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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schwarzburg-Rudolstadt; Schwarzburg-Sondershausen; Schwatka; Schweden

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Schwarzburg-Rudolstadt - Schweden.

Produkte an einem bestimmten Termin den Verkäufern die Möglichkeit, die Ware zu liefern, durch künstliche Preistreiberei nach Kräften erschwert wird.

Schwarzburg-Rudolstadt. Die Bevölkerung betrug 1. Dez. 1890 (vorläufiges Ergebnis) 85,638 Seelen und hat seit 1885 um 2002 Seelen, d. h. jährlich um 0,47 Proz., zugenommen.

Schwarzburg-Sondershausen. Die Bevölkerung betrug 1. Dez. 1890 (vorläufiges Ergebnis) 75,514 Seelen und hat seit 1885 um 1903 Seelen, d. h. jährlich um 0,51 Proz., zugenommen.

Schwatka, Frederick, nordamerikan. Polarforscher (s. Bd. 17), starb 31. Jan. 1891 in New York.

Schweden. Die Bevölkerung wurde für Ende 1889 auf 4,774,409 Seelen (11 auf 1 qkm) berechnet. Die Auswanderung ist seit 1887 wieder auf den Stand von 1882 gestiegen und beträgt 1888: 50,323 Personen (meist nach Amerika), während im letztern Jahre nur 4821 Personen einwanderten. Die Zahl der Eheschließungen ist seit 1886 erheblich zurückgegangen und betrug 1888: 28,075. Lebendgeboren wurden 1888: 136,451 Kinder, davon 13,872 uneheliche. Seit 1885 hat sich die Zahl der Todesfälle bedeutend vermindert, von 82,781 auf 75,831 (im J. 1888). In dem Zeitraum 1885-88 hat sich die Zahl der Volksschulen von 10,027 auf 10,163 vermehrt; es gab 1888: 11 höhere, 3639 feste und 806 fliegende Volksschulen, 1191 Notschulen und 4516 Kleinschulen. In der Zahl der höhern Schulen ist keine Veränderung eingetreten. In den beiden Universitäten hat die Zahl der Studierenden um 64 abgenommen, dagegen auf dem Karolinischen Institut in Stockholm (für Medizin) um 96 zugenommen.

Der Ertrag der Ernte war 1889 folgender: 1,306,800 hl Weizen, 7,374,300 hl Roggen, 4,969,200 hl Gerste, 17,475,200 hl Hafer, 2,384,200 hl Mengkorn, 527,200 hl Erbsen, 56,800 hl Bohnen, 238,900 hl Wicken, 24,928,800 hl Kartoffeln. An Haustieren zählte man 1887: 481,257 Pferde, 2,330,706 Stück Hornvieh, 1,377,685 Schafe, 571,114 Schweine, 90,548 Ziegen. Der Bergbau auf Eisen ist in den Läns Wermland, Örebro und Westmanland etwas zurückgegangen, hat sich aber in den Läns Upsala, Kopparberg und besonders in Norrbotten sehr gehoben; 1888 wurden in 537 Gruben 956,200 Ton. Eisenerz und außerdem 31,800 Doppelzentner Sumpfeisen gewonnen. In 162 Hochöfen stellte man 452,500 T. Roheisen sowie 45,279 Doppelzentner Gußeisen und in 124 Gießereien 282,500 Doppelzentner Gußeisen her. In 186 Werken wurden 253,000 T. Stabeisen bereitet; Bessemer- und Martinstahl wurden 114,500 T. und an Eisen- und Stahlwaren 59,670 T. hergestellt. Ferner gewann man 10,525 Doppelzentner Garkupfer, 4648 kg Silber, 75,6 kg Gold, 2345 Doppelzentner Messing, 3277 Doppelzentner Blei, 5126 Doppelzentner Eisenvitriol, 6551 Doppelzentner Alaun, endlich 500,000 Doppelzentner Zinkerz (29 Gruben) und 2,114,000 hl Steinkohlen (5 Gruben). In der Fabrikthätigkeit ist in den letzten Jahren keine erhebliche Veränderung eingetreten; zwar ist seit 1884 die Zahl der Fabriken von 2924 mit 71,317 Arbeitern und 38,823 Pferdekräften auf 3087 mit 74,467 Arbeitern und 51,692 Pferdekräften gestiegen, aber der Wert der Fabrikate beträgt auch nur 191½ Mill. Kr. wie 1884. Nur in den Zuckerfabriken ist die Produktion von 19¼ auf 21⅚ Mill. Kr. und in den Bierbrauereien von 9 auf 12 Mill. Kr. gestiegen.

