleicher Riemenbreite und Spannung eine größere Kraft übertragen werden kann, ohne daß ein Gleiten des Riemens eintritt, überzieht man entweder gewöhnliche gußeiserne Riemenscheiben mit Reibung vermehrenden Stoffen oder macht die Scheiben überhaupt aus anderm Material. Bei einem amerikanischen Lederüberzug für eiserne Riemenscheiben ist das Überzugleder etwa 50 mm breiter als der Kranz der Scheibe und wird so aufgelegt, daß beiderseits 25 mm überstehen. Der Überstand wird dann auf jeder Seite ins Innere umgebogen und an eisernen Ringstücken befestigt, die auf jeder Seite des Scheibenkranzes von innen gegen den Scheibenkranz anliegen und je mit einem aufgebogenen, gelochten Lappen versehen sind. Durch die Lappen je zweier einander gegenüberstehender Ringstücke ist eine Schraube mit Mutter gesteckt, durch deren Anziehen die umgebogenen Lederkanten einander genähert werden, so daß das Leder stramm über den Kranz gespannt wird. Sollte der Überzug mit der Zeit locker werden, so kann er durch weiteres Anziehen der Muttern leicht wieder festgemacht werden. Eine derartig überzogene Scheibe soll 1½mal so viel Kraft übertragen können als eine gewöhnliche eiserne. Gleichfalls amerikanischen Ursprungs ist eine hölzerne Riemenscheibe, welche aus einer Reihe von dünnen Holzlagen zusammengeleimt ist und zwar so, daß zwei Scheibenhälften entstehen, deren jede aus einem halbkreisförmigen Kranzstück und einem die Enden des Halbkreises verbindenden Armpaar besteht. Die Kranzstücke sind an ihren Endflächen verzahnt, so daß nach dem Zusammenpassen der beiden Hälften ein seitliches Verschieben ausgeschlossen ist. Die Befestigung auf eine Welle geschieht durch Zusammenschrauben der beiden Armpaare. Hierzu muß in der Mitte jedes Armes eine halbkreisförmige Aussparung für die Welle vorgesehen sein. Diese ist so groß, daß zwischen Welle und Scheibenarm eine metallene zweiteilige Büchse gelegt werden kann, welche beim Zusammenschrauben der Arme auf der Welle so fest geklemmt wird, daß der sonst nötige Längskeil fortfallen kann. Die Holzriemenscheibe von E. Germain in Laginaw, Michigan (Vereinigte Staaten von Nordamerika) hat keine Arme, sondern ist aus zusammengeleimten Holzlagen als volle Scheibe mit Nabe und Kranz gebildet. Zum Aufbringen der Scheibe auf die Welle kann auf einer Seite ein von zwei parallelen Ebenen begrenztes Stück von der Breite der Nabe herausgezogen werden. Nachdem der so entstandene Schlitz der Scheibe bis zur Nabe über die Welle geschoben ist, wird das Schlußstück wieder eingesetzt und mittels Schrauben angezogen. Für schwerere Beanspruchung genügt diese Befestigungsweise nicht, vielmehr muß dann die Holznabe durch eine eiserne Nabe ersetzt werden, welche mittels breiter Flantschen angeschraubt und ebenso wie die Scheibe zum Aufbringen auf die Welle nach einer Seite geöffnet werden kann. Das Schlußstück der Nabe schmiegt sich nicht der Welle an, sondern ist im Winkel ausgeschnitten, so daß zwischen Verschlußstück und Welle ein doppelt keilförmiger, nach beiden Seiten spitz zulaufender Raum bleibt, an dessen breitester Stelle ein gerippter Cylinder eingelegt wird, der durch Anziehen des Verschlußstücks zwischen diesem und der Welle festgedrückt wird. Dieser Cylinder ersetzt den Längskeil. Wenn sich nämlich die Riemenscheibe gegen die Welle drehen will, so walzt sich der Cylinder in eine der keilförmigen Verengerungen hinein und klemmt sich dabei zwischen Scheibe und Welle derart fest, daß eine Verdrehung nicht möglich ist. Riemenscheiben aus gepreßter Papiermasse werden von Gebrüder Adt in Forbach ausgeführt. Die Arme oder Speichen sind durch eine aus drei Teilen bestehende Scheibe ersetzt, in deren Mitte die gußeiserne Nabe, aus zwei Stücken bestehend, mittels Flantschen zu beiden Seiten aufgenietet ist. Die mittlere der drei den Kranz tragenden Scheiben ist eben, die beiden äußern sind am Umfang derart aufgebogen, daß sie sich strebenartig an den Kranz anschließen. Der ebenfalls aus Papiermasse bestehende Kranz und die drei Scheiben werden in weichem Zustand unter hohem Druck aneinander gepreßt und so verbunden. Die Scheiben werden in Größen von 100-500 mm Durchmesser (von 25 zu 25 mm steigend) angefertigt, bis 275 mm einteilig, darüber zweiteilig. Im letztern Fall werden die Kranzenden durch Papier- und Eisenwinkel verstärkt und wie die Nabe durch Schrauben verbunden. Die einteiligen Scheiben sollen halb, die zweiteiligen zwei Drittel so schwer wie gußeiserne sein. Der Preis soll dem gußeiserner gleich sein.

