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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sukkulenten

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Sukkulenten (Fettpflanzen).

wächst. Bei manchen Arten der Gattung bildet sich ein auffallender Schutz der ebenfalls sehr versteckt liegenden Wachstumsscheitel in Gestalt ineinander greifender Zähne aus, die an den Rändern der aufeinander liegenden Blätter angebracht sind und einen dichten Schluß des zwischen ihnen liegenden Spaltes bedingen. Auch die Samenverbreitung vieler Mesembryanthemum-Arten weicht von der andrer Pflanzen ab, indem sich ihre Kapseln nur bei Benetzung durch Wasser und nicht wie sonst durch Austrocknung öffnen.

Für stammbildende S., welche übrigens durch keine scharfe Grenze von den blattbildenden geschieden sind, erscheint die Kugelform behufs Oberflächenverringerung und Wasseranhäufung als die denkbar günstigste. Jedoch leistet dieselbe für die vom Licht abhängigen Assimilationsvorgänge zu wenig, und es wird daher bei zahlreichen Kakteen, Euphorbien und bei Stapelia-Arten eine bedeutende Oberflächenvergrößerung dadurch herbeigeführt, daß sich warzenartige Hervorwölbungen (z. B. bei Mamillaria), vorspringende Rippen, Leisten oder Flügel (viele Arten von Cereus und Euphorbia) oder Flachsprosse (Opuntia) bilden, welche die Funktion der verloren gegangenen Blätter wieder aufnehmen; die blattlosen Sprosse von Rhipsalis mesembryanthemoides gleichen z. B. den Blättern von Mesembryanthemum durch ihre cylindrische Form vollkommen.

In der Gattung Euphorbia kommen zunächst bei den Formen mit ausgebildeten Blättern Arten mit unterirdischen, wohlentwickelten Knollen (E. tuberosa) vor, aus denen eine Blattrosette hervortreibt. Auch kann sich die Sproßachse als Wasserspeicher, z. B. bei E. bupleurifolia, ausbilden, deren cylindrischer Stamm mit einem Panzer schwärzlicher kurzer Schuppen bedeckt ist und während der Vegetationszeit eine endständige Blattkrone trägt; die Schuppenblätter bilden sich aus den stehen bleibenden Blattbasen, welche nach dem Abfallen der Blattflächen etwas weiter wachsen und den Stamm vor Verdunstung schützen. Bei den Euphorbien mit verkümmerten Blättern bilden sich teils cylindrische oder abgeplattete Sprosse, teils ein kurzer, z. B. bei E. caput Medusae faustgroßer, Hauptsproß, der am Ende eine große Anzahl fingerdicker, langer Seitensprosse trägt; letztere dienen mehrere Jahre hindurch als Assimilationsorgane, fallen dann aber ab, und ihre Assimilate wandern in den als Reservespeicher dienenden Knollenstamm; behandelt man einen solchen Seitensproß als Steckling, so erlangt er die Fähigkeit der Verzweigung. Bei andern Arten entstehen durch stärkere Entwickelung der in Reihen stehenden Blattkissen Rippen, durch welche der Stamm einen sternförmigen Querschnitt (E. polygona, heptagona u. a.) erhält. Bisweilen sinkt an den Seitensprossen die Zahl der Rippen bis auf zwei, wodurch zweikantige, an Phyllocactus erinnernde Flachsprosse sich bilden. Einen kugeligen Vegetationskörper mit trichterartig eingesenktem Wachstumsscheitel besitzt E. meloformis, während E. globosa aus einem Haufwerke kugeliger Sprosse und Sproßglieder besteht.