Der Handel Schwedens war in den Jahren 1886 und 1887 etwas zurückgegangen, hat aber 1888 erheblich an Ausdehnung gewonnen. Zwar erreichte die Wareneinfuhr (322½ Mill. Kr.) noch immer nicht die des Jahres 1885, dagegen hat sich die Ausfuhr (281,6 Mill. Kr.) beträchtlich vermehrt, und selbst das beste Exportjahr Schwedens in diesem Jahrzehnt bleibt um 25 Mill. Kr. hinter 1888 zurück. Die Hauptgegenstände der Einfuhr waren: Manufakturwaren von Gespinsten (53 Mill. Kr.), Kolonialwaren (49 Mill.), Mineralien (33 Mill.), Getreide (28 Mill.), Metalle (24 Mill.), Spinnstoffe (23 Mill.), Haare und Häute (17 Mill.); bei der Ausfuhr: Holz und Holzwaren (134 Mill.), tierische Nahrungsmittel (41 Mill.), Metalle (35 Mill.), Getreide (18 Mill.), Papier (16 Mill. Kr.). Am Handelsverkehr waren am meisten beteiligt: Großbritannien mit 223½ Mill. Kr., Deutschland mit 121 Mill. (94 Mill. in der Einfuhr, 27 Mill. in der Ausfuhr), Dänemark mit 77 Mill., Norwegen mit 42 Mill., Rußland und Frankreich mit je 36 Mill. Kr. Im J. 1888 liefen in schwedischen Häfen mit Ladung ein 10,140 Schiffe von 2,173,314 Ton. und mit Ladung aus 18,166 Schiffe von 3,726,935 Ton. Das Eisenbahnnetz umfaßte Ende 1889: 7910 km, darunter 2613 km Staatsbahnen. Das Budget für 1891 belief sich in Einnahme und Ausgabe auf 94,950,000 Kr., die Staatsschuld Ende 1889 auf 259 Mill. Kr. In den schwedischen Gemeinden betrugen die Einnahmen 1887: 56¼ Mill., die Ausgaben 59¾ Mill. Kr.; den Schulden im Betrag von 141½ Mill. Kr. standen 227½ Mill. Kr. an Aktiven gegenüber.

Geschichte. Die Vorlage der Regierung über Hebung der Wehrkraft schlug dem Reichstag eine weitere Verminderung der Grundsteuer sowie der Indeltalasten um 10 Proz. unter der Bedingung vor, daß der Reichstag der Verlängerung der Wehrpflicht von 12 auf 14 Jahre und der Übungszeit der Rekruten um 6 Tage zustimme. Die Zweite Kammer verlangte aber eine Ermäßigung der Grundsteuer um 20 Proz., ohne sich vorher zu einer Änderung des Wehrgesetzes verpflichten zu wollen. Unter diesen Umständen ließ die Regierung die Sache fallen. Den Regierungsantrag über Unfallversicherung für Arbeiter und Errichtung einer Reichsversicherungsanstalt lehnte die Erste Kammer ab. Dagegen genehmigte der Reichstag die Änderung des sogen. Zwischenreichsgesetzes (Zollunion) zur Regelung der gegenseitigen freien Einfuhr ihrer Erzeugnisse zwischen S. und Norwegen und setzte die Zahl der Mitglieder der Ersten Kammer auf 150, die der Zweiten Kammer auf 225 (75 der Städte und 150 des Landes) fest. Im Herbste 1890 fanden die Neuwahlen für die Zweite Kammer statt, bei denen die Schutzzöllner den Freihändlern unterlagen, wogegen die Erste Kammer überwiegend schutzzöllnerisch war. Der Reichstag wurde 19. Jan. 1891 vom König mit einer Thronrede eröffnet; in derselben wurde das gute Verhältnis zu allen Mächten betont und die günstige Finanzlage (6 Mill. Überschuß 1890) hervorgehoben, welche eine kräftige Entwickelung der Staatseisenbahnbauten und die Forderung andrer wichtiger Staatsbedürfnisse ohne eine neue Anleihe gestatte. Als Vorlagen wurden eine Heeresordnung und ein Unfallversicherungsgesetz wieder angekündigt. Trotz der Siege der Freihändler bei den Wahlen beschloß der Reichstag im März in gemeinschaftlicher Sitzung die Beibehaltung der Lebensmittelzölle.

Zur Litteratur: »Das malerische S., eine Schilderung in Wort und Bild« (von mehreren schwedischen Verfassern, deutsch übersetzt von Hoppe, Bresl. 1890); Warmholtz, Bibliotheca Sueo-Gothica (Leipz. und Upsala 1889); »Sveriges traktater med främmande magter jemte andra dit hörande handlingar« (hrsg. von Rydberg, Stockh. 1888 ff.); »Svenska