Häufig ist zu bemerken, daß die Riemen schief, d. h. nicht in der Mitte der Scheiben laufen. Wenn der Riemen hierbei bald nach der einen, bald nach der andern Scheibenseite läuft, so liegt der Fehler offenbar im Riemen selbst. Läuft der Riemen dagegen gleichmäßig einseitig, so kann der Grund hierfür eine ungenaue Lagerung der beiden durch den Riemen zu verbindenden Wellen sein, viel häufiger aber trägt auch hier der Riemen selbst die Schuld. So wird ein Riemen, dessen Material sich bei der Beanspruchung auf der einen Seite mehr dehnt als auf der andern, einseitig laufen. Dasselbe tritt ein, wenn bei gutem Material der Riemen nicht richtig zusammengefügt wurde, so daß die eine Seite um ein geringes kürzer als die andre ist. Es gibt aber außerdem noch zwei Ursachen des Schieflaufens. Die eine ist eine unsymmetrische Form der Riemenscheibe, derart, daß der größte Durchmesser des konkav (»ballig«) gedrehten Scheibenkranzes nicht in der Mittelebene der Scheibe liegt. Liegt dieser Ausführungsfehler vor, so läuft die Mittellinie des Riemens auf dem größten Durchmesser, daher gleichfalls außerhalb der Mittelebene. Als andre Ursache sind die Rillen zu betrachten, die der Drehstahl bei der Bearbeitung auf der Scheibe hinterlassen hat. Beim Abdrehen großer Riemenscheiben pflegt man nur mit grobem Drehstahl zu arbeiten und die Oberfläche hinterher nicht besonders fein zu schlichten. Die dabei verbleibenden Rillen bilden nun eine Schraubenlinie, welche den Riemen bei der Drehung immer nach einer Seite drängt, so daß er einseitig, schiefläuft. Dem kann man dadurch vorbeugen, daß man, anstatt wie üblich mit dem Drehstahl von einer Kante der Scheibe zur andern vorzugehen, von der Mitte anfängt und nacheinander nach beiden Seiten vorgeht, so daß durch die Rillen zwei entgegengesetzt ansteigende Schrauben entstehen, deren Wirkung sich gegenseitig aufhebt, so daß der Riemen in der Mitte läuft. Fehlerhaft gedrehte Scheiben sind durch Glattfeilen oder Glattschleifen zu verbessern.

Riemenscheiben aus Holz oder Papiermasse, s. Riemenräderwerke.

Riggenbach, Christoph Johannes, protest. Theolog (s. Bd. 17), starb 5. Sept. 1890 in Basel.

Righisches Phänomen, die von Righi entdeckte Erscheinung, daß sich beim Wismut der galvanische Leitungswiderstand erhöht, wenn man dieses Metall zwischen die Pole eines Magnets oder überhaupt in