Noch reichhaltiger sind die Gestaltungsvorgänge bei den Kakteen. Die Gattung Peireskia zeigt noch die gewöhnliche Gliederung in Stamm und Blätter; letztere sind fleischig und tragen Dornbüschel in ihren Achseln. Entfernt man nach Göbel die Stammspitze oberhalb junger Blätter, so wachsen die Achselsprosse derselben aus und erzeugen Blätter an Stelle der Dornen, womit die Blattnatur derselben bewiesen ist. Auch manche Arten von Opuntia haben cylindrische grüne Blätter; bei andern, z. B. bei O. cylindrica, treten letztere aber wenig hervor und fallen frühzeitig ab. Das Streben nach Oberflächenvergrößerung zeigt sich nun bei den Opuntien teils in der Bildung von hervorragenden Vorsprüngen der Stammoberfläche, teils in der Ausbildung von Seitentrieben als Flachsprosse; die junge Pflanze von O. brasiliensis besteht aus einem einfachen, bestachelten Stamme, welcher an der Seite dünne, alljährlich abfallende und erst nach völliger Erstarkung des Hauptstammes sich verästelnde Flachsprosse treibt; behandelt man flache Seitensprosse als Stecklinge, so liefern sie wieder cylindrische, mit dem Hauptsproß übereinstimmende Sprosse. Bei einer andern Reihe von Opuntien (O. vulgaris, Ficus indica u. a., zu denen auch der in Südeuropa verwilderte Feigenkaktus gehört) bilden sich sämtliche Sprosse flachgliederig aus, aber ihre Keimpflanzen sind zuerst cylindrisch und flachen sich erst später ab. Auch die blütentragenden Sprosse sind radiär gestaltet und tragen an ihrem Ende in einer konkaven Einsenkung den mit dem Sproß verwachsenen Fruchtknoten, der außen mit Blättern und Stachelbüschen besetzt erscheint und als Sproßteil die Fähigkeit hat, neue Blüten oder bei kräftiger Ernährung sogar Seitensprosse zu bilden. In den bisher genannten Fällen entstehen die Flachsprosse aus einem allseitig mit Blattanlagen besetzten, durch einseitiges Wachstum veränderten Sproß. In andern Fällen (z. B. bei Melocactus, Echinocactus, Anhalonium und Leuchtenbergia) dagegen bilden sich blattartig gestaltete Organe aus, welche auf ganz andre Weise entstehen; es geschieht dies durch Bildung von sogen. Mamillen, d. h. Höckerbildungen, welche nicht bloß dem am Stamme angewachsenen Teile des Blattes (Blattkissen) entsprechen, sondern aus dem stark auswachsenden Blattkissen nebst dem dazu gehörigen, aber mit dessen ganzem obern Teile der Länge nach verschmolzenen Achselsproß bestehen. Die Mamillen sind in der Regel an der Spitze mit einem Stachelbüschel (d. h. mit Blattäquivalenten) versehen, jedoch fehlen diese bei dem sonderbar gestalteten Anhalonium fissuratum aus Texas, das auf einer großen rübenförmig angeschwollenen Wurzel eine Rosette oben abgeflachter, gefurchter und in der Furche dichtborstiger Blätter trägt. Daß jedoch auch hier die Mamillen als Grundform anzunehmen sind, geht aus der Keimungsart der Pflanze hervor, indem auf die Kotyledonen zunächst zwei dornentragende Mamillen folgen. Die Rippen von Echinocactus und ähnlichen Formen kommen ferner entwickelungsgeschichtlich durch Verschmelzung reihenweise übereinander stehender Mamillen zu stande; jedoch stammen nicht alle rippenbildenden Kakteen von mamillären Formen ab, indem sich, z. B. bei Pilocereus-Arten, die am Vegetationspunkt auftretenden Sprossungen auch ohne Mamillenbildung zu Rippen vereinigen können. Häufig kehren die blütenbildenden Sprosse der rippentragenden Kakteen, die sogen. Cephalien, wieder zur Mamillenbildung zurück; die Cephalien genannter Gattung sind nämlich dadurch ausgezeichnet, daß die blütentragende, mit einem dichten Haarschopf bekleidete Region nur einseitig am Stengel entwickelt ist und hier an Stelle der Rippen zahlreiche, einzeln stehende, stachel-, woll- oder blütentragende Sproßanlagen in Form oben abgeflachter, polygonaler Mamillen trägt. Aus den gerippten Kakteen (Cereus) bilden sich die mit geflügelten Sprossen, deren Blattrudimente und Stachelpolster nur auf den Kanten stehen (Phyllocactus); es kommt dies durch Verminderung in der Zahl der Kanten zu stande; letztere