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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Telegraphenbüreaus

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Telegraph - Telegraphenbüreaus.

bieten der Elektrotechnik, die für die Aufgaben der Telegraphenverwaltung von Bedeutung sind, prüfen, neue Vorschläge zu technischen Einrichtungen machen, von andern Seiten vorgeschlagene oder anderwärts bestehende Einrichtungen begutachten, neu angelieferte Telegraphenmaterialien und Apparate abnehmen, Beamte in der Handhabung von Meßinstrumenten und in Bearbeitung technischer Fragen unterweisen sowie elektrische Beleuchtungsanlagen prüfen und abnehmen soll. Das Personal besteht aus 2 Obertelegrapheningenieuren, 3 Telegrapheningenieuren und dem erforderlichen Hilfs- und Büreaupersonal.

Den vorhandenen Apparaten ist der Wheatstonesche Schnellschreiber (s. oben, S. 909) hinzugefügt worden, wodurch namentlich die umfangreiche Zeitungskorrespondenz eine erheblich beschleunigte Beförderung erfahren hat. Als wichtigstes Ereignis aber darf die Ersetzung der hydrogalvanischen Batterien durch Sammlerbatterien angesehen werden, mit welchen zunächst auf dem Berliner Haupttelegraphenamt 1889 ein erfolgreicher Versuch gemacht worden ist. Es sind zunächst 25 Batterien von Tudorakkumulatoren in Betrieb gesetzt worden, deren Strom nach drei Richtungen verteilt ist. Derselbe versorgt 68 Leitungen, in welche 41 Morse- und 27 Hughesapparate eingeschaltet sind. Die drei Systeme umfassen: eins mit 36 Leitungen zu 34 Volt, eins mit 12 Leitungen zu 40, eins mit 13 Leitungen zu 50, eins mit 6 Leitungen zu 60 und eins mit einer Leitung zu 80 Volt. Die Batterien arbeiten einen Monat, werden aber gewöhnlich alle 10 Tage mittels eines Siemens-Dynamo durch einen Gasmotor von 8 Pferdekräften geladen. Die Sammler sind in Bezug auf die elektromotorische Kraft mit den bisherigen Telegraphenelementen gleichwertig, übertreffen die letztern aber in Bezug auf den innern Widerstand. Derselbe ist bei ihnen so klein, daß auch bei Entnahme verhältnismäßig starker Ströme die Klemmenspannung der Batterie fast unverändert bleibt, so daß man viele Telegraphenleitungen aus einer Batterie speisen kann; daraus folgt, daß die sämtlichen galvanischen Batterien eines großen Telegraphenamtes durch verhältnismäßig wenige Sammlerzellen ersetzt werden können und auf diese Weise Raum erspart und die Bedienung vereinfacht wird.

In umfangreicher Weise wurde der T. in Deutschland neuerdings in den Dienst der öffentlichen Wohlfahrt gestellt. Die Einrichtung, den T. in den Stromgebieten zu einem einheitlich geregelten Wasserstandsmeldedienst zu benutzen, ist erweitert und vervollkommt worden. Durch die schnelle telegraphische Verbreitung der Wasserstands-, Eisgangs- etc. Nachrichten an die Regierungen, Landratsämter, Wasserbauinspektionen und an die durch die elementaren Ereignisse besonders bedrohten Gemeinden oder Privatpersonen ist es ermöglicht worden, rechtzeitig Vorsichtsmaßregeln zu treffen, und die Einrichtung hat sich beiden in jedem Jahr wiederkehrenden. Überschwemmungen etc. als segensreich bewiesen. Bei einer großen Anzahl von Verkehrsanstalten, bei welchen für den gewöhnlichen telegraphischen Verkehr ein ununterbrochener Dienst nicht erforderlich oder thunlich war, ist eine nächtliche Dienstbereitschaft zur Beförderung von Telegrammen durch Aufstellung von elektrischen Weckvorrichtungen eingerichtet worden, um entweder während der ganzen Nacht oder wenigstens für gewisse Nachtstunden die Beförderung von Telegrammen für dringliche Fälle sicherzustellen. Über Unfallmeldedienst s. Fernsprecher, S. 271.

Der Besitzstand von Unterseekabeln ist erheblich vermehrt worden. Zur Verbesserung des unmittelbaren Telegrammverkehrs zwischen Deutschland und Dänemark, insbesondere zwischen Berlin und Kopenhagen, ist in Gemeinschaft mit der dänischen Telegraphenverwaltung ein vieraderiges Kabel von Warnemünde bis Gjedser auf Falster verlegt worden. Ferner ist der Übergang der deutsch-englischen Kabel Emden-Lowestoft und Greetsiel-Valentia (Irland) aus dem Besitz der Vereinigten deutschen Telegraphengesellschaft in das Eigentum des Reiches durchgeführt. Das erstgenannte Kabel dient zum Austausch für den deutsch-englischen Verkehr, das letztgenannte für denjenigen der deutsch-amerikanischen Korrespondenz. Auf Veranlassung der deutschen Regierung ist das Kabel der Londoner Eastern and South African Telegraph Company, welches über Sansibar nach Port Natal führt, von Sansibar aus durch eine Zweiglinie mit dem Festland verbunden worden, so daß seit Oktober 1890 die drei in der deutschen Interessensphäre in Ostafrika eingerichteten deutschen Telegraphenanstalten: Sansibar, Bagamoyo und Dar es Salam an das Welttelegraphennetz angeschlossen sind. Über die Ergebnisse der 1890 stattgefundenen internationalen Telegraphenkonferenz s. d. (S. 913). Vom 1. Febr. 1891 ab ist die Telegrammgebühr im innern Verkehr auf 5 Pf. für das Wort (mindestens jedoch 50 Pf. für das Telegramm) herabgesetzt worden.

Telegraphenbüreaus (Telegraphenkorrespondenzbüreaus), Einrichtungen, durch welche Börsen-, politische und andre Nachrichten an Zeitungen und Privatleute versandt werden. Sie verdanken ihre Entstehung dem Schriftsteller Bernhard Wolff (s. d.), Eigentümer der Berliner »Nationalzeitung«, welcher dieselbe dadurch zu heben suchte, daß er sie mit möglichst viel politischen und Börsentelegrammen ausstattete. Es war dies zwar für die Zeitung von Vorteil, erheischte aber einen unverhältnismäßigen Aufwand für die Telegrammgebühren; Wolff versuchte daher, die Telegramme bei auswärtigen, später auch bei Berliner Zeitungen durch Wiederverkauf zu verwerten. Hieraus entwickelte sich ein regelmäßiger, gewinnbringender Geschäftsbetrieb, der 1849 die Firma Telegraphisches Korrespondenzbüreau (B. Wolff), in der Folge kurz Wolffsches Büreau annahm, bald in allen größern Städten Deutschlands Abonnenten gewann und in der Lage war, Zweiggeschäfte einzurichten. Ganz ähnlich wurde Reuters Telegram Office in London durch den Buchhändler Paul Julius Reuter, spätern Baron Reuter (s. d., Bd. 13), gegründet, der, in seinem Geschäft schiffbrüchig geworden, 1851 nach London ging, dort für englische Bankiers und Zeitungen die Nachrichten aus den deutschen, holländischen, belgischen und französischen Seestädten vermittelte und sein Institut nach und nach zu der heutigen Bedeutung hob. Die Agence Havas, der Zeit der Einrichtung und der Bedeutung nach das dritte Telegraphenbüreau, hat seiden Sitz in Paris. Außerdem sind noch zu nennen: das französische »Hirsch Telegraphenbüreau«, die italienische »Agenzia Stefani«, das internationale Telegraphenbüreau von Katkoff und Genossen in Rußland, und »Corbureau« in Österreich; aber sie alle sowie die kleinern Büreaus in der Schweig, in Brüssel, Kopenhagen etc. sind durch Verträge mit einem der drei T. (Wolff, Reuter und Havas, welche unter sich wieder ihre Wirkungskreise durch Verträge abgegrenzt haben) gebunden und von dem größern Institut durchaus abhängig. Bei Regung irgend welcher Unabhängigkeitsgelüste würde das große Konsortium sofort ein eignes Büreau an dem betreffenden Orte